Nach vier Jahren Krieg ist die humanitäre Lage in der Ukraine nach wie vor katastrophal. Es gab zehntausende Tote. Millionen Menschen sind auf der Flucht – und der Winter 2025/2026 war der härteste seit Kriegsbeginn. Raketenangriffe auf die Zivilbevölkerung gehören zum Alltag. Die Ukraine ist mit etwa einem Viertel der Fläche das am stärksten verminte Land der Welt. Die schwer beschädigte Infrastruktur beeinträchtigt die Versorgung mit Wasser, Strom, Wärme, Lebensmitteln, Gütern des Grundbedarfs (z.B. Hygieneartikel) und medizinischer Hilfe erheblich. Das UN-Amt zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) schätzt, dass 10,8 Millionen Menschen – mehr als 30 Prozent der Bevölkerung – humanitäre Hilfe benötigen. Seit Kriegsbeginn haben laut UNHCR etwa 5,9 Millionen Menschen, meist Frauen und Kinder, die Ukraine verlassen und in anderen Ländern Schutz gesucht. 3,8 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes geflohen.
Ukraine-Krieg: Die CBM ermöglicht weiterhin dringende humanitäre Hilfe
Der Krieg in der Ukraine hat seit Beginn des russischen Angriffs schon viele Todesopfer gefordert, unendlich viel Leid gebracht und Menschen in die Flucht außer Landes getrieben: Laut UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) wird die Anzahl der geflüchteten Menschen allein in Europa auf mehr als fünf Millionen Menschen geschätzt.
Menschen mit Behinderungen dürfen nicht vergessen werden
Unter den geflüchteten sind viele Menschen mit Behinderungen, chronischen Krankheiten, Kriegsverletzungen sowie ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Doch es gibt auch viele behinderte Menschen, die aufgrund ihrer Situation ihr Zuhause nicht verlassen konnten. Andere sind in teilweise zerstörten und schlecht ausgestatteten Einrichtungen notdürftig untergekommen – isoliert von Gemeindestrukturen.
Die CBM will sicherstellen, dass diese besonders schutzbedürftigen Menschen nicht vergessen werden und die dringend benötigte humanitäre Hilfe erhalten.
Deshalb unterstützt sie inklusive Hilfsprogramme in Zusammenarbeit mit sechs Partnerorganisationen sowie zahlreichen weiteren lokalen Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen vor Ort.
Humanitäre Hilfe für mehr als 113.000 Menschen
Das hat meine Lebensqualität verbessert! Der Rollstuhl ist kleiner, leichter und komfortabler als mein erster. Wenn etwas kostenfrei versprochen wird, muss man sonst ein Jahr warten. Aber jetzt ging es schnell und leicht.
Die CBM hat seit Kriegsbeginn bis Ende 2025 mehr als 15 Millionen Euro an Spenden und Fördergeldern eingesetzt, um Menschen mit Behinderungen, Kriegsverletzungen und Mobilitätseinschränkungen sowohl in der Ukraine als auch ihren Nachbarländern zu helfen.
Dank dieser Unterstützung konnten wir gemeinsam mit unseren Partnern schon mehr als 113.000 Menschen in Not erreichen (Stand Anfang 2026):
- mit medizinischer Hilfe (z.B. Rollstühle für Kinder, medizinische Transportdienste für ältere Menschen sowie eine inklusive medizinische Behandlung und Reha-Therapie für Menschen mit Kriegsverletzungen)
- mit psychosozialer Hilfe (z.B. Vermittlung an psychosoziale Unterstützungsstellen und barrierefreie Unterkünfte sowie Förderung der mentalen Gesundheit)
Der Duschstuhl hat mein Leben und das meines Sohns verändert. Wir konnten ihn nur alle zwei Wochen baden, es war so schwer, man musste zu zweit sein. Jetzt wasche ich ihn täglich. Können Sie sich die Veränderung vorstellen? Das ist so viel mehr Lebensqualität für ihn.
- mit gezielten Bargeldhilfen zur Unterstützung der Unterkunfts- und Ernährungssicherheit von Menschen mit Behinderungen und ihren Angehörigen
- mit dem Ausbau eines spezialisierten Behandlungszentrums für Rückenmarksverletzungen als Pilotmodell in Lwiw
mit gezielter anwaltschaftlicher Arbeit bzw. Interessenvertretung: Gemeinsam mit unseren Projektpartnern setzen wir uns auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene für die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen ein (z.B. durch Schulung von Verwaltungsfachleuten, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und medizinischem Personal), um die humanitäre Hilfslandschaft sowie die allgemeine Situation für Menschen mit Behinderungen in der Ukraine auch langfristig inklusiver zu gestalten - durch die Stärkung lokaler Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen. Sie sind wichtige Akteure für inklusive humanitäre Hilfe und für einen inklusiven Wiederaufbau der Ukraine
Lokale und internationale Partnerorganisationen
Bei unserer inklusiven Nothilfe für die Betroffenen des Ukraine-Krieges arbeiten wir mit starken Partnerorganisationen und einem Netzwerk lokaler Selbstvertretungsorganisationen für Menschen mit Behinderungen zusammen. Dadurch erhalten auch Menschen in abgelegenen ländlichen Regionen Hilfe:
Unsere Partnerorganisationen in der Ukraine
National Assembly of Persons with Disabilities (NAPD)
Die 2001 gegründete ukrainische Dachorganisation NAPD vertritt über 120 Organisationen von Menschen mit Behinderungen aus allen Regionen des Landes und ist in der inklusiven humanitären Hilfe bereits seit Beginn der Konflikte in der Ostukraine 2014 vor Ort aktiv. Durch das starke lokal verwurzelte Netzwerk von NAPD werden auch Menschen mit Behinderungen in den entlegensten ländlichen Regionen erreicht.
League of the Strong (LoS)
Die ukrainische Dachorganisation LoS setzt sich gemeinsam mit zwölf lokalen Organisationen von Menschen mit Behinderungen für die Teilhabe, Rehabilitation und Rechte von Menschen mit Behinderungen in der Ukraine ein. Gemeinsam mit NAPD unterstützt LoS Menschen mit Behinderungen und Kriegsverletzungen durch technische Hilfsmittel, medizinische Transporte, psychosoziale Dienste, Schulungen von medizinischem Personal und anwaltschaftlicher Arbeit.
Coalition for the Protection of the Rights of Persons with Intellectual Disabilities (NGO Coalition)
Der Zusammenschluss von 86 Organisationen setzt sich seit 2004 für Inklusion ein – insbesondere für die Umsetzung der Rechte von Menschen mit intellektuellen Behinderungen und ihre Förderung. Mehr als 3.200 betroffene Familien erfahren durch die "NGO Coalition" Unterstützung.
Social Synergy
Die Nichtregierungsorganisation besteht seit 2018. Sie setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen ihre Rechte leben können – und zwar in ihrem familiären und Wohnumfeld. Sie sorgt dafür, dass dafür Dienste im sozialen, medizinischen und im Bildungsbereich ausgebaut werden.
Ukraine Mental Health Foundation (UA Mental Help)
2022 wurde die Stiftung gegründet und bietet seither Ukrainerinnen und Ukrainern Hilfe im Bereich der psychischen Gesundheit. Verletzliche Personengruppen stehen im Fokus, darunter vom Krieg Betroffene, Kinder und Jugendliche und Menschen mit Behinderungen. Ihnen soll der Zugang zu psychologischer und psychosozialer Unterstützung erleichtert bzw. überhaupt zugänglich gemacht werden, dazu gehören auch kostenlose Therapien. Die Stiftung sorgt zudem für die Weiterbildung des Fachpersonals, das Hilfe leistet.
Unsere internationalen Partnerorganisationen
European Disability Forum (EDF):
Das EDF ist eine Dachorganisation, die sich für Menschen mit Behinderungen in Europa einsetzt. Die EDF-Mitglieder in der Ukraine, in Lettland, Litauen, Polen, in der Slowakei, in Ungarn, Rumänien und Moldawien sind aktiv für Menschen mit Behinderungen, die aufgrund des Ukraine-Kriegs Unterstützung benötigen.
Momentum Wheels for Humanity Ukraine (MWH):
Die US-amerikanische Organisation ist eine der wenigen Organisationen weltweit, die sich auf Rehabilitations- und Hilfsmittel für Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen spezialisiert haben. Das ukrainische Projektteam von MWH unterstützt mit seiner technischen Expertise die Bereitstellung von technischen Hilfsmitteln, Transport- und Rehabilitationsdiensten, den Ausbau eines spezialisierten Behandlungszentrums für Rückenmarksverletzungen als Pilotmodell in Lwiw sowie die Schulung von Physio- und Ergotherapeutinnen und -therapeuten.
International Ophthalmological Fellowship Foundation e.V. (IOFF)
Das IOFF unterstützt Augenärztinnen und -ärzte sowie weiteres augenmedizinisches Personal aus ressourcenschwachen Ländern durch Stipendien dabei, sich durch vertiefte Fachkenntnisse weiter zu qualifizieren und diese Expertise gezielt in ihren Herkunftsländern einzusetzen. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass ukrainische Augenärztinnen und -ärzte sowie augenmedizinisches Personal in der Behandlung von Augenverletzungen weitergebildet werden und diese Fähigkeit für die Betroffenen des Angriffskrieges einsetzen können.
Erhöhtes Risiko für Menschen mit Behinderungen
Rund 2,7 Millionen Menschen mit Behinderungen, die bereits vor dem Krieg in der Ukraine registriert waren, sowie geschätzte weitere zehntausende Opfer mit Kriegsverletzungen (darunter zivile Opfer mit Verletzungen bisher: mehr als 40.000) dürfen nicht vergessen werden. Sie stehen deutlich häufiger in der Gefahr, bei der Hilfe übersehen zu werden, Gewalt zu erleiden, zu sterben – und haben oft keinen Zugang zu sicheren Orten, Hilfe und Wiederaufbauleistungen.
Frauen und Kinder mit Behinderungen sind einem erhöhten Risiko von sexualisierter Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung ausgesetzt. Darüber hinaus sind wichtige Informationen über sichere Orte und Evakuierungen oft nicht zugänglich. Die Evakuierungszentren sind selten barrierefrei ausgestattet.
Besonders schlimm ist die Situation in den besetzten Städten und Gemeinden, wo es an Lebensmitteln, Wasser, Medikamenten, Hygieneartikeln und spezieller Ernährung für Kinder mangelt. Auch ist es für diese Personen schwieriger, in Luftschutzbunker zu gelangen, sodass Menschen mit Behinderungen oftmals ihre Häuser nicht verlassen können.
Wir appellieren an die globale Gemeinschaft, unter anderem die unterzeichnenden Parteien der UN-Behindertenrechtskonvention, dass sie die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen in ihrer humanitären Hilfe berücksichtigen.
Spenden. Helfen. Not lindern in Entwicklungsländern.
Ermöglichen Sie auch schnelle Hilfe bei Katastrophen in Entwicklungsländern. Durch Ihre Spende heute können wir im Krisenfall in unseren Partnerprojekten sofort vor Ort sein und erste Hilfsaktionen starten. Dabei liegt der Fokus auf Menschen mit Behinderungen. Durch unsere Nothilfe-Programme ermöglichen Sie eine rasche Versorgung mit dem Nötigsten.