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CBM (Christoffel-Blindenmission)

"Die Ärmsten trifft es besonders hart"

Viele Menschen sterben an vernachlässigten Tropenkrankheiten

Porträt eines Mannes
Prof. Dr. Martin Kollmann, Leiter der CBM-Fachberatergruppe NTDs (Kenia)

Neben bekannten Tropenkrankheiten wie Malaria und Tuberkulose gibt es eine Reihe weiterer Infektionen, unter denen vor allem Kinder und Erwachsene in Entwicklungsländern leiden. Mehr als eine Milliarde Menschen sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) von den sogenannten vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases, NTD) betroffen. Jährlich sterben eine halbe Million Menschen daran. Die meisten dieser Menschen leben von weniger als einem Dollar pro Tag.

Warum die Krankheiten bisher vernachlässigt wurden und was die Christoffel-Blindenmission (CBM) dagegen tut, erklärt Prof. Dr. Martin Kollmann. Der gebürtige Kasselaner arbeitet für die CBM in Nairobi (Kenia) als Leiter der CBM-Fachberatergruppe für vernachlässigte Tropenkrankheiten.

Was versteht man unter vernachlässigten Tropenkrankheiten?

Prof. Dr. Kollmann: Es handelt sich um 20 Erkrankungen der ärmsten und am meisten ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen. Häufig leben Betroffene in Kriegs- oder Krisengebieten. Sie verursachen Blindheit wie das Trachom oder die Flussblindheit (Onchozerkose), körperliche Behinderungen wie die Elefantiasis (Lymphatische Filariose) beeinträchtigen die körperliche und seelische Entwicklung von Kindern wie Bilharziose oder starker Wurmbefall. All dies verstärkt weiter die Armutsspirale betroffener Menschen, Familien und Gesellschaften.

Woher stammt der Begriff vernachlässigte Tropenkrankheiten?

Der Begriff unterstreicht zweierlei: Zum einen geht es um Krankheiten vernachlässigter oder vergessener Menschen. Zum anderen handelt es sich um vernachlässigte Krankheiten, denn bis vor Kurzem standen kaum Gelder zur Verfügung, um neue Medikamente zu entwickeln oder existierende Behandlungsmöglichkeiten erfolgreich überall umzusetzen.

In karger Landschaft sitzende afrikanische Frau, im Hintergrund Hütten und ein Kalb
Oft sind es gerade arme Menschen, die an den sogenannten "vernachlässigten Tropenkrankheiten" leiden - wie diese Frau in Kenia: sie hat Trachom, das zur Erblindung führen kann.

Wie bekämpfen Sie die Krankheiten?

Unsere Arbeit reicht von der Vorsorge über die Behandlung und Pflege Erkrankter bis zur Integration Betroffener in die Gesellschaft. Diese umfassende Hilfe, die den Einzelnen in jedem Stadium begleitet, und der inklusive Entwicklungsansatz – auch Disability Inclusive Development-Konzept genannt – unterscheiden uns von vielen anderen Organisationen. Dabei kann die CBM auf große Expertise und langjährige Erfahrung zurückgreifen.

Wie hängen die Krankheiten mit dem Teufelskreis von Armut und Behinderung zusammen?

Betroffen sind ja die Ärmsten der Armen. Weil die Erkrankungen ihre physische, intellektuelle und sozio-ökonomische Entwicklung beeinträchtigen, verarmen sie weiter. Sie trifft es besonders hart. Ihre viel zu geringen Mittel reichen nicht für die medizinische Hilfe, die sie aus diesem Teufelskreis befreien könnte.

Zwei Tabletten auf einer Handinnenfläche, die andere Hand hält einen Emaille-Becher
Gegen die Flussblindheit hilft das Medikament Mectizan, das die CBM in betroffenen Gebieten verteilt.

Gibt es Beispiele für besonders erfolgreiche Programme?

Was die Flussblindheit betrifft, unterstützt die CBM seit 1991 sehr erfolgreich die jährliche Behandlung der Betroffenen mit Mectizan. Dieses Medikament stellt die Firma MSD Sharp & Dohme kostenlos zur Verfügung. Verteilt wird es von einheimischen Mitarbeitern, die in Projekten der CBM unterstützt und ausgebildet werden. 2015 ermöglichte die CBM rund 28 Millionen Behandlungen weltweit, zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo, in Nigeria und in Burundi. Im Südsudan und in der Zentralafrikanischen Republik haben die andauernden Konflikte die Arbeit letztes Jahr zum Teil extrem erschwert oder in Teilen gar unterbrochen. In Burundi ist die CBM seit vielen Jahren die einzige Nichtregierungsorganisation, die als Partner das nationale Flussblindheit-Programm unterstützt. Hier wird zurzeit von der Weltgesundheitsorganisation überprüft, ob die Flussblindheit noch übertragen wird oder der gemeinsame Sieg über diese Geißel in den nächsten ein bis zwei Jahren vermeldet werden kann.

SAFE rettet Augen

SAFE steht für vier Maßnahmen, die im Kampf gegen Trachom dazu beitragen, das Augenlicht von Millionen Menschen zu erhalten. 

S = surgery
Eine Operation bewahrt die Augen vor dem Erblinden.

A = antibiotics
Die Einnahme von Antibiotika stoppt die Trachom-Infektion.

F = face washing
Aufklärung über bessere Hygiene hilft, die Infektion einzudämmen.

E = environmental improvement
Mit dem Bau von Toiletten, Brunnen und Waschplätzen mit sauberem Wasser sinkt das Risiko für die Verbreitung von Trachom.

... und bei Trachom?

Bei der Augenkrankheit Trachom unterstützt die CBM die SAFE-Strategie (surgery - antibiotics - face washing - environmental improvement) der WHO mit ihrer Expertise vor allem in der Trachom-Chirurgie und der Antibiotika-Behandlung. Wichtig ist uns neben der Behandlung infizierter Menschen besonders, die weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Das geschieht neben der Verteilung von Antibiotika an betroffene Gemeinden vor allem durch die Aufklärung der Bevölkerung, Brunnenbau oder die Verbesserung sanitärer Anlagen.

Schwerpunkte unserer Trachomarbeit liegen derzeit in Äthiopien, Nigeria, Uganda und Tschad. 2016 ermöglichte die CBM mehr als vier Millionen Antibiotika-Behandlungen gegen Trachom. Die enge Zusammenarbeit mit Betroffenen, Regierungen, der WHO und Entwicklungspartnern ist eine wesentliche Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg.


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