Bildung für alle möglich machen
Die Wahrscheinlichkeit, nie eine Schule besucht zu haben, liegt laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF bei Kindern mit Behinderungen um 49 Prozent höher als bei Kindern ohne Behinderungen. Diese und viele weitere Gründe sind für eine fehlende Schulbildung von Kindern in Ländern des Globalen Südens verantwortlich: mangelnde Barrierefreiheit der Schulen und Lernmittel, unzureichend pädagogisch geschulte Lehrkräfte, unzugängliche öffentliche Verkehrsmittel und Schulwege, Armut in der Familie, sodass das Schulgeld nicht aufgebracht werden kann.
Um inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung für alle zu erreichen, brauchen wir
- besondere Aufmerksamkeit für die Grundbildung! Nur wenn Kinder früh gefördert werden und besondere Unterstützungsbedarfe zeitig erkannt und erfüllt werden, haben sie die Chance, die notwendigen Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu erwerben. Grundbildung ist die Basis für weiterführende und berufsbezogene Bildung und damit für wirtschaftliche Unabhängigkeit und selbstbestimmte Lebensführung.
- Bildungssysteme und Programme, die sicherstellen, dass Menschen mit Behinderungen von Bildung nicht ausgegrenzt werden. Dazu gehört eine gute Bedarfsanalyse unter Einbindung der Betroffenen (einschließlich der Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern und Lernenden) und die Bereitstellung ausreichender finanzieller und personeller Ressourcen. Die möglichst umfassende Barrierefreiheit von Transportwegen, Schuleinrichtungen, Unterrichtsmaterialien und -methoden ist zentrale Voraussetzung dafür, dass Kinder unterschiedlicher Behinderungen ihr Recht auf Bildung wahrnehmen können.
- eine internationale Gemeinschaft, die sich engagiert und gemeinsam der globalen Herausforderung stellt, Bildung für alle sicherzustellen. Multilaterale Mechanismen wie die Globale Bildungspartnerschaft (GPE) und Education Cannot Wait (ECW, ein Fonds für Bildung in Krisen und Konflikten) leisten einen wichtigen Beitrag, um dieses Ziel zu erreichen.
Die CBM arbeitet eng mit internationalen zivilgesellschaftlichen Netzwerken zusammen und trägt mit ihrem Fachwissen zur Formulierung gemeinsamer Empfehlungen bei, damit Menschen mit Behinderungen überall auf der Welt ihr Recht auf Bildung wahrnehmen können. In Deutschland und international engagiert sich die CBM in der Globalen Bildungskampagne (GBK). In der GBK formieren sich zivilgesellschaftliche Kräfte, denen globale Bildung wichtig ist. Überdies bringt sich die CBM selbst kontinuierlich in Konsultations- und Beteiligungsverfahren der Bundesregierung und internationaler Akteure wie GPE und ECW ein.
Unsere Forderungen an die Bundesregierung:
- Deutschland muss sich stärker in der GPE und in ECW engagieren, indem es dort konsequent für inklusive Bildung eintritt und einen finanziellen Beitrag leistet, der Deutschlands wirtschaftlicher Bedeutung entspricht.
- Deutschland sollte ergänzend zur multilateralen Bildungsfinanzierung bilateral mit seinen Partnerländern in der Grundbildung zusammenarbeiten. Die bilaterale Zusammenarbeit bietet Chancen für Innovationen und eigene Schwerpunktsetzungen, zum Beispiel im Bereich der inklusiven Bildung.
- Deutschlands Strategien und Konzepte zu globaler Bildung müssen verbindlich festschreiben, dass Menschen mit Behinderungen in der Umsetzung nicht ausgegrenzt werden. Vor der Entscheidung über die Unterstützung neuer Finanzierungsinstrumente für globale Bildung muss eine Bewertung von Risiken der Exklusion von Menschen mit Behinderungen, Kindern aus einkommensschwachen Haushalten und anderen benachteiligten Gruppen vorgenommen werden.