Ohne Hilfe gewinnt der Graue Star

Annie hat keine Freunde, andere Menschen meiden sie. Die Augenkrankheit Grauer Star hat das neunjährige Mädchen aus Sambia nicht nur blind, sondern auch einsam gemacht.

Eine Gruppe strohgedeckter Hütten steht zwischen Feldern und Bäumen.

Ein Leben in Stress und Angst

Überall auf dem kleinen Bauernhof der Familie gibt es Stolperfallen: die herumlaufenden Hühner, Furchen und Löcher im Lehmboden – oder der Kochtopf der Oma, in dem heiß und gefährlich eine Suppe über dem offenen Feuer brodelt.

Eine Gruppe strohgedeckter Hütten steht zwischen Feldern und Bäumen.
Für Annie lauern überall Gefahren. Wenn die Großmutter (l.) kocht, muss sie aufpassen, dass Annie dem Feuer nicht zu nahekommt.

Nur, wenn Annie sich an den Bretterwänden der Hütten entlangtastet, kommt sie zurecht. Doch oft geht es ihr nicht gut. Annie hat Kopfschmerzen und fühlt sich ihrem kleinen Bruder Calvin unterlegen.

Die Neunjährige ist traurig

Wenn ihre Mutter bittet, etwas herzubringen – einen Teller zum Beispiel – kommt Annie mit leeren Händen zurück. Calvin hingegen findet immer alles sofort. "Annie steht dann einfach da und lässt den Kopf hängen", erzählt Mutter Shira traurig.

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125 Euro kostet eine Graue-Star-Operation unter Vollnarkose.
 

Die Leute gehen dem blinden Mädchen aus dem Weg

Der Unterschied zwischen den Geschwistern ist nicht zu übersehen: Während der zweijährige Calvin mit wachen Augen in die Welt strahlt, schaut Annie traurig auf den Boden. Wozu auch nach oben schauen?

Eine Frau mit einem etwa neunjährigen Mädchen und einem etwa zweijährigen Jungen.
Calvin (r.) strahlt mit wachen Augen in die Welt. Ihm fliegen die Herzen zu, während seine Schwester Annie (l.) von anderen Menschen gemieden wird.

Sie sieht kaum etwas und erschreckt doch nur alle. "Sie hat den bösen Blick!" beschweren sich die Leute bei der Mutter. "Sie ist verhext, sie schaut uns böse an", sagen sie, denn Annies Augen sind leicht verdreht. Deswegen haben auch ihre Mitschüler Angst vor ihr.

Annie kann die Tafel nicht mehr lesen

In der Schule hat Annie ohnehin Probleme. Weil sie die Tafel nicht mehr sieht, kommt sie beim Lernen nicht mehr mit. Nein, Freunde hat das Mädchen nicht. 

Die Familie ist arm. Shira will ihrem Kind aber unbedingt helfen. Und Hilfe braucht Annie jetzt dringend, denn wie soll es in Zukunft mit ihr weitergehen, wenn sie nichts sehen kann? Es gibt nur eine kleine Gesundheitsstation neben Annies Schule. Dorthin bringt Shira ihre Tochter.

Wer kann die dringend nötige OP bezahlen?

Eine Krankenschwester sagt ihr, dass sie Grauen Star bei Annie vermutet. Von dieser Krankheit hat Shira noch nie gehört.

Ein etwa neunjähriges Mädchen lacht beim Fangen eines Luftballons, auf dem "CBM" steht.
Der Besuch von Augenkrankenpfleger Hicks Mukubesa (r.) bringt die Wende für Annie! Er sorgt dafür, dass sie am Grauen Star operiert wird.

Nur in der drei Stunden entfernten Stadt Kitwe könne ihre Tochter Hilfe erhalten, sagt die Krankenschwester und stellt den Kontakt zum "Kitwe Teaching Eye Hospital" her. Die Klinik wird von der CBM gefördert.

Eine Nachricht, die Hoffnung schenkt

Nur wenige Tage später besucht Augenkrankenpfleger Hicks Mukubesa die Familie. Auch er sagt, dass Annie Grauen Star hat und dringend operiert werden muss. Shira schüttelt verzweifelt den Kopf. Wie soll sie das bezahlen? "Die Kosten übernehmen die Spenderinnen und Spender der CBM", erklärt Mukubesa. Shira ist überrascht und dankbar. Endlich Hoffnung für ihre Annie!

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Twatotela – Danke!

Am Tag der Operation wird Annie in den OP-Saal geführt. Langsam geht sie an der Hand des Anästhesisten zu dem blau bezogenen Tisch in der Mitte des Raumes. Sie hat Angst. Zum Glück wirkt die Narkose und lässt sie schnell einschlafen. Augenärztin Dr. Nzala Mbulo operiert die Kleine. Zunächst nur das linke Auge, ein paar Wochen später soll das rechte folgen.

Ein etwa neunjähriges Mädchen lacht beim Fangen eines Luftballons, auf dem "CBM" steht.
Ausgelassen spielt Annie mit einem CBM-Luftballon. Sie strahlt vor Freude. Sie kann sehen!

Als Dr. Nzala am nächsten Tag das frisch operierte Auge des Mädchens untersucht, ist sie zufrieden: "Das sieht gut aus! Perfekt!" Die Ärztin leuchtet in die Augen und nickt. "Wie viele Finger sind das, Annie?" Wie aus der Pistole geschossen antwortet das Kind: "Drei!" – "Toll!“, jubelt Shira, die ihrer Tochter nicht von der Seite weicht.

"Sie kann die Blumen sehen!"

Annie, die nie lächelte und skeptisch die Welt anschielte, strahlt und schaut der Mama direkt in die Augen. Dann pflückt sie ihr einen gelben Blumenstrauß. Shira freut sich über den süßen Liebesbeweis der Tochter und ruft: "Sie kann endlich die Blumen sehen, das ist so toll!"

Dann gibt es kein Halten mehr: Annie tollt durch den Krankenhausgarten, lässt ein Tuch im Wind flattern, rennt mit den anderen Kindern um die Wette und tanzt. Noch gestern wäre das undenkbar gewesen. "Twatotela – Danke!", sagt ihre Mutter auf Bemba, der sambischen Sprache, und lacht. "Twatotela!"

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