Ein Mann schaut mit einer Spaltlampe in die Augen eines kleinen Jungen, der auf dem Schoß einer Frau sitzt.

Welttag des Sehens: Rechtzeitig behandeln, dauerhaft helfen

Wie gute Augenmedizin und die Ausbildung von Fachkräften vermeidbare Blindheit verhindern

Bensheim, 29. September 2026. Für Kinder gibt es ein Zu-Spät, wenn der Graue Star ihre Augen trübt. Ohne rechtzeitige Behandlung können sie dauerhaft blind bleiben – obwohl eine Operation ihr Augenlicht retten kann. Weltweit sind 17 Millionen Menschen durch Grauen Star blind. 90 Prozent aller blinden und sehbehinderten Menschen leben in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dort sind viele Menschen zu arm oder wohnen zu weit von einer Klinik entfernt und können sich daher eine medizinische Behandlung oder die Fahrt zum Krankenhaus nicht leisten. Zum Welttag des Sehens am 8. Oktober erinnert die Christoffel-Blindenmission (CBM) daran, dass es neben dem Zugang zu Behandlung auch gut ausgebildete Fachkräfte braucht.

Deshalb setzt die CBM auf die Aus- und Fortbildung von medizinischem Personal. "Wir wollen nicht nur den einzelnen Menschen behandeln. Wir wollen dazu beitragen, die Strukturen vor Ort langfristig zu verbessern", sagt Dr. Babar Qureshi, Direktor für inklusive Gesundheit bei der CBM.

Die Mutter ist blind, für den Sohn gibt es noch Hoffnung

Kurz nach Augustines Einschulung in Kamerun begann das Augenlicht der heute 22-Jährigen, immer schlechter zu werden. Im Krankenhaus sagten ihr die Ärzte, sie könnten ihr Sehvermögen mit einer Operation retten, aber dafür fehlte der Familie das Geld. Sie konnte die Operation erst einige Zeit später bezahlen. Doch da war es bereits zu spät: Augustine muss für immer mit einer Sehbehinderung leben.

Augustine ist heute selbst Mutter. Die Alleinerziehende ist besorgt, denn jetzt droht ihrem dreijährigen Sohn das gleiche Schicksal: Auch Joseph ist am Grauen Star erkrankt und das Geld für eine Behandlung fehlt. "Es bricht mir das Herz, meinen Sohn vor denselben Herausforderungen stehen zu sehen, da ich weiß, wie hart das Leben mit einer Sehbehinderung ist", erzählt Augustine.

In einem CBM-Partnerkrankenhaus wird Joseph kostenlos untersucht und mit beidseitigem Grauen Star diagnostiziert. Für die Operation wird er sogar abgeholt, weil Augustine sich den Transport nicht leisten kann.

Nach der Operation entdeckt Joseph seine Umgebung neu. "Früher hat er seine Hände vor sein Gesicht gehalten, nur, um sie anzusehen", erinnert sich Augustine. "Aber jetzt kann er das Licht sehen! Das ist ein Neubeginn für uns!" Auch Augustine erhielt eine starke Brille, die ihr Leben etwas erleichtert, und hat ein Jurastudium begonnen. Es ist zwar nicht einfach, doch sie ist fest entschlossen, der Armut zu entkommen.

Gute Augenmedizin braucht gut ausgebildete Fachkräfte

"Josephs Geschichte zeigt, dass Blindheit nicht immer Schicksal ist. Oft entscheiden die finanziellen Verhältnisse und der Wohnort eines Kindes darüber, ob es rechtzeitig behandelt werden kann", erklärt Dr. Qureshi. "Die augenmedizinische Versorgung muss aber Menschen erreichen, die sonst keinen Zugang dazu hätten – unabhängig von ihrer finanziellen Lage und insbesondere außerhalb der Großstädte." Die CBM fördert deshalb die Ausbildung von Fachpersonal und ermöglicht Operationen sowie Außeneinsätze von Klinikteams in abgelegene Gebiete.

Über die CBM

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit fast 120 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im Jahr 2025 förderte die CBM 385 Projekte in 35 Ländern.