Von Wald gesäumter Fluss © CBM/argum/Einberger

Gedanken zum Monatsspruch August 2022

"Im Jubel verbunden" – von CBM-Mitarbeiterin Silja Joneleit-Oesch

Jubeln sollen alle Bäume des Waldes vor dem Herrn, wenn er kommt, um die Erde zu richten.

1. Chr. 16,33 (Die Bibel, Altes Testament, 1. Chronikbuch, Kapitel 16, Vers 33)

Unser lebhafter Monatsspruch stammt aus einem Danklied Davids. Dort heißt es auch: "… und das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist." (Vers 32).

Hier denke ich ferner an Palm 19: "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk. … ohne Sprache und ohne Worte; unhörbar ist ihre Stimme." (Verse 2 und 4).

Eine große Gemeinschaft

Von meinem Lieblingsförster habe ich gelernt, dass Bäume in großen Familienverbünden leben. Sie "unterhalten" sich unterirdisch durch Wurzeln und Pilze und warnen sich über ihre Blätter vor Unwetter und Schädlingen. Wir staunen, wie fantastisch alles aufeinander abgestimmt ist. Wenn wir nur nicht immer dieses ausgeklügelte System stören oder sogar zerstören würden …

Aber wie jubeln Bäume? Wie ist das Feld fröhlich und wie genau sollen die Himmelskörper Verkündigung betreiben? Ich kann es mir schwer vorstellen, aber der Gedanke berührt mich.

Diese alten Texte wollen uns sagen, dass die ganze Schöpfung, Menschen, Tiere, Pflanzen und die unbelebte Natur (Sterne), den Schöpfer loben. So werden hier alle Geschöpfe als Subjekte ernst genommen. Sie sind unsere Mitgeschöpfe und können einstimmen in den Jubel Gottes, auch ohne Sprache und Worte. Dann müssten wir sie doch respektvoller behandeln, oder?

Jede Stimme ist wichtig

Sollten wir nicht genauer hinhören, wie das Feld jubelt, aber auch, wie der Käfer klagt, der keine Wohnung mehr findet?

Wenn z.B. eine Art ausstirbt, weil wir ihren Lebensraum geraubt haben, verstummt genau diese eine Stimme im Chor des Jubels vor Gott. Die Ursprungskomposition war aber mit dieser Stimme gedacht. Biodiversität und Klimaschutz leuchten auf in der Weisheit des Alten Testaments!

Selbstverständlich brauchen wir auch alle menschlichen Stimmen in diesem Chor der Schöpfung: die lauten und klaren genauso wie die leisen oder stummen. Menschen mit Behinderungen sind Teil dieses Chores, denn jede Stimme ist wertvoll. Wenn es, z.B. aufgrund der pränatalen Diagnostik, keine Kinder mit Down-Syndrom mehr gäbe, fehlten sie im großen Jubel!

Von der Bibel lernen

Die biblischen Texte zeigen uns wieder einmal unerwartete Sichtweisen. Betrachten wir also Gottes Schöpfung in ihrer Vielfältigkeit und Schönheit und stimmen wir ein in ihren Jubel! Dann kann es auch wieder gut werden mit dieser Schöpfung.

Porträt einer Frau © CBM
Dr. Silja Joneleit-Oesch

Silja,  was ist deine Aufgabe in der CBM und was schätzt Du dabei am meisten? 

Ich bin Kirchenreferentin im Team Kirche und erstelle z.B. Materialien für Kirchen-Gemeinden. Wir beschäftigen uns auch mit den theologischen Aussagen der Bibel zu Inklusion und stellen fest, das ist sehr eindeutig: Inklusion ist eine biblische Botschaft. Die praktische Arbeit der CBM theologisch begründen – das gefällt mir!  

Was sind in Deiner Tätigkeit die größten Herausforderungen?  

Die kirchliche Szene in Deutschland ist zurzeit ganz schön durchgerüttelt, einmal durch Corona und zum anderen auch durch vielfältige Strukturprozesse. Dann fehlt leider dort manchmal der Blick über den Tellerrand, z.B. in den globalen Süden und zu Menschen mit Behinderungen.

Und was tust Du am liebsten in Deiner Freizeit?

Also, ich gehe tatsächlich gerne in den Wald, am liebsten mit meinen Kindern!