Lachende afrikanische Jungen © CBM/Hayduk

Gedanken zur Jahreslosung 2019

Leidenschaftliche Friedenssuche ist weise – von CBM-Mitglied Dr. Ulrich Fischer

Suche Frieden und jage ihm nach!

Jahreslosung 2019 aus Psalm 34,15 (Die Bibel, Altes Testament, Buch der Psalmen, Psalm 34, Vers 15)

Beim ersten Hören klingen diese Worte des 34. Psalms wie eine Allerweltsweisheit. Noch dazu als eine, die so ganz hineinpasst in die Welt des Jahres 2019: Kriegsgefahr im Nahen Osten, ein fürchterlicher Bürgerkrieg im Kongo, ein mörderischer Stellvertreterkrieg im Jemen und immer noch kein Frieden in Afghanistan. Wohin wir schauen: Die Suche nach Frieden und das Streben danach erscheinen dringender denn je. Ja, das Friedensuchen alleine reicht nicht mehr, gefragt ist das intensive Nachjagen danach, das eifrig betriebene "Hinter-dem-Frieden-her-Sein". Weise ist, wer sich zu einer solchen leidenschaftlichen Friedenssuche verpflichtet und sich nicht davon entmutigen lässt, dass es immer wieder Mächte geben wird, die aus politischen oder wirtschaftlichen Interessen jedes Friedensuchen behindern.

Aber Achtung! Das Wort aus dem 34. Psalm ist keine Allerweltsweisheit, sondern eine Weisheit des Glaubens. Hier singt jemand ein Danklied, weil er sich von Gott aus großer Not errettet weiß (Verse 1-5). Und dieses Danklied geht über in ein Lehrgedicht, in dem der Sänger wie ein Weisheitslehrer auftritt: "Ich will euch die Furcht des Herrn lehren", ruft er aus (Vers 12). Er will belehren über das angemessene Verhalten des Menschen in Ehrfurcht vor Gott. Ihm geht es also nicht um eine Allerweltsweisheit, sondern um eine von der "Furcht des Herrn" geprägte Weisheit. Es ist diese Weisheit, die Menschen eifrig den Frieden suchen lässt.

Was diese in der Verantwortung vor Gott gründende Weisheit an Verhalten fordert, entfaltet der Psalmsänger in den Versen 14 und 15: nicht zuchtlos reden – wie aktuell angesichts zahlloser Entgleisungen in den sozialen Medien – , sich vom Bösen fernhalten und Gutes tun sowie Frieden suchen und ihm nachjagen. All dies macht das Leben eines Menschen aus, der in der "Furcht des Herrn" lebt. Ihm wendet Gott sein Angesicht zu. Ihm ist ein gelingendes, ein glückliches Leben verheißen. Das ist jene Weisheit, die sich den Glaubenden erschließt, die den Frieden Gottes kennen, der alles Denken und Verstehen übersteigt. Mehr von dieser Weisheit unter uns Menschen würde auch mehr Frieden auf dieser Welt bedeuten.

Porträt eines Mannes © EKIBA/Michael Hornung
Dr. Ulrich Fischer

"Seit meiner Zeit als Gemeindepfarrer, also seit fast 40 Jahren, beeindruckt mich an der Arbeit der CBM, wie hier Menschen – getragen vom christlichen Glauben – ganz konkret Hilfe in schwerer Not leisten und damit die Einheit von Glaube und Liebe bezeugen", sagt Dr. Ulrich Fischer, Mitglied der Christoffel-Blindenmission e.V. und ihres Theologischen Ausschusses.

Von 1998 bis 2014 war er Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden und von 2009 bis 2014 Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Er ist der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Missionarische Dienste in Deutschland (AMD). Ulrich Fischer ist verheiratet und hat drei Töchter und sieben Enkelkinder.