Ein körperbehinderter Junge sitzt mit anderen Jungen in einem Klasssenzimmer. © CBM/Hayduk

Die Christoffel-Blindenmission fördert inklusive Bildung

In die Schule gehen, einen Job finden und Geld verdienen – die meisten empfinden diesen Werdegang als selbstverständlich. In Entwicklungsländern haben Menschen mit Behinderungen aber häufig gar keinen Zugang zu Bildung. Damit diese Menschen die gleichen Chancen wie alle anderen haben, setzt sich die Christoffel-Blindenmission (CBM) für inklusive Bildung ein.

Bildung ist eine Schlüsselqualifikation. Wer lesen, rechnen und schreiben kann und gelernt hat, selbstständig zurechtzukommen, hat eindeutig bessere Chancen im Leben. Er kann sich z. B. über seine Rechte informieren, leichter einen Job finden und erhält so einen besseren Zugang zu gesundheitlicher Versorgung. In Entwicklungsländern sind die Bildungschancen für Menschen mit Behinderungen bislang extrem schlecht.

Ein Mädchen im Rollstuhl sitzt mit anderen Mädchen in einem Klassenzimmer. © CBM/argum/Einberger
Inklusive Bildung: Abigail (vorn) aus Sambia wurde mit einem offenen Rücken (Spina Bifida) geboren und ist Rollstuhlnutzerin. Sie besucht eine Regelschule.

UNESCO-Schätzungen zufolge gehen 90 Prozent der Kinder mit Behinderungen in Entwicklungsländern nicht zur Schule. Diese Kinder bleiben von gesellschaftlichen Prozessen ausgeschlossen und im verhängnisvollen Kreislauf von Behinderung und Armut gefangen.

Inklusive Bildung ist ein Muss

Damit Menschen mit Behinderungen endlich gleiche Chancen auf Bildung haben, müssen Bildungssysteme inklusiv sein. Die besonderen Bedürfnisse behinderter Menschen dürfen kein Ausschlusskriterium mehr für den Besuch eines Kindergartens, einer Schule oder weiterführender Bildungseinrichtungen sein. Erst wenn individuelle und gesellschaftliche Barrieren identifiziert und abgebaut sind, kann dieses Ziel erreicht werden. Inklusive Bildung bedeutet, dass alle Menschen die gleichen Möglichkeiten haben müssen, qualitativ hochwertige Bildung zu bekommen.

Die CBM engagiert sich dafür, dass Menschen mit Behinderungen Zugang zu Bildung erhalten. Zusammen mit unseren Partnern fördern wir inklusive Bildung durch:

  • Reihenuntersuchungen zur Früherkennung, medizinische und Reha-Versorgung

  • Unterstützung von Regelschulbesuch, Lehrerfortbildung, Berufsausbildung

  • barrierefreien Ausbau von Schulen mit baulichen Veränderungen, z. B. Rampen

  • Braille-Schulbücher und anderes Lehrmaterial für Kinder mit Behinderungen

Arbeit auf politischer Ebene

Neben dieser individuellen Hilfe für Menschen mit Behinderungen verfolgen wir noch ein anderes großes Ziel: inklusive Bildung auf politischer Ebene vorantreiben. Wir sind Mitglied der Globalen Bildungskampagne, die der Bundesregierung einen Katalog mit Vorschlägen vorgelegt hat. Darin fordern wir, die deutsche Entwicklungszusammenarbeit inklusiv auszurichten. Darüber hinaus stehen einige unserer lokalen Partner in Entwicklungsländern mit ihrer Regierung in Kontakt und arbeiten inklusive Bildungsprogramme aus, um behinderten Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen.

Inklusive Bildung verändert Leben

Ein blinder Junge in Schuluniform sitzt mit einer Frau an einem Tisch und tastet mit den Fingern über ein offenes Heft. © CBM/argum/Einberger
2002: Karthik aus Indien übt das Lesen der Blindenschrift Braille. Eine Förderlehrerin unterstützt ihn dabei.

Karthik hat von Geburt an eine Sehbehinderung. Doch für seine Eltern steht fest: Der Junge wird eingeschult! An seine ersten Schuljahre kann sich der heute erwachsene Karthik kaum erinnern, außer dass die Lehrer zwar nett sind, er aber kaum gefördert wird. Dabei will der kleine Karthik so gerne  genau wie die anderen Kinder lesen und schreiben lernen. Um ihm das beizubringen, fehlt es den Pädagogen jedoch an Wissen und den nötigen Mitteln.

Nicht weit von Karthiks Dorf entfernt gibt es eine Regelschule, in der Kinder mit Behinderungen individuell gefördert werden. Als Karthik dorthin wechselt, ändert sich dank inklusiver Bildung alles für ihn: Endlich lernt er lesen – dank der Begleitung durch Förderleherinnen, die ihm die Blindenschrift Braille beibringen. Sie versorgen ihn und seine Lehrer mit speziellem Lernmaterial für behinderte Kinder. Und alle an der Schule erlernen Techniken, wie Kinder mit und ohne Behinderungen optimal zusammen lernen können.

Ein blinder indischer Mann mit Brille. © CBM
Karthik heute: Einen Master in englischer Literatur hat er schon. Jetzt setzt er sich für inklusive Bildung ein und will ein Lehr- und Lernmodell entwickeln, das sehbehinderten Menschen das Englischlernen erleichtert.

"Braille hat mein Leben verändert!" – davon ist Karthik heute überzeugt: "Ich konnte lesen und schreiben lernen und das war ein fantastisches Gefühl!" erklärt der junge Mann. Nicht nur sein akademisches Wissen an der Schule wuchs, er erlernte dort auch lebenspraktische Fertigkeiten. Damit war er gut auf die Zeit nach der Schule vorbereitet .

An der südinidschen Pondicherry University hat Karthik einen Bachelor als Kaufmann erworben und sein Masterstudium in englischer Literatur abgeschlossen. Sein nächstes Ziel ist es zu promovieren. Mit seiner Doktorarbeit will er sehbehinderte Menschen fördern. Das Thema? – Ein Lehr- und Lernmodell für den englischen Sprachunterricht, das speziell auf die Bedürfnisse von sehbehinderten Kindern zugeschnitten ist!

Info-Broschüre zum kostenlosen Download

  • Cover der PDF-Datei "Inklusive Bildung von Kindern mit Behinderungen in Nicaragua"

    Inklusive Bildung von Kindern mit Behinderungen in Nicaragua

    pdf164.6KB, nicht barrierefrei

    Projekt-Arbeit: So erhalten Kinder mit Behinderungen in Nicaragua Zugang zu inklusiver Bildung.

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