Eine Frau mit aufgrissenen Augen und offenem Mund in OP-Kleidung schaut durch eine Narkosemaske vor ihrem Gesicht. © The Butcher – Carolyn – England – Silent Tears Projekt

The Butcher

Die Geschichte von Carolyn aus England

Achtung, Triggerwarnung: Die folgende Geschichte thematisiert eine Gewalthandlungen gegen eine Frau.

Ein Frau sitzt an einem Tisch, auf dem ein Ordner und einige Papierstapel liegen. Sie liest aufmerksam ein Dokument, das sie in der rechten Hand hält. Der linke Arm ist auf dem Tisch aufgestützt und sie greift hinter ihr Ohr. © Silent Tears Projekt
Carolyn Dewaegeneire

"Ich sage es jetzt und hundertmal, ich lag da auf dem Bett. Mit einer großen Lampe über mir, der Anästhesist war hinter mir. Er beugte sich vor und flüsterte mir ins Ohr: 'Ich nehme jetzt deine Klitoris.’ "

Carolyn Dewaegeneire, England 2016

"Jahrelang durfte er praktizieren, trotz einer Reihe von schrecklichen Vorfällen und Beschwerden von Krankenhäusern und Patienten. Und selbst jetzt sagen die Gesundheitsbehörden, dass sie nicht gegen ihn ermitteln können oder wollen. Im Jahr 2002 hat er sich seinen Weg zu einem Job im Bega-Tal erschlichen. Aber niemand wusste, dass ihm von der Ärztekammer strenge Bedingungen auferlegt worden waren, darunter ein vollständiges Verbot der Geburtshilfe.

Carolyn DeWaegeneire wurde zu ihm geschickt, um eine kleine Wunde zu untersuchen, die sie an ihrem Genitalbereich bemerkt hatte. Ihre Operation sollte alles andere als die geringfügige Operation werden, die sie erwartet hatte. Als sie aufwachte, war Carolyn am Boden zerstört. Er hatte ihr alle äußeren Genitalien entfernt. Dem NSW Medical Tribunal wurde klar, dass er über sein Recht, Geburtshilfe zu leisten, gelogen hatte, und so ordnete es im Juli 2004 an, ihn für drei Jahre als Arzt zu sperren.

Das Medical Tribunal wusste nichts darüber, was Carolyn oder den anderen Frauen im Bega-Tal zugestoßen war. Die Ärztekammer sagt, sie könne nicht ermitteln, weil er derzeit nicht registriert sei. Die Beschwerdekommission NSW Health Care sagt, sie habe andere Prioritäten. Und obwohl er durch den Krankenversicherer Medical Indemnity Protection Society (MIPS) versichert war, als er Carolyn operierte, zahlt die MIPS jetzt nicht aus und lehnt die Haftung ab, weil Carolyn ihren Anspruch geltend machte, nachdem er abgemeldet wurde. Der Arzt kann nicht namentlich genannt werden."

Ross Couthardt, Journalist und Empfänger des Walkley-Preises