Eugenics

Die Geschichte von Simone aus Australien

Zwei Hände auf einer nassen Glasscheibe, dahinter die Silhouette einer Frau. Auf der Scheibe spiegelt sich ein Fenster. Ein Lichtschein wirft den Schatten der Frau auf die Scheibe. © Eugenics – Simone – Australien – Silent Tears Projekt
Bild Eugenics

"Als der Feueralarm losging, war es, als würde mein schlimmster Alptraum wahr. Der Tutor meines Kurses sah mich verwirrt an und riet allen augenscheinlich körperlich gesunden Schülerinnen und Schülern, das Gebäude wie im Notfallplan vorgesehen über die Haupttreppe zu verlassen. Es war offensichtlich, dass ich nicht in der Lage war, dies zu tun. Der Tutor ließ mich zurück.

Ich wusste, dass ich nicht in der Lage sein würde, die Treppe hinunterzugehen. Also war mein erster Instinkt, durch die Feuerschutztüren zu gehen, die wegen des Feueralarms geschlossen worden waren. Dann schrie der Brandschutzbeauftragte meinen Assistenten an, mich zurückzulassen und das Gebäude zu verlassen. Mein Assistent wollte mich nicht verlassen und drückte die Feuerschutztür auf, die direkt nach draußen führte.

Zwei schwarze Türen, darauf Schilder mit dem Text: Fire Safety Door Do Not Obstruct. © Silent Tears Projekt
Feuerschutztür

Wir haben die Regeln gebrochen, um mein Leben zu retten und zu verhindern, dass mein schlimmster Alptraum wahr würde. Ich schätzte die Unterstützung und den Starrsinn meines Assistenten. Ich wünschte, andere Hochschulmitarbeitende würden mir dasselbe Verständnis und dieselbe Unterstützung entgegenbringen, anstatt auf meine Bedürfnisse mit einem eugenischen Ansatz zu reagieren.

Ich glaube, dass Menschen mit Behinderungen in Notsituationen unterstützt werden müssen. Niemand wusste, was er für mich tun sollte. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich als Bürgerin zweiter Klasse fühlte. Menschen mit Behinderungen haben das Recht, in Notsituationen unterstützt und gerettet zu werden, denn unser Leben hat einen Wert."

'Aka' Simone, Australien 2016