Wolkenhimmel am frühen Morgen © CBM/Hayduk

Gedanken zum Monatsspruch Februar 2019

Keine billige Jenseitsvertröstung – von CBM-Mitarbeiterin Claudia Becker

Ich bin gewiss, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Der Monatsspruch Februar aus Römer 8,18 (Die Bibel, Neues Testament, Der Brief des Paulus an die Römer, Kapitel 8, Vers 18)

Mein erster Gedanke beim Lesen dieses Verses war: "Über diesen Monatsspruch sollte nicht ich etwas schreiben, sondern Christen, die tatsächlich wissen, was Leiden bedeutet." Wie Glaubensgeschwister, die vor Verfolgung und Unterdrückung nach Deutschland geflüchtet sind, Mitglieder meiner Gemeinde, die mit einer schweren, chronischen Krankheit leben oder Menschen in einer ähnlichen Situation.

Wie kann ich es wagen, mich in meinem warmen Zimmer, mit einer dampfenden Tasse Tee neben mir, zu diesem Vers zu äußern? Das darf ich nur, wenn ich ihn radikal persönlich nehme, ihn ganz konsequent auf mein eigenes (Er)-Leben beziehe und nicht ins Philosophieren gerate.

Denn in jedem Leben gibt es Erfahrungen von Leid und Leiden – und ich habe erlebt, dass es überhaupt nicht tröstet, wenn das eigene Schicksal abgewogen wird, quantifiziert und qualifiziert und womöglich gegenüber dem Leid in der Welt als für "zu leicht befunden" wird.

Auch ich erfahre Krankheit und Kränkungen, Verluste und Versagen, egal, ob ich wegen meiner geschöpflichen Grenzen oder wegen meiner Christusbezogenheit leide. In jedem Fall muss ich einen Weg darin und daraus finden und für Paulus ist es der Blick auf "die Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll".

Ist das eine billige Jenseitsvertröstung? Billig bestimmt nicht – denn Gott hat sich diese Aussicht für uns alles kosten lassen: "Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken." (Vers 32) Und warum nicht meinen Blick einmal heben, hinaus, hinauf aus einer Situation in dieser Zeit in den Bereich, den die Bibel „Ewigkeit“ nennt und in Bildern beschreibt. Warum soll ich mich nicht auf die Wohnung freuen, die Jesus für seine Nachfolger bereitet, auf das Abwischen aller Tränen durch Gott selbst, auf den neuen Leib, den mir die Bibel für den Himmel verheißt?

Ein "Bibelhäppchen" wie die Monatslosung für den Februar kann mir als Türöffner dienen für Gottes große Wirklichkeit. Der Türspalt wird noch größer und tröstlicher, wenn ich das ganze Kapitel 8 des Römerbriefes lese, sooft mir die Leiden dieser Zeit zu schaffen machen.

Porträt einer Frau © CBM
Claudia Becker

Claudia Becker arbeitet im Bereich Programmarbeit und Projektdokumentation. "Zu lesen, wie unsere Projektpartner in der Welt helfen, und diese Informationen für unterschiedliche Nutzer aufzubereiten, gehört zu den interessantesten Aspekten meiner Arbeit", findet die gelernte Bibliothekarin.