Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
Ich glaube nur, was ich sehe!
Wenn es um Aussagen des Glaubens geht – sei es nun im Christentum oder einer anderen Religion – ist dieser Satz ein beliebtes Argument. Gerade von Leuten, die sich als Realisten und nüchterne Tatsachenmenschen begreifen. Was sie mit ihren eigenen Sinnen nicht erfassen können, bleibt erstmal im Bereich des Unsicheren, Unzuverlässigem oder sogar Unsinnigen. Der Wunsch des Thomas nach einem sichtbaren Beweis für die Auferstehung Jesu liegt ganz auf ihrer Linie.
Ich kann nicht glauben, was ich sehe!
Doch bedenken wir: Drei Jahre sind die Jünger mit Jesus unterwegs. Sie hören ihn predigen, aber mehr noch, sie sehen, wie er Kranke heilt und erleben seine Macht über die Naturgewalten. Und dennoch entsteht daraus nicht automatisch ein Vertrauensvorschuss. Immer wieder einmal nennt Jesus seine Jünger "kleingläubig" oder "unverständig". Auch noch nach Ostern. Als der auferstandene Jesus seine Jünger auf einem Berg zusammenruft, heißt es: "Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten." Ich glaube nur, was ich sehe? So eng, wie wir meinen, sind Sehen und Glauben doch nicht verbunden.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!
Glaube ist in erster Linie Beziehung – sei es nun zu einem Menschen oder Gott. Er entsteht und wächst im Zusammenspiel von Erfahrung und Vertrauen. Das ist nie ohne Risiko, aber wie jeder Mensch mit guten Freunden oder einer langjährigen Partnerschaft bestätigen kann, eines, das sich lohnt einzugehen. Die Tiefe einer Beziehung misst sich nicht an einem gefüllten Schmuckkästchen, sondern an einem erfüllten Herzen. Jesus hat denen, die sich glaubend auf ihn einlassen, dieses erfüllte Herz versprochen: Freude, Frieden und Liebe werden uns wahrhaftig "selig machen".
*Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart; Quelle für den Monatsspruch: "Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB)", Caroline-Michaelis-Str. 1, 10115 Berlin