Afrikanische Jungen mit Gips und Krücken. © CBM/Hayduk

Rehazentrum Gahini – Rehabilitation für körperlich behinderte Menschen in Ruanda

Gahini liegt im Osten Ruandas, rund 80 Kilometer von der Hauptstadt Kigali entfernt. Das von der Christoffel-Blindenmission (CBM) unterstützte "Gahini Rehabilitation Center" (GRC) ist an das örtliche Krankenhaus angegliedert. Das Zentrum bietet umfassende chirurgische und rehabilitative Hilfe für Menschen mit körperlichen Behinderungen wie z. B. Klumpfuß, Poliomyelitis, Knocheninfektionen oder Zerebralparese.

Afrikanisches junges Mädchen mit deformierten Beinen geht eine Straße entlang. © CBM/Hayduk
Fünf Prozent aller Einwohner Ruandas leben mit einer Behinderung. Der Bedarf an medizinisch-orthopädischen Diensten ist groß.

Bereits seit 1978 arbeitet die CBM mit dem Allgemeinkrankenhaus Gahini zusammen. 1982 wurde dort das angegliederte Rehazentrum GCR gegründet – seitdem unterstützt die CBM das zur ruandischen Episkopalkirche gehörende Projekt.

Basierend auf dieser langjährigen Expertise sowie Ruandas nationaler Politik für Menschen mit Behinderungen, entschied sich das Gesundheitsministerium für die Gründung eines nationalen Referenzzentrums für Rehabilitation in Gahini. Seit 2016 wird das GRC entsprechend umgebaut und erweitert.

Diese Erweiterung ist auch dringend nötig, denn fünf Prozent der Gesamtbevölkerung Ruandas leben mit einer Behinderung. Viele Menschen im Land sind noch immer medizinisch-orthopädisch unterversorgt, auch wenn das GRC schon viel bewegen konnte.

Referenzzentrum für die Region der Großen Seen

Kind mit Gipsverband an den Füßen, auf dem Schoß seiner Mutter © CBM/Hayduk
Klumpfußkorrekturen gehören zu den häufigsten Behandlungen im Rehazentrum.

Ziel des Projekts ist es, für eine verbesserte Rehabilitation für Menschen mit Körperbehinderungen zu sorgen. Dies gilt nicht nur für Ruanda, sondern für die gesamte Region der Großen Seen (Ruanda, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Tansania): eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt.

Schon jetzt ist das GRC das wichtigste Rehabilitationszentrum des Landes. Zu seinen Services gehören neben orthopädischer Chirurgie auch Physio- und Ergotherapie sowie gemeindenahe Rehabilitation. Das Zentrum verfügt über eine eigene Werkstatt für Prothesen und Orthesen – und ist zudem wichtigster Anbieter orthopädischer Materialien für Klumpfußbehandlung in der Region der Großen Seen.

Spezialist für Klumpfußversorgung

Michiel Steenbeek zeigt eine Steenbeek-Schiene. © CBM/Hayduk
CBM-Mitarbeiter Michiel Steenbeek entwickelte eine kostengünstige Korrekturschiene zur Klumpfußbehandlung.

Eine Besonderheit ist die Versorgung mit "Steenbeek-Schienen" in Anlehnung an die "Ponseti-Methode". Nach dieser wird die Fehlstellung des Fußes bei Kindern über mehere Monate hinweg durch Gipsverbände korrigiert. Anschließend erhalten die Patienten eine spezielle Schiene, die sie mehrere Jahre tragen, um die Füße in der richtigen Position zu halten.

Da die Ponseti-Schiene jedoch sehr teuer ist, hat CBM-Mitarbeiter Michiel Steenbeek in Ruanda eine extrem kostengünstige Alternative entwickelt, die in Großproduktion im Projekt hergestellt wird.

Verbesserung der Lebensqualität

Mit seiner orthopädischen Versorgung trägt das Zentrum schon jetzt nachhaltig zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen und ihrer Teilhabe in der Gesellschaft bei.

Ausbau zum Referenzprojekt auf allen Ebenen

Junge afrikanische Ärzte beobachten einen anderen Arzt beim Operieren © CBM/Hayduk
Beim Ausbau zum Referenzzentrum ist die Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal ein wichtiger Baustein.

Langfristig wird das GRC zum modernen nationalen Referenzzentrum für physische Rehabilitation erweitert, das umfassende und hochwertige Dienste durch qualifizierte und kompetente Experten anbietet.

Die veraltete Infrastruktur des Zentrums, insbesondere des Operationssaals sowie der schwierige Zugang zu orthopädischen Materialien, machen dieses Vorhaben zu einer großen Herausforderung. Um Qualität und Nachhaltigkeit zu sichern, wird das Projekt fachlich und administrativ von der CBM begleitet und ein enger Kontakt zum Gesundheitsministerium Ruandas gehalten.

Bauen – Ausstatten – Weiterbilden

Im Zuge der Baumaßnahmen entsteht ein neuer Gebäudetrakt mit zwei Operationssälen, die Platz für medizinische Geräte bieten. Zudem wird es eine neue Werkstatt für orthopädische Hilfsmittel geben und Räume für Physio- und Ergotherapie werden eingerichtet.

Ebenso wichtig ist auch die Aus- und Fortbildung des Personals. So erhalten Orthopädietechniker, Physio- und Ergotherapeuten Fachschulungen und ein Allgemeinmediziner wird in orthopädischer Chirurgie weitergebildet. Auch außerhalb von Gahini werden in verschiedenen Distriktkrankenhäusern sieben Allgemeinärzte geschult, wie sie Unfallverletzungen und Knocheninfektionen, die häufigste Ursache bleibender Körperbehinderungen, behandeln. Ergänzend soll Basisgesundheitspersonal auf Gemeindeebene ausgebildet werden, damit es körperliche Behinderungen diagnostizieren kann.

Anzahl körperlicher Behinderungen senken

Zwei afrikanische Mädchen im Rollstuhl bzw. mit Krücken © CBM/Hayduk
Behinderung überwinden oder lernen mit ihr zu leben - dabei hilft das CBM-geförderte Projekt.

Die Zahl der Operationen und Behandlungen wird sich durch den Ausbau des Projekts deutlich steigern. So erhalten noch mehr Patienten die Chance, ihre Behinderung zu überwinden oder sie lernen, wie sie besser mit ihr leben können. Bis Ende 2020 soll der Anteil körperlicher Behinderungen in der Zielregion um 1,5 Prozent gesenkt werden.

Große Ziele, die sich das Projekt auf seine Fahnen geschrieben hat. Mithilfe der Spenderinnen und Spender der CBM können sie gelingen.