Kinder in der Schule. © CBM/Daniel Hayduk 2016

Menschenrechtsbasierter Ansatz: Gleiche Chancen und Rechte für alle

In ihrer Arbeit verfolgt die Christoffel-Blindenmission (CBM) einen menschenrechtsbasierten Ansatz: Sie setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen ihre grundlegenden Rechte auf Partizipation, Inklusion, Chancengleichheit, Sicherheit und Würde wahrnehmen können – unabhängig von Nationalität, Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder Alter. Ziel ist eine inklusive Gesellschaft.

Traditionell konzentriert sich die Entwicklungshilfe auf die Bedürfnisse von Menschen und ihre Erfüllung. Ein auf die CBM bezogenes Beispiel wäre ein Mann, der nicht laufen kann, und deshalb einen Rollstuhl oder ein Tricycle (Fahrrad mit drei Rädern) erhält. Der menschenrechtsbasierte Entwicklungsansatz ist umfassender, denn es werden nicht nur die Alltagsbedürfnisse behinderter Menschen berücksichtigt, sondern auch ihre Menschenrechte. Dazu gehören bürgerlich-politischen Rechte ebenso wie die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte (WSK-Rechte), z.B. das Recht auf Wasser, Nahrung und Bildung.

Ein indischer Mann sitzt in einem Tricycle. Neben ihm steht eien indische Frau. © CBM
Tulsiram aus Indien ist seit einem Unfall gehbehindert. Mit einem Tricycle hat er seine Mobilität zurückbekommen und betreibt jetzt einen kleinen Kiosk.

Die Rechte von Menschen mit Behinderungen stärken

Insbesondere Menschen mit Behinderungen wurden und werden immer noch häufig als "Objekte" von Wohltätigkeit betrachtet. Im menschenrechtlichen Verständnis sind sie jedoch gleichberechtigte Gesellschaftsmitglieder, deren Rechte es einzufordern gilt. Adressat solcher Forderungen sind in der Regel die Regierungen, die sich in Verträgen verpflichtet haben, Menschenrechte einzuhalten. Die CBM setzt sich für die Stärkung der Rechte von behinderten Menschen ein und erinnert  Regierungen in Entwicklungsländern und in Deutschland an die Einhaltung ihrer Verpflichtungen.

Entwicklung und Menschenrechte sind untrennbar miteinander verbunden. Es kann keine nachhaltige Entwicklung ohne Achtung der Menschenrechte geben und ebenso ist es unmöglich, Menschenrechte zu stärken, wenn keine Entwicklung stattfindet. Daher ist es der CBM so wichtig, einen menschenrechtsbasierten Ansatz anzuwenden.

UN-Behindertenrechtskonvention

Eine wichtige Basis zur Umsetzung des menschenrechtsbasierten Ansatzes ist die UN-Behindertenrechtskonvention (kurz: UN-BRK). Hierbei handelt es sich um einen 2006 in Kraft getretener Beschluss der Vereinten Nationen, der die Menschrechte von Menschen mit Behinderungen bekräftigt und spezielle Regelungen beinhaltet, die auf die Lebenssituation und Bedürfnisse behinderter Menschen abgestimmt sind. Behinderte Menschen sollen genau wie alle anderen auch an allen Lebensbereichen einer Gesellschaft teilhaben, wobei auf ihre besonderen Bedürfnisse, z.B. Information in Punktschrift oder Rampen an Gebäuden, Rücksicht genommen werden muss, und das von Anfang an (Inklusion).

Eine Frau beugt sich über einen Tisch an dem mehrere Mädchen sitzen und etwas Schreiben. Eines der Mädchen trägt eine Brille mit dunklen Gläsern. © CBM/Telemans
In dieser peruanischen Schule können auch Kinder mit Behinderungen teilnehmen. Sie bekommen einen persönlichen Lehrer an ihre Seite, der ihnen bei schwierigen Aufgaben assistiert.

CBM erzielt mit Partnern Erfolge in Peru

Einen Meilenstein für die Behindertenrechtsbewegung erzielte die CBM mit Partnern in Peru: Zusammen mit anderen Nichtregierungsorganisationen initiierten sie ein neues Gesetz für Menschen mit Behinderungen.

Aktionen in sozialen Netzwerken, Demonstrationen und andere Aktivitäten setzten Impulse für den notwendigen Wandel. 130.000 Unterschriften – erforderlich waren nur 57.000 Stimmen – verhalfen dem Gesetzesentwurf zur Abstimmung ins Parlament und im Juni 2012 zur Verabschiedung.

Mit dem neuen Gesetz haben Menschen mit Behinderungen u. a. das Recht auf inklusive Bildung und barrierefreies Transportwesen. Außerdem sind Unternehmen verpflichtet, drei bis fünf Prozent behinderte Menschen einzustellen. Zehn Prozent der Kandidaten bei Wahlen in Peru müssen Menschen mit Behinderungen sein.

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