Eine Frau am Feuer in einer Hütte © CBM/Diemer

Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2019

Gott ist in der Dunkelheit! – von CBM-Mitarbeiterin Ulrike Stahlberg

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.

Monatsspruch Dezember aus Jesaja 50,10 (Die Bibel, Altes Testament, Der Prophet Jesaja, Kapitel 50, Vers 10)

Kennen Sie das? Die Dunkelheit im Winter kann einen ganz schön herunterziehen. Läuft dann auch noch das eine oder andere im Alltag schief, macht das fehlende Sonnenlicht einem umso mehr zu schaffen. Dunkel kann es in uns auch werden, wenn wir in schwierige Lebenssituationen geraten – mit Arbeitslosigkeit, Beziehungskrisen, Krankheit oder gar Todesfällen.

Zusage oder Aufforderung?

Und dann dieser Monatsspruch: Was für eine tolle Zusage! Das dachte ich beim ersten Lesen. Aber genau genommen geht es hier in erster Linie nicht um eine Zusage: Es geht um eine Aufforderung! Wenn ich "im Dunkel lebe" und mir "kein Licht leuchtet", dann soll ich trotzdem vertrauen und mich auf den "Namen des Herrn", also auf Gott, verlassen.

Aktiv vertrauen

Ich bin nicht zum Abwarten verdammt – nach dem Motto: "Im Frühjahr werden die Tage wieder länger, vielleicht wird dann alles wieder erträglicher." Ich muss das Schwere nicht passiv durchleiden, weil es zum Leben gehört und kein Mensch mir helfen kann. Nein, der Text zeigt mir eine Alternative auf: Es geht darum, dass ich etwas tue. Dass ich aktiv werde. Dass ich es einübe, auf Gottes Hilfe zu vertrauen und mich auf Gott zu verlassen. Jetzt. Auch wenn ich gerade das Gefühl habe, in Angst und Pein zu ertrinken.

Wie tröstlich: Gott ist da!

Selbst wenn ich gar nichts spüre von Gottes Verlässlichkeit, gibt es sie dennoch. Das drückt der Monatsspruch aus. In der Aufforderung, mich aktiv auf Gott zu verlassen, steckt nämlich zugleich die Zusage, dass Gott da ist. Das ist tröstlich. Gott ist anwesend und auf ihn ist Verlass. Dann kann ich es auch wagen, mich ihm anzuvertrauen und zu ihm zu kommen, z. B. im Gebet. Und wenn mir selbst die Worte fehlen, kann ich mich vielleicht auf Worte anderer stützen – aus den biblischen Psalmen oder vertrauten Gesangbuchliedern.

Ein Lied hilft aus der Dunkelheit

Zu meinen Lieblingsliedern im dunklen Advent gehört die Nummer 16 im Evangelischen Gesangbuch: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. Jochen Klepper dichtete es 1938, dem Jahr, als er seine jüdische Ehefrau Johanna kirchlich heiratete. Angesichts der schrecklichen Judenverfolgung lebte er mit seiner Familie in Berlin ständig in großer Gefahr. Da liegt die Vermutung nahe, dass diese bedrohliche Situation Einfluss genommen hat auf die Entstehung der Liedstrophen, die von einem Gott erzählen, der im Dunkeln zu finden ist. Als Theologe hat Klepper unseren Monatsspruch aus Jesaja 50 sicher gekannt. Und er rechnet damit, dass Gott mit seiner Weihnachtsbotschaft zu denen kommt, die im Dunkel leben:

"Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und -schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält Euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her."

Porträt einer Frau mit Brille © CBM
Ulrike Stahlberg

Ulrike Stahlberg arbeitet als Online-Redakteurin bei der Christoffel-Blindenmission (CBM). Sie findet, dass der Monatsspruch auch gut zur Arbeit der CBM passt, denn: "Treue CBM-Freundinnen und -Freunde helfen mit ihren Spenden, dass blinde Menschen aus der Dunkelheit herauskommen ins Licht und wieder sehen. Oder dass unheilbar blinde Menschen mit ihrer Behinderung ein gutes Leben führen können. Oft haben die Spenderinnen und Spender selbst Dunkles, Schweres erlebt. Aber aus Dankbarkeit, auch Gutes erfahren zu haben, helfen sie anderen. Das ist toll!"