Gesicht einer Frau aus Lateinamerika hinter einer Glasscheibe, an die sie mit der Hand fasst © Tears of the Soul – Irlanda Ayoví – Ecuador – Silent Tears Projekt

Tears of the Soul

Die Geschichte von Irlanda aus Ecuador

Achtung, Triggerwarnung: Die folgende Geschichte thematisiert Gewalthandlungen gegen eine Frau.

Stille Tränen sind solche, die aus dem Inneren deiner Seele geweint werden.

Irlanda Ayoví

"Am 27. Januar 2009, als ich 44 Jahre alt war, kam ich nach Hause, nachdem ich meine drei Kinder zur Schule gebracht hatte. Ich fand drinnen meinen Ex-Mann vor, der auf mich wartete. Er griff mich mit einer Machete an und versuchte, mich zu töten. Als ich endlich im Krankenhaus ankam, hatte ich starke Schmerzen. Die Ärzte sagten mir, dass sie mein Bein und meinen Arm amputieren müssten, weil sie zerstört worden waren. Ich dachte, ich würde sterben. Ich war drei Monate im Krankenhaus. Manchmal wollte ich sterben, an manchen Tagen ging es mir gut. Als ich schließlich zu einem Psychologen ging, sagte er, dass ich wieder gesund werden würde.

Ich habe keine Anzeige bei der Polizei erstattet. Mein Bruder erstattete Anzeige, aber als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, waren alle Berichte bei der Polizei verloren gegangen und es konnte nichts mehr getan werden. Wieso gibt es keine Gerechtigkeit für mich?

Das Schlimmste ist, dass es in meinem eigenen Haus war. Ich wollte einfach nur allein sein. Es war wirklich schwer für mich und meinen Sohn, der mich gefunden hatte, über das zu sprechen, was passiert war. Aber wir mussten weitermachen. Ich kann immer noch die Traurigkeit in den Gesichtern meiner Kinder sehen, weil sie gesehen haben, was mit ihrer Mutter passiert ist.

Eine Frau geht durch eine Glastür in ein Gebäude. Eine andere Frau hält ihr die Tür auf. Der Raum, in dem sie steht, sieht aus wie der Eingangsbereich eines Büros mit einem kleinen Schreibtisch als Empfang. © Silent Tears Projekt
Irlanda Ayoví (r).

Mein Leben hat sich jetzt sehr verbessert. Meine Kinder sind alles für mich. Ich erfuhr aufgrund meiner Behinderung viel Ablehnung von meiner Familie und habe deshalb beschlossen zu gehen. Ich kam nach Esmeraldas, um mir ein neues Leben aufzubauen. Die CBM, eine Organisation, die zu Behinderung arbeitet, half mir, die Unterstützung zu bekommen, die ich brauchte. Die Regierung in Quito gab Prothesen an Menschen mit Amputationen, also erhielt ich eine und lernte laufen. Jetzt kann ich mit meiner Beinprothese überall hingehen, da ich keinen Rollstuhl mehr benötige.

Ich bin jetzt Motivationsrednerin. Ich arbeite mit Menschen mit Behinderungen und bringe ihren Familienmitgliedern, die keine Behinderung haben, etwas über Behinderung bei. In der Zukunft würde ich gerne in andere Länder reisen und mehr über das Thema Behinderung lernen und dann wieder nach Hause kommen und den Menschen das Gelernte und neue Techniken beibringen. Ich mache gerade meinen Bachelor-Abschluss in Sozialberatung. Mein Ziel ist es, an Universitäten zu arbeiten, um zu lehren, dass Menschen mit Behinderungen zuerst als Menschen und nicht als "Behinderte" anerkannt werden müssen."

Irlanda Ayoví, Ecuador 2015