Gesicht einer älteren, indigenen Frau. Sie blickt ernst und runzelt die Stirn, eine Träne läuft ihr die Wange herunter. © Resilience – Mona – Canada – Silent Tears

Resilience

Die Geschichte von Mona aus Kanada

Achtung, Triggerwarnung: Die folgende Geschichte thematisiert Gewalthandlungen gegen eine Frau.

Als ich sieben Jahre alt war, wurde ich meiner Familie gestohlen.

Mona, Kanada

"Mein Name ist Mona Stonefish. Ich bin eine Mohawk von Kahnawake von der Konföderation der sechs Nationen und Pottowatomi Anishinaabe von der Konföderation der drei Brände. Ich gehöre dem Bärenklan an.

Als ich sieben Jahre alt war, wurde ich meiner Familie gestohlen und in das Internat des Mohawk Instituts in Brantford, Ontario, gebracht. Ich bin eine von Vielen, die die Kirchen, das Bildungsministerium und der Staat Kanada aus unseren Häusern gestohlen haben, nur um uns zu vergewaltigen und zu ermorden.

Ich habe die Schrecken dort überlebt. Es war mir nicht erlaubt, meine eigene Sprache zu sprechen oder meine eigene Kultur zu praktizieren, aber ich rebellierte gegen meine Unterdrückung. Da ich bereits Anishinaabmowin sprechen konnte, hatte ich Kraft.

Zwei Frauen sitzen an einem Tisch voller Ketten, wie sie selbst welche als Schmuckstück tragen. © Silent Tears Projekt
Mona Stonefish (r.)

Innerhalb eines Monats nach meiner Ankunft wurde ich vergewaltigt. Ich war erst sieben Jahre alt. Der psychische, physische und sexuelle Missbrauch durch mehrere Täterinnen und Täter begann, und ich ertrug vierzehn Jahre endloser Gewalt. Was das Personal angeht: Unseren Schmerz zu sehen und die Möglichkeit zu haben, uns zu missbrauchen, schien den dort arbeitenden Menschen Freude zu bereiten. Ich überlebte, aber viele überlebten nicht. Kinder starben bei dem Versuch, wegzulaufen. Andere entschieden sich dafür, ihrem Leben ein Ende zu setzen, anstatt einen weiteren Tag und eine weitere Nacht zu ertragen. Viele andere starben an Vernachlässigung und Missbrauch im Internat.

Meine Großmutter sagte mir, bevor ich gestohlen wurde: ‘Wenn sie dich jemals mitnehmen, denk daran, dass du nicht für immer fort sein wirst. Was auch immer dort mit dir passiert, mein Mädchen, es ist nicht deine Schuld. Vergiss niemals, wer du bist, deine Sprache und unsere Lebensweise.’

Die laterale Gewalt in unseren Gemeinschaften heute steht meiner Ansicht nach in direktem Zusammenhang mit der Gewalt in den Internaten. Ich trage die Narben einer posttraumatischen Belastungsstörung und habe eine körperliche Behinderung als Folge eines gebrochenen Beins und eines verschobenen Beckens, aber ich bin widerstandsfähig. Ich bin nicht nur eine Überlebende. Diese Widerstandskraft hat mein Leben seither geprägt. Anstatt zuzulassen, dass der Schmerz mich in Bitterkeit verzehrt, wähle ich das Mitgefühl für andere. Wir haben so viel zu bieten, dass wir nicht zulassen können, dass die Erfahrung des Internats zu unserem Vermächtnis wird. In meinem Volk glauben wir, dass unsere Geschichte und unsere Lehren innerhalb unserer eigenen Klans und unseres Volkes sicher bewahrt werden. Wir werden aus unserer Sicht lehren, denn das ist noch nicht gehört worden."

Mona Stonefish, Kanada 2017