Mann mit verkrümmten Beinen auf einem Dreirad hält die Arme hoch, daneben ein Mann in T-Shirt mit CBM-Emblem, zwischen den Männern: Ein Sack Reis © CBM/GAMMUN

Gedanken zum Monatsspruch Mai 2021

Wer, wenn nicht ich? – von CBM-Mitarbeiter Christoph Müller

Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!

Sprüche 31,8 (Die Bibel, Altes Testament, Die Sprüche Salomos, Kapitel 31, Vers 8)

Mit gemischten Gefühlen gehe ich an die Auslegung dieses Verses: Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! (Sprüche 31,8). Mein erstes Gefühl ist Begeisterung: Ja, das ist ein Vers für die CBM. Diesen Vers auszulegen wird ein Selbstläufer! Genau das tun wir ja weltweit.

Engagement für das Recht der Schwachen

Wir engagieren uns für das Recht von Menschen mit Behinderungen, die an den Rand gedrängt werden. Gemeinsam mit ihnen fordern wir keine Almosen, sondern ihr Recht, ihr Menschenrecht! Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lassen sich erklären, welchen Bedarf die Menschen haben und klären sie auf, was ihnen von Rechts wegen zusteht. Das befähigt und bestärkt sie, Selbsthilfegruppen zu gründen und für sich selbst zu sprechen. Gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der CBM und ihrer Partner wirken Menschen mit Behinderungen auf Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft ein, ihre Rechte zu garantieren, so wie es die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen fordert.

Und ich bin ein Teil davon. Als Kirchenreferent der CBM versuche ich, Menschen mit kirchenleitender Verantwortung zu bewegen, für das Recht der Menschen mit Behinderungen einzutreten. Nicht nur in Verlautbarungen, sondern aktiv, mit Entscheidungen, die das kirchliche Leben prägen. Dafür setzen wir uns im Team Kirche ein, so wie unsere Kolleginnen und Kollegen mit den Schwerpunkten Bildung und Politische Arbeit in ihren Feldern.

Also, Sprüche 31,8, du spielst mir schön in die Karten! Hoffentlich gibst du vielen Menschen zu denken.

Ich auch?

Aber ganz schnell holte mich ein anderes Gefühl ein: Christoph, so leicht kannst du es dir nicht machen! Schön, dass du in einer Organisation arbeitest, die für das Recht der Schwachen eintritt, aber wo öffnest du deinen Mund? Und schon mischte sich meine Begeisterung mit Ernüchterung.

Wie oft schweige ich, wenn irgendwo ein gemeiner Spruch über Minderheiten fällt oder eine sexistische Anspielung! Sogar eine ruppige Bemerkung zu einer blinden Freundin habe ich schon feige überhört. Nur keinen Konflikt, es hat ja keinem wehgetan. Ich ducke mich weg, gehe still weiter. Wird schon nicht so ernst sein. Aber wenn niemand spricht, wenn alle schweigen, was wird dann? Was wird dann aus den stummen, den schwachen, den an den Rand gedrängten Menschen? Und wenn diese kein Recht mehr finden, was wird dann aus uns allen? Auf wen wird dann noch gehört und wer findet dann noch sein Recht?

Ich auch!

Der Vers aus Sprüche 31,8 sagt mir: Wer soll den Mund aufmachen, wenn nicht du? Und ich will es mir sagen lassen: Ja, wer, wenn nicht ich?

Porträt eines Mannes © CBM
Pastor Christoph Müller

"Das Eintreten für Inklusion lässt das Evangelium heller strahlen. Christinnen und Christen, mit denen wir uns darüber austauschen, stellen sich gerne hinter das Anliegen der CBM!"

Christoph Müller arbeitet im Team Kirche der Christoffel-Blindenmission (CBM). Der freikirchliche Pastor schätzt die vielen Begegnungen in Kirchen und kirchlichen Werken – und die große Offenheit für die Belange von Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern.