Fünf Frauen in bunten Saris sitzen auf dem Boden und werfen Chilis in die Luft.

Vom Hunger zur Hoffnung

Christoffel-Blindenmission sorgt für Ernährungssicherheit im Himalaya

Ein Frau hält eine große Gurke in ihren Händen.
Moderne Anbaumethoden lassen das Gemüse besser wachsen.

Bensheim, 31. März 2026. Drei Mahlzeiten am Tag – für viele Menschen selbstverständlich. Für zahlreiche Familien im indischen Himalaya war das lange ein ferner Wunsch. Doch in der Bergregion um Ranikhet hat sich die Zahl der Haushalte, die täglich Frühstück, Mittag- und Abendessen auf den Tisch bringen können, in den vergangenen drei Jahren mehr als verdreifacht. Diesen Erfolg vermeldet die Christoffel-Blindenmission (CBM) zum diesjährigen Weltgesundheitstag – eine Botschaft, die ganz zum Motto "Unsere Erde, unsere Gesundheit" passt. Denn gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die CBM 2.500 Kleinbäuerinnen und -bauern, darunter besonders solche mit Behinderungen.

Schneebedeckte Gipfel, Tempel auf Bergrücken und spektakuläre Sonnenuntergänge prägen das Bild der Region rund um Ranikhet im indischen Himalaya. Doch vor dieser malerischen Kulisse kämpfen viele Familien täglich ums Überleben.

Hartes Leben in der Bergidylle

Die meisten Menschen beziehen ihre Nahrung aus Landwirtschaft an steilen Berghängen. Wenn Wildtiere nachts durch die Felder ziehen, kann eine ganze Ernte verloren gehen. Wege zu Märkten sind lang und beschwerlich, Lager- oder Kühlmöglichkeiten fehlen.

Noch im Jahr 2023 lebten rund 48 Prozent der Haushalte unterhalb der Armutsgrenze. Der Obst- und Gemüseanbau war oft die einzige Einnahme- und Nahrungsquelle, brachte jedoch kaum genug ein. Besonders schwierig war die Situation für Menschen mit Behinderungen. Viele waren von ihren Familien abhängig.

Unterstützung für Bauern mit und ohne Behinderungen

Hier setzt das gemeinsame Projekt von CBM und BMZ an. Kleinbauerinnen und -bauern werden in modernen Anbaumethoden geschult und können sich motorisierte Geräte ausleihen, die vor allem Menschen mit Behinderungen die beschwerliche Feldarbeit erleichtern. Außerdem erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Beispiel Insektenfallen zur Schädlingsbekämpfung. Auch neue Gemüsesorten werden eingeführt, um die Ernährung vielfältiger zu machen.

Zudem entstehen Lager- und Sammelstellen sowie Kühlmöglichkeiten, damit Bauern ihre Produkte besser verkaufen können. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Inklusion: Gemeinschaftsgruppen sorgen dafür, dass Menschen mit Behinderungen aktiv an den Angeboten des Projekts teilnehmen können und Zugang zu Reha und Hilfsmitteln erhalten. Der Zugang war ihnen vor allem verschlossen, weil die Betroffenen in ihrer Abgeschiedenheit nicht wussten, dass es staatlich geförderte Reha und Hilfsmittel gibt.

Beeindruckende Fortschritte

Die Ergebnisse sind deutlich: Laut Umfragen berichten 94 Prozent der befragten Haushalte von einer verbesserten Ernährungssicherheit. Während im Jahr 2023 nur 27,9 Prozent der Familien angaben, am Vortag drei Mahlzeiten gegessen zu haben, sind es heute 89 Prozent.

In einigen Gemeinden hat sich inzwischen kommerzieller Gemüseanbau entwickelt. Auch der Zugang zu Finanzdienstleistungen hat sich verbessert. Gleichzeitig ist das Bewusstsein für staatliche Unterstützungsangebote stark gestiegen – besonders bei Kleinbauern mit Behinderungen.

Trotz dieser Fortschritte bleiben Herausforderungen bestehen. Wildtiere, begrenzte Ressourcen und die schwierige Berglage erschweren weiterhin die landwirtschaftliche Arbeit. Doch das Projekt zeigt, wie sich Lebensbedingungen verbessern können, wenn Wissen, Infrastruktur und Inklusion zusammenkommen.


Über die CBM

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit fast 120 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im Jahr 2024 förderte die CBM 330 Projekte in 37 Ländern.