Sonnenuntergang in den Bergen von Äthiopien. © CBM

Äthiopien – kulturelle Vielfalt und große Herausforderungen

Unter den afrikanischen Ländern ist Äthiopien einzigartig: Als einziges nie kolonialisiertes Land blickt es auf eine 3.000 Jahre alte Geschichte zurück und verfügt über eine große kulturelle wie historische Vielfalt. Gleichwohl fehlt es vielen Menschen am Nötigsten zum Überleben.

Sagenhaftes Äthiopien

Äthiopische Landschaft mit flacher Ebene im Vordergrund und Bergen im Hintergrund. © CBM/Hartung
Äthiopien ist von extremen Höhenunterschieden geprägt: Vom höchsten Berg mit 4.533 Metern bis zum niedrigsten Punkt mit 116 Metern unterhalb des Meeresspiegels.

Etwas Mystisches umgibt Äthiopien: Legenden zufolge soll Menelik I. das äthiopische Königreich Abessinien im 10. Jahrhundert vor Christus gegründet haben. Dabei soll Menelik Überlieferungen zufolge der Sohn König Salomos und der Königin von Saba gewesen sein. Bis zum Ende der äthiopischen Monarchie 1974 beriefen sich alle Herrscher auf die Abstammung von König Salomos.

Ethnische Vielfalt und kultureller Reichtum

Daneben weiß das ostafrikanische Binnenland auch mit ganz irdischen Dingen zu überzeugen: Die Hauptstadt Addis Abeba ist nicht nur die dritthöchstgelegene Hauptstadt der Welt, sondern gleichzeitig die höchste Afrikas. Zudem ist der bevölkerungsreichste Binnenstaat der Welt die Heimat von rund 80 unterschiedlichen ethnischen Gruppen.

Und auch in Sachen kulturelle Vielfalt beeindruckt das Land: Nirgends auf dem gesamten Kontinent gibt es so viele UNESCO-Welterbestätten wie in Äthiopien. Historische Besonderheit ist, dass Äthiopien als einziges afrikanisches Land, abgesehen von der italienischen Besatzung während des Zweiten Weltkrieges, nie kolonialisiert wurde.

  • Kaffeekirschen am Strauch

    Äthiopien gilt als Ursprungsland des Kaffees und ist gleichzeitig größter Kaffeeproduzent des afrikanischen Kontinents.

  • Menschen laufen im Sonnenuntergang eine Straße entlang.

    Fossile unserer frühesten Vorfahren wurden in Äthiopien gefunden. Das Land gilt daher als Wiege der Menschheit.

  • Die äthiopische Festungsstadt Gonder

    Der Palast des Fasilides wurde im 17. Jahrhundert als Teil einer Festungsstadt angelegt und ist heute UNESCO-Weltkulturerbe.

  • Ein Mädchen hat Wasser in einem fast ausgetrockneten Flussbett geholt und transportiert es in einem Kanister nach Hause.

    Dürren führen dazu, dass die Menschen weite Wege zurücklegen müssen, um an Trinkwasser zu gelangen.

Hunger und Armut bestimmen den Alltag

Eine Mutter sitzt mit ihren fünf Kindern vor ihrer Hütte in einen äthiopischen Dorf. © CBM
Gut 26 Prozent aller Menschen in Äthiopien sind von extremer Armut bedroht. Dabei sind Menschen mit Behinderungen besonders gefährdet, wie die 45-jährige Ansha (M.), die an der Augenkrankheit Trachom erkrankte.

Obwohl sich die äthiopische Regierung erfolgreich bemüht die Konjunktur anzukurbeln – 2017 wuchs die Wirtschaft um satte zehn Prozent – , verbessert sich der Alltag der Menschen nur langsam. Nach wie vor gehört das Land zu den ärmsten der Welt. Ein Grund hierfür sind wiederkehrende Dürren, die zu schweren Hungersnöten und zu einer instabilen Versorgungslage der Menschen führen. Nach wie vor sind gut 21 Prozent der Menschen unterernährt.

Menschen mit Behinderungen besonders betroffen

Hinzu kommen starke Umweltbelastungen durch Bodenerosionen als Folge der zunehmenden Rodung von Waldflächen, der starke Bevölkerungsanstieg, eine unzureichende Versorgung mit sauberem Trinkwasser, mangelnde hygienische Verhältnisse und eine schlechte Infrastruktur.

Besonders stark betroffen von diesen Faktoren sind Menschen mit Behinderungen. Die WHO schätzt den Anteil der Menschen mit Behinderungen auf knapp 18 Prozent, davon leben über 83 Prozent in abgeschiedenen, ländlichen Gebieten. Da sich die große Mehrheit der Ärzte auf Ballungszentren wie Addis Abeba konzentriert, ist für behinderte Menschen eine medizinische Versorgung nahezu unmöglich.

Die CBM in Äthiopien

Bereits seit 1967 ist die CBM in Äthiopien tätig, dabei liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der Augengesundheit. Daneben unterstützt die CBM Projekte in den Bereichen Existenzsicherung und gemeindenahe Rehabilitation (CBR).

Beispielhaft für die CBM-Arbeit in Äthiopien stehen ein Programm zur Existenzsicherung (Spargruppen in kleinen Dörfern, die u.a. die Vergabe von Kleinkrediten ermöglichen) und das GTM-Trachom-Programm.

Die hochansteckende Augenkrankheit Trachom ist in Äthiopien weit verbreitet. Unbehandelt führt die Krankheit zu unwiderruflicher Blindheit. Die Arbeit der CBM und ihres lokalen Partners zielt darauf ab, nicht nur die Auswirkungen der Krankheit zu verringern, sondern gleichzeitig die Ursachen, wie fehlende Wasserversorgung und mangelhafte Hygiene, zu beseitigen. Dabei suchen mobile Teams Menschen in abgeschiedenen Gegenden auf, um Betroffene zu behandeln und um Aufklärungsarbeit zu leisten.

Äthiopien im Überblick

Die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba mit vielen Hochhäusern. Im Hintergrund sind Berge. © CBM / argum
Der Name der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba heißt übersetzt "Neue Blume". Mit bis zu 3.000 Metern über dem Meeresspiegel ist sie die höchstgelegene Stadt Afrikas.
  • Fläche: 1,1 Mio. km² ¹
  • Einwohner: 109 Mio. (Stand 2019)¹
  • Hauptstadt: Addis Abeba¹
  • Klima: drei Klimazonen, je nach Höhenlage: feucht- bzw. trockenheiß, gemäßigt, kühl¹
  • Sprachen: amharisch, englisch, daneben 70 weitere anerkannte Regionalsprachen¹
  • Religion: 43,5 Prozent äthiopisch-orthodoxe Christen; 33,9 Prozent Muslime; 18,6 Prozent Protestanten; 0,7 Prozent katholische Christen¹
  • Lebenserwartung: 65,9 Jahre² (DEU: 81,2)
  • Kindersterblichkeit: 58,5 von 1.000³ (DEU: 3,7 von 1.000)
  • Human Development Index: Platz 173 von 189²

Quellen:
¹Auswärtiges Amt; ²Human Development Index; ³BMZ