Zwei Männer spielen Goalball.

Fußball - ein Erlebnis für alle Fans

Das ganze Stadion hält den Atem an. Die Flanke kommt an, die Möglichkeit zum Abschluss ist da: Tor! Der Jubel der Fans entlädt sich in Freudenrufen. So nehmen die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer ein Fußballspiel wahr. Doch welche Möglichkeiten haben blinde und sehbehinderte Menschen, diese Gänsehautmomente zu erleben und wie können blinde Menschen selbst ihrer Fußball-Leidenschaft nachgehen?

So erleben blinde Menschen Fußball

Eine Gruppe von Männern wirft jubelnd die Arme in die Luft.
Gemeinsam jubeln gehört zum Fußball dazu und stärkt das Gefühl von Zusammenhalt und Gemeinschaft.

Damit blinde und sehbehinderte Menschen volle Teilhabe am Fußball-Erlebnis haben können, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Zu Hause
    Einige TV-Sender und Streamingdienste bieten bei Fußballübertragungen eine Audiodeskription über eine zweite Tonspur an. Die Audiodeskription beschreibt das Spielgeschehen detailliert, einschließlich Spielernamen, Torraumszenen und Schiedsrichterentscheidungen. Radiosender bieten ebenfalls einen gesonderten Audiokommentar an.
  2. Im Stadion
    Eigens geschulte Reporter vermitteln Fans im Stadion als sogenannte Blindenreporter das Spiel hautnah. Dabei ist die Devise "sprechen, sprechen, sprechen". Denn Fans können dem Spielverlauf nur folgen, wenn die Reporterinnen und Reporter den Spielverlauf möglichst detailreich schildern: die Parade des Torhüters, das ungenaue Passspiel, die Schwalbe. Wichtig dabei ist, dass die Reporter sich nur auf den Spielverlauf konzentrieren und alles außer Acht lassen, was nichts mit dem Spielgeschehen zu tun hat. So haben Wechselgerüchte oder Trainerwechsel nichts bei der Beschreibung verloren.
  3. Haptische Geräte
    Fans können ein Spiel auf speziellen Haptik-Geräten verfolgen. Diese kombinieren Echtzeitdaten der Teams und Ligen mit ausgeklügelter Technik und einer Vibrationstechnologie, wie sie in Mobiltelefonen eingesetzt wird. Damit können Fans die Spannung und Dynamik eines Spiels förmlich spüren. Die Technologie besteht aus einer Tafel mit einem kleinen magnetischen Ring, der den Ball darstellt und sich auf dem simulierten Spielfeld hin- und herbewegt. Zudem gibt eine Möglichkeit für Audiokommentare und eine Art haptische Sprache, die verschiedene Spielzüge und -szenen mittels spezifischer Vibrationen kommuniziert. Fans erhalten sofort eine Rückmeldung, ob es einen Pass oder ein Tackling gab und ob ein Schuss ins Tor ging oder sein Ziel verfehlte.

Video: Goalball ermöglicht inklusive Teilhabe

Doch so eindrucksvoll das Erleben ist – genauso wichtig ist die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden. Wenn blinde und sehbehinderte Menschen Fußball spielen, geht es um weit mehr als Sport: Es geht um Selbstvertrauen, Teilhabe und das Gefühl, dazuzugehören. Hier kommt Goalball ins Spiel. Wie er funktioniert und warum er so wichtig für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen ist, berichtet CBM-Mitarbeiter Luc im Video.

Dass Menschen wie Luc aktiv ihrer Leidenschaft nachgehen können und es sogar in die Goalball-Nationalmannschaft schaffen, verdanken sie Spenderinnen und Spendern wie Ihnen. Denn Ihre Unterstützung trägt dazu bei, dass Projekte zur inklusiven Teilhabe von Menschen mit Behinderungen überhaupt erst möglich sind.

Goalball - die Regeln

Ein Mann spielt Goalball
Goalball ist ein sehr dynamisches Spiel. Die Bälle können eine Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h erreichen.

Goalball ist ein paralympisches Wurfspiel für blinde und sehbehinderte Menschen. Dabei stehen sich zwei Teams aus je drei Spielerinnen bzw. Spielern gegenüber. Ziel des Spiels ist es, den Ball ins gegnerische Tor zu werfen. Das Besondere dabei: Der 1,25 kg schwere Hartgummiball hat Glöckchen im Inneren, die den Spielerinnen und Spielern anzeigen, wo sich der Ball auf dem Feld befindet. Alle Teilnehmenden tragen dunkle Masken, damit Spielerinnen und Spieler mit einer höheren Restsehfähigkeit keine Vorteile haben.

Dabei sind folgende Regeln zu beachten: Der Ball muss nach der Mittellinie einmal den Boden berühren, bevor er ins Tor geht. Wenn das verteidigende Team in Ballbesitz kommt, muss es innerhalb von acht Sekunden auf das gegnerische Tor werfen. In dieser Zeit darf der Ball gepasst werden und die Spieler dürfen sich in eine günstigere Position auf dem Spielfeld begeben.

Während des Spiels herrscht völlige Stille, damit die Spieler die Glöckchen im Inneren des Balls hören. Sie verlassen sich so auf ihren Tastsinn und  ihr Gehör, mit dem sie die Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung des Balles ausmachen können. Ein Goalball-Turnier dauert zweimal 10 Minuten. Erstmals durchgeführt wurde Goalball bei den Paralympics in Toronto 1976.