Im Licht meiner Lampe schimmern die Linsen in Mondestas Augen weiß. Die Dreijährige ist blind. Ich tausche einen Blick mit Dr. Evarista Mgaya. Einst habe ich sie ausgebildet. Jetzt rettet sie Kinder wie Mondesta aus der Dunkelheit.
Schon im Morgengrauen sind wir aufgebrochen. Der Weg zu der kleinen Hütte im Nordwesten Tansanias, in der Mondesta lebt, ist weit. Jetzt scheint die Sonne – aber die Dreijährige kann das nicht sehen. Mit einer Hand winkt Dr. Evarista dicht vor dem Gesicht der Kleinen. Doch das Kind reagiert nicht. Wir sind beide betroffen, als wir zusehen, wie sich Mondesta vorsichtig auf die Knie sinken lässt und den Boden abtastet. Sie sucht einen Stein zum Spielen.
Die Nachbarskinder geben sich nicht mit ihr ab. Sie rufen sie "Kipofu", auf Deutsch: blindes Mädchen. Mondestas Oma erzählt uns, wie weh ihr das tut – und wie groß ihre Angst um die Kleine ist. "Es gibt hier zu viele Gefahren für ein blindes Kind", sagt sie und deutet auf Schlaglöcher, Äste, die Mondesta oft ins Gesicht schlagen, und einen tiefen Ziehbrunnen.
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