Zwei Frauen sitzen nebeneinander, eine der beiden trägt auf ihrem rechten Auge einen Verband.

Nach der Flucht droht Blindheit

Christoffel-Blindenmission unterstützt Trachom-Behandlungen in Flüchtlingslager im Südsudan

Bensheim, 11. Juni 2026. Vor Krieg geflohen, von Blindheit bedroht: Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni erinnert die Christoffel-Blindenmission (CBM) daran, dass Menschen auf der Flucht nicht nur Gewalt und Hunger ausgesetzt sind. Krankheiten verbreiten sich dort besonders schnell. Eine davon ist das Trachom – die weltweit häufigste entzündliche Ursache für Blindheit. Im Rubkona-Flüchtlingslager im Südsudan unterstützt die CBM humanitäre medizinische Hilfe, darunter mobile Augenbehandlungen. Die 49-jährige Njeliett musste bereits zweimal vor Krieg fliehen – erst aus dem Südsudan in den Sudan, später wieder zurück. Heute droht sie zu erblinden.

Jeder Lidschlag schmerzt. Njelietts Wimpern haben sich infolge des fortgeschrittenen Trachoms nach innen gedreht und reiben bei jedem Lidschlag schmerzhaft auf der Hornhaut. Die Schmerzen sind so stark, dass ihre Tochter ihr regelmäßig die Wimpern mit einer Pinzette auszupft.

Die Witwe lebt mit zwei ihrer sieben Kinder im Rubkona-Flüchtlingslager im Norden des Südsudan, teilt sich ein Zelt mit der Familie ihres Bruders. Viele Menschen leben dort seit Jahren unter prekären Bedingungen, Wasser ist knapp, sanitäre Anlagen gibt es kaum. Fliegen schwirren um offene Abwassergräben und Latrinen. Wo Trachom bereits vorkommt, kann sich die Krankheit unter schlechten hygienischen Bedingungen besonders leicht ausbreiten.

Zweimal vor Krieg geflohen

Während des Bürgerkriegs im Südsudan floh Njeliett mit ihrer Familie nach Khartum im Sudan. Doch als dort Krieg ausbrach, musste sie wieder alles zurücklassen. Einige ihrer Kinder blieben im Sudan zurück. Von ihnen hat sie seit langer Zeit nichts mehr gehört.

"Flucht bedeutet oft jahrelanges Leben unter extrem schwierigen Bedingungen", sagt der Leiter der Humanitären Hilfe bei CBM, Till Küster. "Überfüllte Lager, fehlendes sauberes Wasser und schlechte Hygiene fördern die Verbreitung von Krankheiten wie Trachom massiv. Genau deshalb ist medizinische Hilfe, aber auch Hygienemaßnahmen und Präventionsarbeit dort so wichtig."

Operation rettet verbleibendes Augenlicht

Ein von der CBM unterstütztes mobiles Augen-Team untersucht Njeliett im Gesundheitszentrum des Camps. Der Augenarzt erkennt sofort: Ohne Behandlung droht sie zu erblinden. Noch am selben Tag wird sie operiert.

Der Eingriff kann ihr verlorenes Sehvermögen nicht zurückbringen, aber er verhindert weitere Schäden an der Hornhaut. Als die Augenverbände entfernt werden, lächelt Njeliett erleichtert. "Ich hoffe, dass ich jetzt wieder für meine Familie da sein kann", sagt sie.

Hilfe in Krisengebieten

Laut Weltgesundheitsorganisation leben weltweit mehr als 97 Millionen Menschen in Trachom-Risikogebieten. Bis 2030 will die CBM die Ausbreitung der Krankheit eindämmen – durch Operationen, Antibiotika sowie Aufklärung zu Hygiene und Sanitärversorgung. Gerade in Flüchtlingslagern ist diese Hilfe entscheidend, um Menschen vor Blindheit zu schützen.

Auch über die Trachom-Bekämpfung hinaus leistet die CBM humanitäre Hilfe in Krisengebieten. 2024 erhielten mehr als 718.000 Menschen humanitäre Hilfe durch die CBM. Sie bekamen Bargeld und Gutscheine sowie Lebens-, Haushalts- und Hygienemittel oder wurden medizinisch versorgt.

Über die CBM

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit fast 120 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im Jahr 2024 förderte die CBM 330 Projekte in 37 Ländern.