Ein ugandisches, körperbehindertes Kind übt laufen an einem Laufbarren © CBM

Operationen und Rehabilitation für Körperbehinderte – das CoRSU-Projekt in Uganda

Renommierte orthopädische Klinik, Rehabilitationsprogramm und gemeindenahe Rehabilitation – all das bietet das von der Christoffel-Blindenmission (CBM) geförderte CoRSU-Projekt. Der Fokus liegt dabei auf der Behandlung von Kindern und Jugendlichen.

Afrikanische Frau geht mit zwei Kindern mit extremen O-Beinen die Straße entlang. © CBM
Kinder mit schwer deformierten Beinen sind keine Seltenheit in Uganda.

Die Abkürzung CoRSU steht für "Comprehensive Rehabilitation Services for Uganda", auf Deutsch etwa "Umfassende Rehabilitationsdienste für Uganda". Gegründet wurde das CoRSU-Projekt bereits 2006, unter maßgeblicher Beteiligung der CBM.

Seit 2009 ist die moderne orthopädische Klinik in Kisubi, nahe der Hauptstadt Kampala, Herzstück des Projekts. Sie bietet orthopädische und wiederherstellende plastische Chirurgie mit angeschlossenen Rehabilitationsprogrammen. 80 Prozent der Patienten sind Kinder.

Großer Bedarf – große Chancen

Der Bedarf an medizinischen und rehabilitativen Diensten für körperbehinderte Menschen in Uganda ist groß. Das Land zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, es ist überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Die neueste Volkzählung vom Januar 2016 zeigt, dass ca. 12,5 Prozent der Bevölkerung Ugandas eine Behinderung haben, fünf Millionen Menschen sind also betroffen. Dabei könnten 92 Prozent von ihnen entweder geheilt oder ihre Einschränkung erheblich verbessert werden.

Über 5.000 Operationen jährlich

Afrikanisches Kind liegt mit Beinschiene im Krankenhausbett © CBM
80 Prozent der Patienten im CoRSU-Hospital sind Kinder.

Hier setzt das CoRSU-Projekt an: In der modernen Klinik werden Kinder mit schweren, körperlichen Behinderungen behandelt. Insbesondere Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Klumpfüße, extreme O- und X-Beine oder die Folgen von Knocheninfektionen (Osteomyelitis) werden operiert bzw. versorgt.

Das Hospital verfügt dafür über sechs moderne OP-Säle, eine Krankenstation mit 64 Betten und eine Reha-Abteilung mit 54 Betten. Über 5.000 Operationen werden jährlich durchgeführt und die Kinder anschließend in Rehabilitationsprogrammen weiter behandelt. Die Behandlung ist meist recht langwierig, denn nach einer Operation benötigen sie weitere, teils monatelange physiotherapeutische Betreuung.

Projekteigene Orthopädie-Werkstatt

Viele der Patientinnen und Patienten benötigen auch Mobilitäts- und Gehhilfen, Orthesen oder auch Prothesen. Diese können seit 2010 direkt vor Ort, in der projekteigenen orthopädischen Werkstatt hergestellt und angepasst werden. Solche kurzen Wege erleichtern die Versorgung der Patienten deutlich.

  • 5.312 orthopädische und plastische Operationen sind 2017 im Projekt durchgeführt worden. Davon waren 80 % Kindern.

  • 2.662 orthopädische Hilfsmittel sind 2017 angepasst und verteilt worden.

  • 3.335 Patienten haben 2017 eine Physiotherapie erhalten.

Gemeindenah arbeiten – Familien einbeziehen

Eine Projektmitarbeiterin berät eine Mutter über Behandlungsmöglichkeiten in CoRSU © CBM
Projektmitarbeiterinnen beraten Mütter über die Behandlungsmöglichkeiten im CoRSU-Hospital.

Ergänzt wird die Arbeit in der CoRSU-Klinik durch Reihenuntersuchungen und mobile OP-Einsätze. Außerdem gibt es ein gemeindenahes Rehabilitationsprogramm, das sich an die Familien, insbesondere die Mütter, der Kinder richtet.

Denn: Ist ein Kind behindert, ist häufig nicht nur das Kind selbst, sondern die ganze Familie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Mit gemeindebasierten Sensibilisierungsprogrammen und speziellen Angeboten will CoRSU erreichen, dass die Familien der Kinder wieder aktiv an der Gemeinschaft und dem alltäglichen Leben teilhaben können.

Aufbau eines multinationalen Netzwerks

Afrikanisches Kind mit Gips am Bein sitzt im Krankenhausbett © CBM
Kinder wie die kleine Cynthia profitieren von der Expertise des CoRSU-Teams.

Ein weiteres, wichtiges Projektziel ist der Aufbau eines breiten, multinationalen Netzwerks, zu dem inzwischen über 30 Partnerorganisationen in vier Ländern zählen. Dazu gehören Krankenhäuser, gemeindenahe Rehabilitationsprogramme, Sozialprogramme und Rehazentren. Auch Kontakte zu Fachärzten und Therapeuten für Kurzeinsätze werden gepflegt.

Das garantiert Menschen mit Behinderungen in allen Landesteilen und den Nachbarländern eine angemessene Behandlung am richtigen Ort. Die vernetzten Einrichtungen überweisen ihre Patienten bei Bedarf an CoRSU – und eröffnen ihnen damit oft ein Leben von ganz neuer Qualität.

Ziel des CoRSU-Projektes ist es, allen Menschen mit Behinderungen in Uganda, insbesondere aber Kindern, Zugang zu adäquater medizinischer und rehabilitativer Versorgung zu garantieren.

Ein Gang durch die CoRSU-Klinik

CBM-Mitarbeiter Tobias Pflanz führt durch die Klinik der Comprehensive Rehabilitation Services in Uganda (CoRSU). In der Klinik werden v. a. Kinder behandelt, die eine orthopädische oder plastische Operation benötigen.

Ein Gebäude mit einem Rasen davor.