Ein lachendes afrikanisches Mädchen. © CBM

Twin-track Approach: Ein zweigleisiger Ansatz für eine inklusive Welt

Ziel der Christoffel-Blindenmission (CBM) ist es, Menschen mit Behinderungen volle Teilhabe in der Gesellschaft zu ermöglichen. Um dies realisieren zu können, muss sowohl für den einzelnen Menschen mit Behinderung als auch auf breiter gesellschaftlicher Ebene etwas getan werden. Die CBM verfolgt daher einen zweigleisigen Ansatz – den sogenannten Twin-track Approach.


Ein Mädchen im Rollstuhl wird von einer Frau über einen Feldweg geschoben, in dem ein großes Wasserloch klafft. © CBM
Ein Rollstuhl hat Grace (Mitte) mobiler gemacht. Aber der Zustand des Weges ist so beschaffen, dass sie weiterhin auf Hilfe angewiesen ist.

Die CBM versucht, wo immer möglich, in ihren Projekten und Programmen zweigleisig vorzugehen. Das eine "Gleis" will Behinderung als Querschnittsthema in allen Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit verankern. Dafür setzt die CBM sich in ihrer anwaltschaftlichen Arbeit bei Regierungen und anderen Nichtregierungsorganisationen ein.

Beim anderen "Gleis" steht die Notwendigkeit im Mittelpunkt, spezifische Projekte durchzuführen, die behinderte Menschen befähigen, Kontrolle über das eigene Leben auszuüben. Viele von ihnen haben ihr Leben lang Ausgrenzung aus der Gesellschaft erlebt. Durch gezielte Maßnahmen des Empowerment, d.h. durch Befähigung, sollen sie in die Lage versetzt werden, ihre Geschicke in die eigenen Hände zu nehmen und ihre Interessen selbst zu vertreten.

Das Ziel ist das Erreichen gleicher Rechte und Chancen für Menschen mit Behinderung, ihrer Teilhabe an allen gesellschaftlichen Prozessen und das Verhindern von Ausgrenzung – also ihre Inklusion.

Umfeld mit im Blick haben

Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Behinderung kein individuelles Problem ist, sondern ganz entscheidend durch das Umfeld bedingt wird. Der zweigleisige Ansatz hilft dabei, sowohl die individuelle Unterstützung im Blick zu haben als auch das Umfeld, z. B. die Infrastruktur und die Mitmenschen. Ein Beispiel: Ein Kind lebt mit seiner Familie in einem kleinen Dorf, das von Mangrovenwäldern umgeben ist. Oft träumt es davon, wie die anderen Kinder die Schule im Nachbarort zu besuchen, doch es kann nicht laufen.

Ein Mädchen im Rollstuhl wird von zwei Frauen über eine Stufe gehoben. © CBM
Stufen am Schulgebäude: Eines der Hindernisse, derentwegen Grace den Weg zur Schule im Rollstuhl nicht alleine bewältigen kann.

Der Rollstuhl allein reicht nicht

Eine spezifische Maßnahme könnte also sein, ihm einen Rollstuhl zur Verfügung zu stellen, damit es sich selbstständig fortbewegen kann. In vielen Fällen reicht dies aber nicht aus, denn wie in jenem Dorf besteht der Weg zum Nachbarort, in dem sich die Schule befindet, aus einem kleinen Bretterpfad, der sehr schmal und sehr wackelig ist.

Der zweite Ansatz muss also sein, dass allgemeine Vorhaben, wie z.B. die Verbesserung der Infrastruktur des Dorfes, inklusiv gestaltet werden. Bei der Planung des neuen Weges sollten alle Dorfbewohner mit und ohne Behinderungen einbezogen werden. Von einem ebenerdigen und stabilen Brettertreg profitiert nämlich nicht nur unser Beispielkind, sondern auch ältere Menschen und Schwangere und Frauen mit Kinderwägen.