Bensheim, 27. August 2026. Er gründete Heime für blinde Kinder, entwickelte Blindenschriften und baute seine Arbeit nach Kriegen und Ausweisungen immer wieder neu auf: Im September jährt sich der Geburtstag von Ernst Jakob Christoffel zum 150. Mal. Die Christoffel-Blindenmission (CBM) erinnert an ihren Gründer, der vor mehr als einem Jahrhundert in der heutigen Türkei und im Iran neue Wege in der Hilfe für Menschen mit Behinderungen ging. Sein Grundgedanke war für die damalige Zeit ungewöhnlich: Bildung und Förderung sollten behinderten Menschen ein möglichst selbstständiges Leben ermöglichen.
Ernst Jakob Christoffel wird 1876 in Rheydt geboren. Er studiert Theologie und bereitet sich zunächst auf einen Dienst als Prediger vor. Es kommt anders: 1905 geht er in die heutige Türkei, wo er mit Waisenkindern und blinden Kindern arbeitet, die kaum Zugang zu Bildung und schlechte Aussichten auf eine gute Zukunft haben.
Bildung statt Fürsorge
1908 gründet Christoffel im Osten der Türkei das Heim "Bethesda" für blinde Kinder. Es soll mehr sein als ein sicherer Ort: Christoffel will den Kindern Bildung vermitteln und ihnen die Chance auf ein selbstständiges Leben geben.
Der Erste Weltkrieg setzt seiner Arbeit vorerst ein Ende. Christoffel wird ausgewiesen und muss die Türkei verlassen. Als er später nicht wieder in der Türkei arbeiten darf, geht er in den Iran. Dort beginnt er von vorn, lernt neue Sprachen und entwickelt Blindenschrift für die lokale Sprache. In Täbris und Isfahan baut er Heime und Bildungsangebote für Kinder und Erwachsene mit Behinderungen auf.
Kriege und Ausweisungen stoppen seine Arbeit
Christoffels Lebensweg ist geprägt von politischen Umbrüchen und persönlichen Rückschlägen. Während des Zweiten Weltkriegs wird er verhaftet, interniert und nach Deutschland gebracht. Das Heim in Täbris wird geschlossen, die Arbeit in Isfahan geht ohne ihn weiter.
In Deutschland kümmert sich Christoffel um Menschen, die durch den Krieg erblindet sind, und gründet ein Heim für sie. 1951 kehrt er mit 75 Jahren in den Iran zurück. Christoffel baut das weitgehend zerstörte Heim in Isfahan wieder auf.
Christoffels Vermächtnis
Als Ernst Jakob Christoffel 1955 stirbt, hinterlässt er mehr als die Einrichtungen, die er aufgebaut hat. Er steht für einen Gedanken, der seiner Zeit voraus war: Menschen mit Behinderungen sollten nicht dauerhaft auf Fürsorge angewiesen sein, sondern lernen und arbeiten und damit möglichst selbstbestimmt leben können.
Dieser Gedanke prägt die Arbeit der CBM bis heute. 150 Jahre nach Christoffels Geburt erinnert die CBM deshalb an ihren Gründer und an seinen Anspruch: Behinderte Menschen brauchen nicht allein Unterstützung, sondern die Möglichkeit, ihr eigenes Leben zu gestalten.
Über die CBM
Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit fast 120 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im Jahr 2025 förderte die CBM 385 Projekte in 35 Ländern.