• Eine alte blinde Frau mit einem Stock steht mit mehreren Kindern vor einer Hütte. © CBM

Armut und Behinderung: Inklusion durchbricht den Kreislauf

Wussten Sie, dass Behinderung und Armut einander bedingen? Menschen mit Behinderungen sind oft besonders arm – oder armutsgefährdet. Und weil sich die Christoffel-Blindenmission (CBM) für die Rechte behinderter Menschen einsetzt, gehört die Bekämpfung von Armut mit zu ihren Aufgaben.

Der Kreislauf von Armut und Behinderung

Kreislauf-Grafik: Armut führt zu Krankheit. Krankheit führt zu Behinderung. Behinderung führt zu Ausgrenzung. Ausgrenzung führt zu Armut. © CBM
Ziel der CBM ist es, den verhängnisvollen Kreislauf von Armut und Behinderung nachhaltig zu durchbrechen.

 

Einerseits sind Behinderungen die Ursache von Armut: Nur sehr wenige behinderte Menschen in Entwicklungsländern haben Zugang zu Gesundheitsdiensten. Ihr Recht auf Nahrung, Bildung und Gesundheit wird vielfach nicht gewahrt. Auf der anderen Seite führt ein Leben in Armut oft erst zu Behinderungen. Ein schlimmer Fakt: Etwa 50 Prozent aller Behinderungen ließen sich vermeiden und sind direkt mit Armut in Verbindung zu bringen. Häufige Gründe für Behinderungen sind Unterernährung, fehlender Zugang zum Gesundheitssystem, Kriege oder Naturkatastrophen.

Kinder mit Behinderungen haben es besonders schwer. Sie haben weniger Chancen, in die Schule zu gehen, einen Job zu finden oder als gleichberechtigte Menschen an der Gesellschaft teilzuhaben. Sie sind nicht nur in finanzieller Hinsicht arm, sondern auch an Entwicklungsmöglichkeiten – durch soziale Barrieren.

  • 1 Mrd. Menschen weltweit haben eine Behinderung

  • 80% aller Menschen mit Behinderungen leben in Entwicklungsländern

  • nur 10% aller behinderten Kinder in Entwicklungsländern gehen zur Schule

Den Kreislauf durchbrechen

Die Überwindung von Armut zählt zu den wichtigsten Aufgaben der Christoffel-Blindenmission. Die CBM macht sich dafür stark, dass Menschen mit Behinderungen bei den Anstrengungen zur Armutsreduktion stärker berücksichtigt werden. Denn sonst kann Armut nicht nachhaltig bekämpft werden.

CBM-Spenderinnen, CBM-Spender und die CBM durchbrechen gemeinsam den Kreislauf aus Behinderung und Armut. Sie helfen in den ärmsten Ländern der Welt durch medizinische Hilfe, Rehabilitation, Durchsetzung der Rechte von Menschen mit Behinderungen, Bewusstseinsbildung und durch Bildungsangebote.

Wichtig ist die langfristige Begleitung von Menschen mit Behinderungen, damit sie z. B. nach einer Operation so weit rehabilitiert sind, dass sie eine Schule besuchen oder einem Beruf nachgehen können.

Inklusion als Schlüssel zur Armutsbekämpfung

Die CBM setzt sich für Inklusion in der Entwicklungszusammenarbeit ein. Warum? Inklusion in armen Ländern ist die Voraussetzung für die Verbesserung der Lebensqualität behinderter Menschen. Sie sind meist arm. Und wer Armut in Entwicklungsländern effektiv bekämpfen will, muss die Bedürfnisse und Interessen von Menschen mit Behinderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen einbeziehen. Was bedeutet das konkret?

Wir müssen umdenken

Inklusion in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) bedeutet einen enormen Wandel. Denn Behinderung wird nicht mehr als Rand- oder Spezialthema begriffen, sondern muss als Querschnittsaufgabe in der gesamten EZ umgesetzt werden. Diesem Ansatz der Inklusion zufolge gibt es nicht mehr die beiden Kategorien "behindert" und "nicht behindert", sondern nur noch eine Gesellschaft, in der alle Mitglieder die gleichen Möglichkeiten, Rechte und Pflichten haben.

Gezielte Förderung

Es ist wichtig, bei der Umsetzung inklusiver EZ Folgendes zu beachten: Behinderte Menschen haben oft spezifische Bedürfnisse, die gezielt gefördert werden müssen. Es reicht beispielsweise nicht, einen hörbehinderten Schüler in eine Regelschule zu schicken. Er braucht auch die Möglichkeit, Hilfsmittel wie z. B. ein Hörgerät zu nutzen. Gleichzeitig ist es notwendig, dass sich auch die Gesellschaft ändert: Lehrkräfte und Mitschülerinnen und Mitschüler müssen lernen, so mit ihrem hörbehinderten Mitschüler zu sprechen, dass er von ihren Lippen ablesen kann.

  • Ein Mensch mit Behinderung braucht Hilfe: Medizinische Behandlung, Reha, Zugang zu Bildung, Unterstützung bei der Existenssicherung.

  • Die Dorfgemeinschaft wird einbezogen: Mitmenschen müssen lernen, auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen einzugehen.

  • Gesellschaftliche Rahmenbedingungen müssen angepasst werden: barrierefreier Zugang zu Gebäuden, Transport, soziale Dienste und Information.

Strategien und Arbeitsweisen inklusiver Entwicklungszusammenarbeit

Durch Entwicklungszusammenarbeit (EZ) wollen Industrie- und Entwicklungsländer weltweite Unterschiede bei den allgemeinen Lebensbedingungen und in der sozio-ökonomischen Entwicklung nachhaltig abbauen. Die Zusammenarbeit ist auf ein gleichberechtigtes Verhältnis zwischen Geber und Empfänger ausgerichtet.

Entwicklungszusammenarbeit muss inklusiv sein, d. h. die Bedürfnisse und Rechte von Menschen mit Behinderungen sind kein Rand- oder Spezialthema mehr, sondern eine Querschnittsaufgabe in der gesamten EZ. Idealerweise gibt es nicht mehr die beiden Kategorien "behindert" und "nicht behindert", sondern nur noch eine Gesellschaft, in der alle Mitglieder in ihrer Unterschiedlichkeit die gleichen Möglichkeiten, Rechte und Pflichten haben.

Dafür verfolgt die CBM verschiedene Strategien: