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CBM (Christoffel-Blindenmission)

"Wir können etwas verändern!"

Dr. Piet Noë ist einer von 16 Augenärzten in Ruanda

Porträt eines Mannes
CBM-Augenarzt Dr. Piet Noë

Der Belgier Dr. Piet Noë arbeitet seit 2004 als Augenarzt für die Christoffel-Blindenmission (CBM). Nach Stationen in Uganda und Sierra Leone leitet er seit 2008 die CBM-geförderte Augenklinik in Kabgayi in Ruanda. Der 39-Jährige ist einer von zwei Augenärzten der Klinik und einer von nur 16 Ophthalmologen im ganzen Land.

An die Kabgayi-Augenklinik werden von überallher in Ruanda Patienten überwiesen. Auch aus den Nachbarländern Burundi, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo kommen Patienten. Am einem Tag stehen zwischen 20 und 30 Operationen auf dem Programm. Kompliziertere Eingriffe in der Netzhaut- und Glaskörperchirurgie dauern dabei bis zu zwei Stunden pro Patient. Bei mobilen Einsätzen in entlegenen Gebieten werden 30 bis 50 Katarakt-OPs pro Tag bewältigt.

CBM: Warum haben Sie sich entschlossen, Augenarzt zu werden?
Dr. Piet Noë: Als Student mochte ich die Kurse in Augenheilkunde. Sie beinhaltet klinische und chirurgische Arbeit, behandelt Kinder und Erwachsene. Mit einem einfachen Mikroskop lassen sich viele Augenkrankheiten diagnostizieren. Ich wusste schon früh, dass ich später als Arzt in einem Entwicklungsland arbeiten will. Also wählte ich eine medizinische Disziplin, die in diesen Ländern nützlich ist. 

Ein afrikanischer Mann reicht einem Arzt in weißem Kittel die Hand
Isidore (l.) ist glücklich, dass er nach einer Katarakt-OP in der Kabgayi-Augenklinik wieder sehen kann. Dr. Piet Noë hat ihn operiert – und freut sich mit ihm.

Was schätzen Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Ich kann blinde Menschen wieder sehend machen! Das ist einfach faszinierend. Es verändert so viel für jede Person in jedem Land, ob sie in der Lage ist zu sehen oder nicht. Aber in einem Entwicklungsland ist das Leben für die meisten Menschen ein Kampf ums Überleben. Und blinde Menschen dort haben besonders zu kämpfen.

Mit welchen Erkrankungen kommen die Patienten in die Augenklinik?
80 Prozent unserer Patienten leiden unter Allergien und haben daher juckende und entzündete Augen. Am zweithäufigsten kommen Katarakt-Patienten, gefolgt von Patienten mit Glaukom, Verletzungen oder Augentumoren. Der Anteil an Kindern ist sehr hoch, weil die Bevölkerung in Ruanda sehr jung ist.

Was gefällt Ihnen an Ruanda besonders?
Ich mag das Klima und die Menschen – sie sind sehr freundlich. Die Landschaft ist herrlich. Aber was mir am meisten Freude macht ist, dass unsere Arbeit einen positiven Einfluss auf das Leben der Menschen hat.

Und was am wenigsten?
Die Kluft zwischen sehr arm und sehr reich ist leider immer noch sehr groß. Wegen der Armut kommen viele Patienten zu spät ins Krankenhaus. Zum Beispiel behandeln wir Kinder mit Augenkrebs (Retinoblastom). Bei vielen dieser Kinder ist die Krebserkrankung in einem sehr fortgeschrittenen Stadium, so dass die Behandlung leider ihr Leben nicht mehr rettet. Kämen sie früher, würden mehr Kinder überleben.

Mann im weißen Kittel untersucht die Augen eines afrikansichen Kindes.
Dr. Noë untersucht die Augen von Domina. Sie hat Grauen Star.

Was war Ihr lustigstes Erlebnis mit einem Patienten?
Manche fangen nach der Abnahme des Augenverbands an zu tanzen. Einmal bekam ich ein sehr schönes Geschenk von einem glücklichen Patienten, der Schreiner ist. Er machte eine Skulptur. Sie zeigt mich bei der Operation seiner Augen – so wie er sich das vorstellte. Andere wollen gerne ein Foto, auf dem sie mit mir zu sehen sind.

Wer in Deutschland "Ruanda" hört, erinnert sich immer noch häufig an den Völkermord von 1994 oder Gewalt und Unruhen. Waren Sie schon einmal in einer gefährlichen Situation?
Ruanda ist ein sehr sicheres Land, ich war noch nie in einer gefährlichen Situation. Der Verkehr auf den Straßen kann gefährlich sein - wie in jedem Land. Aber glücklicherweise hatte ich noch nie einen Unfall.

Warum arbeiten Sie lieber für eine christliche Organisation in einem Entwicklungsland als in einer Augenarztpraxis in Belgien?
Ich arbeite aus einer christlichen Motivation heraus in einem Entwicklungsland. Mein Job in Ruanda ist sehr erfüllend: Ich kann sofort das Ergebnis meiner Arbeit sehen. Ich sehe, dass es hier viel Leid gibt und einen großen Bedarf an augenmedizinischer Hilfe. Bei Menschen, die zu den ärmsten der Welt gehören, können wir mit unserer Arbeit so viel verändern! Sie unterscheidet sich auch von der Augenarbeit in Europa: Ich operiere viel (an fünf bis sechs Tagen pro Woche) und bilde andere in Augenchirurgie aus. In Belgien ist das anders, wo die meisten Augenärzte gar nicht oder nur an wenigen Tagen operieren. Die Kabgayi-Augenklinik wächst und ist ein wichtiges Zentrum des Landes und der Region für die Heilung und Verhütung von Blindheit. Es ist befriedigend zu sehen, wie erfolgreich die Augenklinik ist.

Szene im Operationsaal
Mitarbeiter von Dr. Piet Noë bereiten die Graue-Star-Operation eines Kindes vor.

Was gefällt Ihnen am besten an der Zusammenarbeit mit einheimischen Mitarbeitern?
Die Augenklinik hat ein sehr engagiertes und motiviertes Team mit 50 ruandischen Kolleginnen und Kollegen. Ich bin der einzige Ausländer. Unsere Arbeit ist wirklich Teamarbeit. Ich operiere vor allem, aber so viele andere wichtige Jobs machen die anderen Mitglieder des Teams: Augenuntersuchungen, Brillen verschreiben, Brillen herstellen, Augentropfen geben. Nicht zu vergessen die Kollegen für die Verwaltung, Buchhaltung, Reinigung und Wäscherei, das Reparieren von Instrumenten, die Unterstützung im OP etc. Ich bewundere sie für ihren Einsatz für die Patienten. Sie kümmern sich wirklich um sie und sind mitfühlend. Aus früheren Erfahrungen in afrikanischen Krankenhäusern weiß ich, dass diese Haltung nicht selbstverständlich ist.

Vermissen Sie etwas aus der Heimat?
Ja, meine Familie und Freunde – zum Glück gibt es gibt Skype und Telefon! Einmal im Jahr besuche ich sie in Belgien. Ruanda ist mein Zuhause geworden.

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