Kleiner afrikanischer Junge mit einfachem Rollator © CBM/Hayduk

Gedanken zum Monatsspruch Oktober

Wie es Dir möglich ist! – von CBM-Vorstand Dr. Peter Schießl

Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn Dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!

Der Monatsspruch Oktober aus Tobit 4,8 (Die Bibel, Altes Testament, Buch Tobit, Kapitel 4, Vers 8)

Christen und Juden teilen miteinander das Ringen um den richtigen Umgang mit dem Besitz, wie unser Monatsspruch erkennen lässt. Als Jesus später immer wieder eindringlich vor dem Reichtum warnt und dazu aufruft, unser Herz nicht an die falschen Dinge zu hängen und auch das Almosen der armen Witwe hochschätzt, steht er damit in der Tradition seines Volkes.

"Wie es Dir möglich ist": Gott überfordert nicht. Wer viel hat, soll viel geben. Und wer wenig hat, soll es nicht für zu gering achten, sondern ebenfalls davon abgeben.

Vielleicht halten wir uns selbst nicht für reich, aber sobald wir den Blick weiten, müssen wir anerkennen: Gerade im weltweiten Maßstab gehören wir ganz gewiss zu den Reichen.

Wie viel ist also genug? Wohin mit unserer natürlichen Angst, für uns selbst nicht genug zu haben? Welchen Maßstab legen wir an?

Auch beim Spenden kann uns der biblische Gedanke der "Unterscheidung der Geister" helfen. Wann leitet uns ein "Ungeist" und wann ist der gute Geist Gottes am Werk? Um das zu unterscheiden, gilt es darauf zu achten, wo unsere Herzensbewegung anfängt und wohin sie uns führt.

Wir könnten uns fragen, ob wir uns bei der Entscheidung zum Spenden innerlich unter Druck gesetzt fühlen. Kreisen unsere Gedanken womöglich immer und immer wieder um die Frage, ob wir denn schon genug abgegeben haben? Können wir die guten Gaben Gottes nicht mehr unbefangen selbst genießen?  Würden wir uns am liebsten von Gott abwenden, nur um seine mahnende Stimme nicht mehr zu hören und von Not leidenden Menschen, um ihr Elend nicht mehr sehen zu müssen? Fürchten wir, selbst zu kurz zu kommen, wenn wir anderen abgeben? All das wären Anzeichen für den "Ungeist". Denn all das würde uns wegführen von Gott und weg vom inneren Frieden und damit auch weg von den bedürftigen Menschen.

Wenn andererseits der gute Geist Gottes am Werk ist, spüren wir: tief empfundene Zuneigung zu den Menschen, deren Leben sich mit Hilfe meiner Spende und der vieler anderer zum Besseren wenden kann. Die Freude darüber, dass auch andere entfalten dürfen, was Gott an wunderbaren Möglichkeiten in sie hineingelegt hat. Das Vertrauen, dass Gott uns versorgt, weil er es versprochen hat. Ein Gefühl der Freiheit, nicht jedem Genuss nachjagen zu müssen, auf etwas verzichten zu können und zu dürfen, weil Gott unsere Freude ist, immer bei uns, immer gegenwärtig. Innerer Friede angesichts dessen, was ich empfangen habe und was ich weiterschenken darf.

Einen solchen, vom guten Geist Gottes geprägten Umgang mit unserem Besitz, wünsche ich uns allen.

Porträt eines Mannes © CBM
CBM-Vorstand Dr. Peter Schießl

Dr. Peter Schießl ist Geschäftsführer der Christoffel-Blindenmission (CBM) und für die Bereiche Fundraising und Verwaltung zuständig.