Eine afrikanische Frau schiebt ein Kind im Rollstuhl eine Rampe hinauf. © CBM/Hartung

Barrierefreiheit: Individuelle und gesellschaftliche Hürden überwinden

Barrierefreiheit ist eine wichtige Voraussetzung für Inklusion, für die sich die Christoffel-Blindenmission (CBM) einsetzt. Ohne Barrierefreiheit kann die Inklusion von Menschen mit Behinderungen, das heißt ihre volle Teilhabe und Chancengleichheit in allen Bereichen der Gesellschaft, nicht gelingen. Doch was bedeutet Barrierefreiheit eigentlich?

Viele verletzliche Personengruppen wie Schwangere, Ältere und Menschen mit Behinderungen sehen sich täglich mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert, die ihnen die Bewältigung des Alltags zum Teil extrem erschweren. Erst durch Barrierefreiheit ist gewährleistet, dass Menschen mit Einschränkungen die gleichen Möglichkeiten haben, wie Menschen ohne Beeinträchtigungen.

Ein Mädchen sitzt an einem Schulpult und kommuniziert in Gebärdensprache mit einer Frau. © CBM/argum/Einberger
Barrierefreiheit in der Kommunikation: Mit Gebärdensprache lassen sich Sprachbarrieren überwinden.

Physische und psychische Barrieren

Häufig wird Barrierefreiheit mit der Auflösung physischer Barrieren gleichgesetzt. Sie geht aber weit darüber hinaus. Es reicht also nicht aus, eine Treppe durch eine behindertengerechte Rampe zu ersetzen. Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) macht deutlich, dass Barrierefreiheit vor allem im eigenen Kopf beginnt. Durch Vorurteile und Stigmatisierung werden Menschen mit Behinderungen nämlich oft daran gehindert, ihre Rechte, z.B. auf Schulbesuch, wahrzunehmen.

Individuelle und gesellschaftliche Barrierefreiheit

Zu Barrierefreiheit gehört einerseits der Abbau individueller Barrieren, z.B. durch die Unterstützung des Einzelnen mit seinen besonderen Bedürfnissen durch Hilfsmittel wie Rollstühle oder Blindenschriftliteratur. Andererseits gilt es Barrierefreiheit aber auch im gesellschaftlichen Umfeld der Betroffenen umzusetzen. Hier müssen z.B. Verkehrsmittel behindertengerecht gestaltet sein. Auch kommunikative und intellektuelle Barrieren gilt es aufzulösen, d.h. es muss mehr Angebote in Gebärdensprache, Brailleschrift, Sprachcomputer und Texte in leichter Sprache geben.

Eine Frau im Rollstuhl fährt die Rampe vor einem Haus hinunter. © CBM/Koch
So geht Barrierefreiheit: Eine Rampe wie diese ist behindertengerecht und ermöglicht Rollsuhlfahrern einen unbeschwerlichen Zugang zu Gebäuden.

Ohne Barrierefreiheit keine Inklusion

Barrierefreiheit ist eine Grundvoraussetzung für Inklusion. Sie kann nur verwirklicht werden, wenn allen Menschen offen und vorurteilsfrei begegnet wird und Menschen mit Behinderungen einen freien Zugang zu Gebäuden, natürlichen Ressourcen, Transport, sozialen Diensten und Information haben.

Gemeinsam mit ihren Partnern setzt sich die CBM dafür ein, dass Barrieren, die Menschen den Zugang zu Dienstleistungen verwehren, beseitigt werden. So wird die soziale Gerechtigkeit für Menschen mit Behinderungen erhöht und ihre Verwundbarkeit sowie Abhängigkeit von anderen verringert.

Ein kleiner Junge mit Brille tastet sich an einem taktilen Leitsystem an der Wand entlang. © Jens Grossmann / CBM
Vinício (5) aus Guatemala ist mehrfach behindert und sieht kaum etwas. Durch Barrierefreiheit kann er seinen Alltag viel leichter bewältigen. Mit dem taktilen Leitsystem an der Wand findet er z.B. problemlos seinen Gruppenraum.

Universelles Design für Barrierefreiheit

Die CBM befürwortet die Anwendung der Prinzipien des "universellen Designs", denn sie machen Barrierefreiheit möglich: Produkte und Leistungen werden so gestaltet, dass sie von allen Menschen bestmöglich genutzt werden können, ohne Anpassungen oder spezielle Vorrichtungen. Eine Rampe kommt nicht nur Rollstuhlfahrern zugute, sondern auch Menschen, die mit Kinderwagen oder Koffern unterwegs sind. Ein tastbares Leitsystem für blinde Menschen nützt auch sehenden Menschen bei der Orientierung. Es zeigt sich: Barrierefreiheit hilft und nützt der ganzen Gemeinschaft.

Zur Verwirklichung eines universellen Designs werden lokale Rohstoffquellen genutzt und örtliche Mitarbeiter mit Behinderungen in die Bedarfsanalyse, Umsetzung, Fertigung, Instandhaltung etc. einbezogen. Die Prinzipien des universellen Designs sind oft bereits Bestandteil nationaler Standards, werden aber in vielen Fällen trotzdem noch nicht umgesetzt.

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