Tears of the Soul

Die Geschichte von Irlanda aus Ecuador

Achtung, Triggerwarnung: Die folgende Geschichte thematisiert Gewalthandlungen gegen eine Frau.

Hördatei: Irlandas Geschichte

Gesicht einer Frau aus Lateinamerika hinter einer Glasscheibe, an die sie mit der Hand fasst

© Tears of the Soul – Irlanda Ayoví – Ecuador Silent Tears Project

Stille Tränen sind die, die aus dem Inneren deiner Seele geweint werden.

Irlanda Ayoví, Ecuador 2015

"Lagrimas silenciosas son las que lloran dentro del alma... Stille Tränen sind die, die aus dem Inneren deiner Seele geweint werden. Am 27. Januar 2009, als ich vierundvierzig Jahre alt war, kam ich nach Hause, nachdem ich meine drei Kinder zur Schule gebracht hatte, und fand meinen Ex-Mann vor, der drinnen auf mich wartete.

Er griff mich mit einer Machete an und versuchte, mich zu töten. Als ich endlich im Krankenhaus ankam, hatte ich starke Schmerzen, und die Ärzte sagten mir, dass sie mein Bein und meinen Arm amputieren müssten, weil sie zerstört wurden. Ich dachte, ich würde sterben. Ich war drei Monate lang im Krankenhaus, manchmal wollte ich sterben, an manchen Tagen ging es mir gut. Als ich schließlich zu einem Psychologen ging, sagte er, dass ich wieder gesund werden würde.

Ich habe keine Anzeige bei der Polizei erstattet. Mein Bruder erstattete Anzeige, aber als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, waren alle Berichte bei der Polizei verlorengegangen, und es konnte nichts mehr getan werden. Wieso gibt es keine Gerechtigkeit für mich? Das Schlimmste ist, dass ich in meinem eigenen Haus war. Ich wollte einfach nur allein sein. Es war wirklich schwer für mich und meinen Sohn, der mich gefunden hat, darüber zu sprechen, was passiert ist, aber wir mussten weitermachen. Ich kann immer noch die Traurigkeit in den Gesichtern meiner Kinder sehen, weil sie gesehen haben, was mit ihrer Mutter passiert ist.

Eine Frau geht durch eine Glastür in ein Gebäude. Eine andere Frau hält ihr die Tür auf. Der Raum, in dem sie steht, sieht aus wie der Eingangsbereich eines Büros mit einem kleinen Schreibtisch als Empfang. © Silent Tears Projekt
Irlanda Ayoví (r).

Mein Leben hat sich sehr verbessert. Meine Kinder sind alles für mich. Es gab viel Ablehnung von meiner Familie, und deshalb habe ich beschlossen, zu gehen. Meine Familie hat mich wegen meiner Behinderung schlecht behandelt. Also kam ich nach Esmeraldas, um mir ein neues Leben aufzubauen. Eine Organisation, die zu Behinderung arbeitet, CBM, half mir, die Unterstützung zu bekommen, die ich brauchte. Die Regierung in Quito gab Amputierten Prothesen, also erhielt ich eine und lernte laufen. Jetzt kann ich mit meiner Beinprothese überall hingehen, da ich keinen Rollstuhl mehr brauche.

Ich bin jetzt Motivationsrednerin. Ich arbeite mit Menschen mit Behinderungen und bringe ihren Familienmitgliedern, die keine Behinderung haben, etwas über Behinderung bei. In der Zukunft würde ich gerne in andere Länder reisen und mehr über das Thema Behinderung lernen und dann wieder nach Hause kommen und den Menschen das Gelernte und neue Techniken beibringen. Ich mache gerade meinen Bachelor-Abschluss in Sozialberatung. Mein Ziel ist es, an Universitäten zu arbeiten, um zu lehren, dass Menschen mit Behinderungen zuerst als Menschen und nicht als Behinderte anerkannt werden müssen."

Irlanda Ayoví, Ecuador 2015