Love

Die Geschichte einer Frau aus Südafrika

Achtung, Triggerwarnung: Der folgende Bericht thematisiert Gewalthandlungen gegen eine Frau.

Eine Person im Rollstuhl stützt ihren Arm auf die Lehne und hält einen Schlüssel in der Hand. Auf dem Rollstuhltischchen liegen mehrere Schlüssel. © Love – Südafrika Silent – Tears Projekt
Love

"Als ich ein Jahr alt war, gab mich meine Mutter auf und steckte mich in ein Kloster. Damals wusste sie nicht, dass ich Zerebralparese hatte, sie dachte, ich sei normal. Ich war erst ein Jahr alt. Die Nonnen sagten mir, meine Mutter sei tot, aber ich wusste in meinem Herzen, dass sie es nicht war. Die Nonnen schlugen mich, sie kamen von hinten und schlugen mir viele, viele Male auf den Kopf, ins Gesicht und auf den Rücken. Sie warfen Dinge nach mir, und ich konnte nicht rufen, weil ich nicht sprechen konnte.

Ich wollte nicht mit anderen essen, weil ich zu ängstlich war, selbst jetzt bin ich zu ängstlich. Sie schlugen mich auch jeden Morgen mit einem Sjambok, einer Lederpeitsche. Wenn Leute von hinten auf mich zukamen, bekam ich immer Angst, weil ich befürchtete, dass sie mir auch wehtun würden. Ich zuckte zusammen, wenn Leute versuchten, mein Gesicht zu berühren.

Ich errichtete eine Mauer, um Menschen fernzuhalten, genau wie die Mauer, die das Kloster umgab. Ich habe das Kloster vielleicht nur einmal verlassen, als ich dort lebte. Ich war sehr glücklich, als ich achtzehn wurde, denn ich konnte das Kloster verlassen.

 

Als ich neunzehn Jahre alt war, ging ich an einen neuen Ort in Kapstadt. Ich hatte immer noch große Angst, dass Leute kommen und mich holen würden. Als ich fünfundzwanzig Jahre alt war, zog ich dorthin, wo ich jetzt lebe. Hier habe ich nur Liebe erfahren. Meine andere Mutter hat mir geholfen und versucht, meine leibliche Mutter zu finden. Ich brauchte sieben Jahre, und als ich fünfundzwanzig war, fand ich sie. Ich telefonierte und telefonierte und telefonierte, bis ich sie gefunden hatte.

Als ich sie fand, hatte sie Angst davor, sich um mich zu kümmern, und es dauerte drei Wochen, bis sie mich sehen wollte. Ich rief immer wieder an, bis sie kam. Als sie mich sah, wusste sie, dass ich ihre Tochter war, und ich wusste, dass sie meine Mutter war. Jetzt sehe ich sie jeden Tag. Sie wohnt fünf Minuten entfernt. Ich kenne meinen Vater nicht, und ich habe keine Geschwister, aber ich kenne meine Großeltern. Das Herz meiner anderen Mutter wurde verletzt, als ich meine leibliche Mutter fand. Meine andere Mutter arbeitete im Heim.

Ich habe viele Dinge überwunden. Was mir jetzt an meinem Leben gefällt, ist, dass ich mich um alle Schlüssel in unserem Heim kümmere. Ich sperre und entsperre Türen für Menschen. Ich habe meinen eigenen Schlüsselbund, den ich bei mir trage. Das gibt mir Kontrolle und eine Aufgabe, denn die Menschen müssen zu mir kommen, damit ich Türen öffne und verriegle.”

Love, Südafrika