Ein gehörloses Mädchen im Unterricht an einer Regelschule in Guatemala © CBM/argum/Einberger

Das Projekt ADISA – Rehabilitation und Inklusion in Guatemala

ADISA, Partner der Christoffel-Blindenmission (CBM) arbeitet daran, die Lebensumstände von Menschen mit Behinderungen in Guatemala zu verbessern. Dafür hat die Organisation ein umfassendes, gemeindenahes Rehabilitationsprogramm aufgebaut, das die CBM fördert. Das Programm arbeitet in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Ausbildung sowie in der sozialen und politischen Arbeit.

Zwei blinde Frauen stehen vor ihrer Hütte in Guatemala © CBM/argum/Einberger
Menschen mit Behinderung finden bei ADISA gemeindenahe, rehabilitative Unterstützung – auch in entlegenen Orten.

ADISA steht für "Asociación de Padres y Amigos de Personas con Discapacidad", also "Vereinigung der Eltern und Freunde von Menschen mit Behinderungen". Hauptsitz und Aktionsgebiet ist das Areal rund um Santiago de Atitlán, eine im Hochland Guatemalas gelegene Stadt. Besonders aktiv ist ADISA hier unter der indigenen Maya-Bevölkerung im Departement Sololá. Ein zweiter Standort des Projekts liegt im Bezirk von Chiquimula, im südöstlichen Teil des Landes. Die CBM unterstützt das Projekt bereits seit 2006.

Die Organisation selbst ist jedoch schon viel älter: Eltern von Kindern mit Behinderungen gründeten sie 1988 vor dem Hintergrund fehlender Betreuungs- und Hilfsmöglichkeiten. Aus einer kleinen Initiative wurde so im Laufe der Zeit eine agile, anerkannte Organisation. Heute kümmert sie sich umfassend um Menschen mit Behinderungen und nimmt eine führende Rolle in der Wahrung ihrer Rechte in Guatemala ein.

Therapeutische und rehabilitative Versorgung

Ein Junge mit Down Syndrom während seiner Ergotherapie im ADISA-Projekt © CBM/argum/Einberger
Viele Therapien finden bei den Klienten zuhause in ihrem gewohnten Umfeld statt.

Mithilfe des Projekts erhalten Menschen mit körperlichen, geistigen oder mehrfachen Behinderungen Unterstützung durch Physio-, Sprach- oder Ergotherapie. Sie können sich entweder im ADISA-Zentrum oder zuhause im gewohnten Umfeld behandeln lassen. Und sogar eine tiergestützte Therapie ist im Angebot, mit der auch verschlossene, in sich gekehrte Menschen erreicht werden können.

Wenn nötig, erhalten die betreuten Menschen vom Projekt auch Hilfsmittel wie Rollstühle, Gehhilfen, Orthesen, Prothesen oder Hörgeräte. Braucht ein Betreuter besondere medizinische Behandlung, sind die Projektmitarbeitenden ebenfalls zur Stelle und vermitteln den Kontakt zu passenden Spezialisten.

Für die Behandlung von Klumpfußpatienten hat ADISA sogar ein eigenes Netzwerk aufgebaut – in sechs verschiedenen Bezirken Guatemalas werden Fachkräfte zur Behandlung dieser Krankheit geschult.

  • 1.854 Patienten haben 2017 Physio- oder Ergotherapie erhalten.

  • 1.000 Kinder werden durchschnittlich vom Projekt betreut.

  • 90 Kinder mit Behinderungen haben 2017 inklusiven Unterricht an einer Regelschule erhalten.

Frühe Förderung und inklusiver Ansatz

Junger Mann mit Down Syndrom beim Unterricht in einer Regelschule in Guatemala © CBM/argum/Einberger
ADISA kooperiert mit Regelschulen, um die schulische Inklusion von Kindern mit Behinderung zu fördern.

Auch bei der Bildung ist der CBM-Partner sehr aktiv: Im Rahmen eines Frühförderprogramms besucht er Familien mit kleinen Kindern mit Behinderungen. Ziel ist, das Bewusstsein der Eltern für die besonderen Bedürfnisse ihrer Kinder zu wecken und ihnen Fähigkeiten für eine vorschulische Förderung zu vermitteln.  

Inklusiver Unterricht in Regelschulen

Für die älteren Kinder liegt ADISA inklusiver Schulunterricht besonders am Herzen. Sie organisiert den Transport von Kindern mit Behinderungen, damit sie am Unterricht in einer Regelschule teilnehmen können. Die Lehrer in diesen Schulen erhalten spezielle Trainings, um den besonderen Anforderungen eines inklusiven Unterrichts und der Betreuung der Kinder auch gewachsen zu sein. Für gehörlose Kinder und ihre Familien bietet ADISA zudem einen speziellen Unterricht in Gebärdensprache an.

Ausbildung sichert Zukunft

Ein körperbehinderter Mann in Guatemala versucht vom Rollstuhl in ein tuk-tuk einzusteigen. © CBM/argum/Einberger
Salvador (r.) wurde nach seiner Ausbildung Buchhalter bei ADISA. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig die Arbeit des Projektes ist.

Ein weiterer Projektschwerpunkt liegt in der beruflichen Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen bzw. ihren Familien. So können sich Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderungen auch künstlerisch-handwerklich ausbilden lassen, beispielsweise lernen sie, Schmuck aus recycelten Materialien herzustellen.

Mit Sparvereinen zur Geschäftsgründung

Menschen mit Behinderungen und ihre Familien können zudem, mit Unterstützung des Projekts, Sparvereine aus genossenschaftlicher Basis gründen. So haben sie die Möglichkeit, eigene kleine Geschäftsideen zu realiseren. Sie verwalten gemeinsam das gesammelte Sparvermögen aller Mitglieder und vergeben Kleinkredite für berufliche Zwecke an die Mitgliedsfamilien.

Politisches Engagement auf mehreren Ebenen

Eine Gruppe von Kindern mit und ohne Behinderung in Guatemala © CBM/argum/Einberger
Gleiche Chancen für alle – ein Ziel, an dem das CBM-geförderte Projekt nachhaltig arbeitet.

Die gemeindenahe Arbeit für Menschen mit Behinderung wird durch das politische Engagement von ADISA auf lokaler und nationaler Ebene komplettiert.

Das Projekt steht in engem Kontakt mit den politischen Entscheidern und setzt sich intensiv für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein. Es bindet zudem auch die Betroffenen selbst in ihre gesellschaftspolitische Arbeit mit ein. Dabei hat das ADISA-Team sein Ziel fest im Auge, Menschen mit Behinderung auf gleicher Augenhöhe mit allen anderen in die Gesellschaft einzubinden.