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CBM (Christoffel-Blindenmission)

"Braille hat mein Leben verändert!"

Inklusive Schule in Südindien legt Grundstein für Karthiks Berufsziel

Kinder in Schuluniform mit hochgestreckten Händen
2002: Erst in der inklusiven Grundschule blüht Karthik (mit Krawatte) richtig auf.

Als der kleine Karthik in Südindien in die Dorfschule kommt, ist er voller Wissensdurst. Doch weil er kaum etwas sehen kann, nützt ihm der Unterricht wenig. Erst in einer inklusiven Grundschule in Coimbatore beginnt sein Leben neu, davon ist der heute 26-Jährige überzeugt. Denn Karthik lernt die Blindenschrift Braille – weil CBM-unterstützte Förderlehrerinnen ihm dabei helfen.

Schon von Geburt an hat Karthik eine Sehbehinderung. Doch für seine Eltern steht fest: Der Junge wird in die Dorfschule eingeschult wie seine zwei Jahre ältere Schwester. Denn Karthik ist so lernbegierig! An seine ersten Schuljahre Ende der 90er Jahre kann sich der heute erwachsene Karthik aber kaum erinnern: Die Lehrer sind zwar nett zu dem fast blinden Jungen, doch richtig gefördert wird er nicht. Wie gerne wollte Karthik genau wie die anderen Kinder lesen und schreiben lernen. Um ihm das beizubringen, fehlt es den Pädagogen jedoch an Wissen und den nötigen Mitteln.

Neue Schule, neues Leben

Eine Frau sitzt einem Jungen gebenüber, zwischen ihnen liegt ein Blindenschriftbuch
2002: Karthik übt das Lesen der Brailleschrift. Eine Förderlehrerin unterstützt ihn dabei.
Eine Hand hält einen Griffel und sticht damit durch eine Schablone in ein Blatt
Zum Schreiben benutzt Karthik eine Schablone: Mit einem Griffel sticht er durch die Lücken der Schablone die Punkte der Brailleschrift ins Papier.

In Coimbatore, nicht weit von Karthiks Heimatort Annur entfernt, gibt es eine Regelschule, in denen Kinder mit Behinderungen individuell gefördert werden. Der damalige CBM-Partner unterstützt schon seit Ende der 80er Jahre Kinder mit Behinderungen, die Regelschulen besuchen. Dass Karthiks Eltern davon erfahren und ihren Sohn in Coimbatore anmelden, ist der Anfang eines neuen Lebens für den Grundschüler. Denn in der neuen Schule wird er von Förderlehrerinnen begleitet. Sie versorgen Karthik und seine Lehrkräfte mit Lehrmaterial für behinderte Kinder. Und alle an der Schule erlernen Techniken, wie Kinder mit und ohne Behinderungen optimal zusammen lernen können. Dazu gehören ganz einfache Dinge, z. B. dass ein sehendes ein blindes Kind begleitet, wenn dieses im Unterricht nach vorne gerufen wird. Eine andere, komplexe und extrem wichtige Technik speziell für blinde und schwer sehbehinderte Kinder ist z. B. die Blindenschrift Braille, eine Punktschrift, die man mit den Fingerkuppen ertastet. Für Karthik ist sie ein Meilenstein. Denn damit kann der fast blinde Junge endlich ohne Probleme lesen und schreiben. Das Größte ist es für den Schüler, als er lernt, auf einer Braille-Schreibmaschine Blindenschrift zu tippen.

Junger Mann mit spiegelnder Brille
Karthik heute: Einen Master in englischer Literatur hat er schon. Jetzt will er ein Lehr- und Lernmodell entwickeln, das sehbehinderten Menschen das Englischlernen erleichtert.

Karthiks Berufsziel: Behinderte Menschen fördern!

"Braille hat mein Leben verändert!" ist Karthik heute überzeugt: "Ich konnte lesen und schreiben lernen und das war ein fantastisches Gefühl!" erklärt der junge Mann. Denn damit hat sich ihm eine neue Welt eröffnet. Bald las er Essays und Gedichte. Nicht nur sein akademisches Wissen an der Schule wuchs, er erlernte dort auch lebenspraktische Fertigkeiten. Das hat ihn gut vorbereitet auf die Zeit nach der Schule. An der südinidschen Pondicherry University hat Karthik einen Bachelor als Kaufmann erworben und sein Masterstudium in englischer Literatur gerade abgeschlossen. Sein nächstes Ziel ist es zu promovieren und mit seiner Doktorarbeit schließlich sehbehinderte Menschen zu fördern – mit einem Lehr- und Lernmodell für den englischen Sprachunterricht, das speziell auf die Bedürfnisse von blinden und sehbehinderten Studierenden zugeschnitten ist.

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