"Gemeindenahe inklusive Entwicklung" ist wie Sozialarbeit

Wenn es um Menschen mit Behinderungen in der Entwicklungszusammenarbeit geht, ist in Fachkreisen der Begriff "Community Based Inclusive Development" (CBID) nicht mehr wegzudenken. Die wörtliche Übersetzung des englischen Fachbegriffs ist "gemeindenahe inklusive Entwicklung". Doch was bedeutet das eigentlich genau?

Ziel: So selbstständig wie möglich in einer Gemeinschaft leben

Es geht darum, bei allen Entwicklungen in einem Gemeinwesen alle Menschen gleichermaßen einzubeziehen, darunter natürlich auch Menschen mit Behinderungen! Die gemeindenahe inklusive Entwicklung hat zum Ziel, dass alle Menschen so selbstständig wie möglich in Gemeinschaft leben können. Ein Ziel, das die CBID mit der Sozialarbeit, wie sie z.B. in Deutschland Praxis ist, gemeinsam hat.

Vor einer Rundhütte: Eine Frau im T-Shirt mit CBM Logo legt die Arme um die Schultern einer weiteren Frau und eines Mannes mit Unteramrstützen. © CBM/Happuc
Togo: Abou (r.), der eine körperliche Behinderung hat, und seine Frau Lare bekommen Besuch von CBM-Projektmitarbeiterin Sika.

Während Entwicklungsprogramme früher oft einen medizinischen Fokus hatten, geht es bei der gemeindenahen inklusiven Entwicklung auch um Bildung, Förderung der Existenzsicherung und einen sozial-gesellschaftlichen Wandel.

Vielzahl an Akteuren gestaltet die Entwicklungsprozesse

Dabei gibt es in den Programmen in unseren Projektländern viele Beteiligte: Lokale oder nationale Behörden und ihre Einrichtungen, Nichtregierungsorganisationen, lokale Elterninitiativen und Behindertenverbände. Die Zusammenarbeit der Organisationen machen Entwicklungsprozesse in Gemeinschaften möglich, während Menschen mit Behinderungen sich mit ihren Stärken einbringen. Es geht nicht mehr nur um die Förderung des Einzelnen, sondern um die Veränderung sozial-gesellschaftlicher Strukturen.

Hauptakteure sind Menschen mit Behinderungen

Gemeindenahe inklusive Entwicklung (CBID) ist ein Ansatz, der sicherstellt, dass Menschen mit Behinderungen respektiert und in allen Lebensbereichen gleichberechtigt einbezogen werden. Sie hat unterschiedliche Formen, zielt aber immer darauf ab, Inklusion zu verwirklichen. CBID-Programme werden zusammen mit Menschen einer Gemeinschaft durchgeführt, wobei Menschen mit Behinderungen die Hauptrolle spielen.

 

Schwerpunkte der CBM bei der gemeindenahen inklusiven Entwicklung

Die CBID-Arbeit der CBM konzentriert sich insbesondere auf die Fachbereiche

  • inklusive Katastrophenvorsorge
  • Hilfe für Menschen mit Ohr- und Hörproblemen
  • inklusive Bildung
  • Existenzsicherung
  • Rehabilitation von Menschen mit Körperbehinderung

Dabei stehen die fünf Schwerpunkte nicht jeweils für sich allein, sondern beziehen sich wechselseitig aufeinander.

  • Arztkoffer

    Katastrophenvorsorge für alle

  • Ohrmuschel

    Ohr- und Hörprobleme

  • Doktorhut

    inklusive Bildung

  • Eine Figur kniet vor einer Pflanze

    Existenzsicherung

  • Rollstuhlnutzer

    Reha von Menschen mit Körperbehinderungen

Stärken Sie mit Ihrer Spende Inklusion! Stärken Sie Menschen mit Behinderungen!

  • Afrikanischer Junge schreibt auf eine Tafel - dank Spenden-Geschenk Schulbesuch
    50
    Spenden

    Schulbesuch

    Einen ganzen Monat lang zur Schule gehen – das ermöglichen Sie einem behinderten Kind mit diesem Geschenk.

  • Ein Mann repariert ein Fahrrad - dank Spenden-Geschenk Existenzgründung
    100
    Spenden

    Existenzgründung

    Indem Sie für Existenzgründung spenden, unterstützen Sie einen Menschen mit Behinderung bei der Umsetzung seiner Geschäftsidee.

  • Ein Mann entfernt nach Spenden-Geschenk Ohrenoperation den Kopfverband eines Kindes.
    300
    Spenden

    Ohrenoperation

    Schenken Sie einem Kind oder einem Erwachsenen Gehör! Spenden Sie eine Ohrenoperation.

Weiterentwicklung der gemeindenahen Rehabilitation

Das Vorgängerkonzept für CBID hieß "Community-based Rehabilitation" (CBR), gemeindenahe Rehabilitation. CBR-Programme waren schon im letzten Jahrhundert ein wichtiger CBM-Arbeitsbereich. Die Hilfe sollte nicht auf Gesundheits- und andere Einrichtungen beschränkt bleiben, sondern zu den Menschen kommen, an ihren Wohn- und Lebensort – und dort auch auf Familien und die Gemeinschaft und somit auf die ganze Gesellschaft wirken. Die CBR-Konzepte und -Verfahren verschiedener Länder, Organisationen und Projekte variierten allerdings stark.

2010 erstellten UN-Organisationen und andere Fachorganisationen Richtlinien, die zur inklusiven Neuausrichtung der Strategie führte: die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (UNESCO), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das "International Disability and Development Consortium" (IDDC), dessen Mitglied die CBM ist. Diese Richtlinien bieten Orientierung, um Programme zu entwickeln und Inklusion und damit die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen zu fördern. 2011 wurde der Inklusionsgedanke auch in den Konzept-Namen aufgenommen: Community Based Inclusive Development (gemeindenahe inklusive Entwicklung).

 

CBID, Behindertenrechtskonvention und Nachhaltigkeitsziele

Porträt eines Mannes © CBM/Stier
Dominique Schlupkothen, Leiter der CBID-Arbeit bei der CBM: "Gemeindenahe inklusive Entwicklung ist ein Ansatz, der sicherstellt, dass Menschen mit Behinderungen in ihrer Gemeinschaft respektiert werden und gleichberechtigt leben können."

CBID ist der Schlüsselansatz, um die Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention und die UN-Nachhaltigkeitsziele (Leave no one behind! – Niemand darf außen vor gelassen werden!) erreichen. Teilhabe ist dabei ein ganz wichtiges Prinzip!

Der CBID-Ansatz wird in vielen Ländern angewendet. Auch die CBM fördert mit ihrer CBID-Strategie die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Typische Arbeitsbereiche von CBID-Programmen

  • Aufklärung über Behinderungsursachen und deren Prävention
  • Medizinische Betreuung, Therapie und Rehabilitation vor Ort
  • Beratung für Menschen jeden Alters mit sämtlichen Arten der Behinderung
  • Förderung inklusiven Unterrichts von Kindern mit Behinderungen
  • Vermittlung lebenspraktischer Fertigkeiten und Berufsausbildung
  • Förderung von Selbsthilfegruppen
  • Aufklärung über Rechte
  • Bewusstseinsbildung bzw. anwaltschaftliche Arbeit für die Notwendigkeit von Inklusion in allen gesellschaftlichen Bereichen
  • Fachliche Beratung auf regionaler, nationaler und globaler Ebene

 

CBID-Projekte auf allen Kontinenten

In diesen 30 Ländern fördert die CBM 166 CBID-Projekte mit 135 Projektpartnern:

Weltkarte mit farbig markierten Ländern in Zentralamerika, Zentral- , Ost-, West- und im südlichen Afrika, im nahen Osten, in und um Indien und Sri Lanka. © CBM

16 Projekte mit 14 Projektpartnern in Zentralamerika und der Karibik, darunter zwei überregionale (hellgrüne Markierungen)
1 Guatemala
2 Haiti
3 Honduras
4 Nicaragua

36 Projekte mit 32 Projektpartnern in Zentral- und Westafrika (lila Markierungen)
5 Benin
6 Kamerun
7 Elfenbeinküste
8 Demokratische Republik Kongo
9 Niger
10 Nigeria
11 Sierra Leone
12 Togo

57 Projekte mit 41 Projektpartnern in Ost- und im südlichen Afrika (orange Markierungen)
13 Äthiopien
14 Kenia
15 Malawi
16 Ruanda
17 Südsudan
18 Tansania
19 Uganda
20 Sambia
21 Simbabwe

54 Projekte mit 45 Projektpartnern in Asien und dem Nahen Osten (türkise Markierungen)
22 Bangladesch
23 Indien
24 Jordanien
25 Libanon
26 Nepal
27 Pakistan
28 Palästinensische Gebiete
29 Philippinen
30 Sri Lanka

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