Bensheim, 9. Juni 2026. Vor zwanzig Jahren wurde die UN-Behindertenrechtskonvention verabschiedet. Sie gilt als Meilenstein für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Doch während die Welt auf dieses Jubiläum blickt, geraten Inklusion, Teilhabe und Menschenrechte in vielen Ländern zunehmend unter Druck. Zum Start der Vertragsstaatenkonferenz zur UN-Behindertenrechtskonvention vom 9. bis 11. Juni in New York fordert die Christoffel-Blindenmission (CBM), die Umsetzung der Konvention entschlossener voranzutreiben. Denn Teilhabe ist kein Privileg, sondern ein Menschenrecht.
Weltweit leben rund 1,3 Milliarden Menschen mit Behinderungen. Dennoch bleiben ihnen vielerorts grundlegende Rechte verwehrt. Zugleich beobachtet die CBM mit Sorge, dass Fortschritte bei Inklusion und Teilhabe in einigen Ländern ins Stocken geraten oder sogar zurückgedrängt werden.
Der Auftrag bleibt
"Die Behindertenrechtskonvention hat die Rechte von Menschen mit Behinderungen weltweit gestärkt. Doch Menschen mit Behinderungen werden vielerorts noch immer ausgeschlossen oder übersehen. Deshalb müssen Staaten jetzt konsequent handeln und gleichberechtigte Teilhabe ermöglichen", sagt Dr. Rainer Brockhaus, Vorstand der CBM. Die diesjährige Konferenz der Vertragsstaaten steht im Zeichen des 20-jährigen Jubiläums der Konvention. Aus Sicht der CBM darf der Blick auf Erfolge jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Menschen mit Behinderungen weiterhin überproportional von Gewalt, Vernachlässigung und Missbrauch betroffen sind.
Schutz durch Inklusion statt Separation
Besonders gefährdet sind Frauen, Kinder und Menschen, die in Einrichtungen leben. Die CBM fordert deshalb inklusive Unterstützungsangebote in den Gemeinden, die Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.
"Wahre Sicherheit entsteht durch Autonomie, gesellschaftliche Teilhabe und die Anerkennung der gleichen Würde aller Menschen. Menschen mit Behinderungen dürfen nicht in Einrichtungen abgeschoben werden, sondern müssen selbst entscheiden können, wie und wo sie leben möchten", so Brockhaus.
Nicht über Menschen entscheiden, sondern mit ihnen
Menschen mit Behinderungen und ihre Selbstvertretungsorganisationen sind in politischen Prozessen noch immer zu wenig vertreten. Barrieren und Vorurteile erschweren ihre Mitwirkung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.
"In den vergangenen zwanzig Jahren ist das Bewusstsein gewachsen, dass Menschen mit Behinderungen bei Entscheidungen, die ihr eigenes Leben betreffen, mitreden und mitgestalten müssen. Doch echte Teilhabe geht weiter. Menschen mit Behinderungen müssen sich selbstverständlich auch in gesellschaftliche und politische Debatten einbringen können. Erst wenn ihre Perspektiven überall gehört werden, rücken wir der Vision der Behindertenrechtskonvention von Inklusion und gleichberechtigter Partizipation näher", führt Brockhaus aus.
Die CBM setzt sich deshalb weltweit dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen überall mitreden und mitentscheiden können.
Über die CBM
Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit fast 120 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im Jahr 2024 förderte die CBM 330 Projekte in 37 Ländern.