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CBM (Christoffel-Blindenmission)

30 Euro – und ein Kind kann gehen

Interview mit Stefan Dofel, CBM-Regionaldirektor für Lateinamerika

Mann und eine Frau stehen unter einem Baum, im Hintergrund spielende Kinder
Stefan Dofel und Delia Mwale, Mitarbeiterin in der gemeindenahen Rehabilitation, bei einem Einsatz im Ntcheu-Distrikt in Malawi.

Seit 2005 arbeitet Stefan Dofel für die Christoffel-Blindenmission (CBM). Der studierte Politikwissenschaftler wusste schon zu Schulzeiten, dass er in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sein will. Seine Stationen bei der CBM waren neben Bensheim in Deutschland Kenia, die Philippinen, Ruanda und ab 2008 Malawi. Dort baute er das gemeindenahe Rehabilitationsprogramm des Malawischen Rats für Menschen mit Behinderung (MACOHA) aus. Bis Sommer 2014 war Stefan Dofel CBM-Landesrepräsentant in Malawi, bevor er in Lateinamerika als Regionalbeauftragter neue Aufgaben übernommen hat.

Was waren die größten Meilensteine während Ihrer Arbeit in Malawi?
 
Stefan Dofel: Die größte Herausforderung war, dass MACOHA neben der medizinischen Arbeit auch Bildung, Ausbildung und Existenzgründungen für Menschen mit Behinderungen in seine Arbeit aufnimmt. Wichtig war uns dabei immer der partizipatorische Ansatz in der Zusammenarbeit mit dem Projektpartner: Es hat vier Jahre gedauert, bis auf beiden Seiten das Verständnis für gleichberechtigte Entwicklungspartnerschaft gewachsen ist. Aber jetzt ist es toll zu sehen, wie auch auf Partnerseite über die Jahre Mitarbeiter zu kompetenten Experten wurden. Die Dienstleistungen der Projekte sind extrem wirkungsorientiert. Das Nkhoma-Augenkrankenhaus ist zum Beispiel eines der wichtigsten im Land: 60 Prozent aller Katarakt-Operationen finden dort statt.

Was sind die Herausforderungen, die bleiben werden?

Ein großes Thema ist nach wie vor die Organisationsentwicklung der Partner: Wir brauchen noch einen langen Atem, bis diese sich selbst nachhaltig strukturieren, MACOHA hat zum Beispiel rund 400 Mitarbeiter.

Gibt es positive Erlebnisse, die Ihnen in Erinnerung bleiben werden?

Ich habe seit 2010 versucht, MACOHA in die Regierungsarbeit zu integrieren, um Inklusion zu gewährleisten, und da haben wir eine weite Wegstrecke zurückgelegt – unsere Mitarbeiterin Delia ist hier nur ein Beispiel: Sie vertritt MACOHA in einem Regierungsgremium auf Gemeindeebene und kann dort effektiv für die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen sorgen. Positiv war auch zu sehen, wie sich Mütter und Großmütter mit Hingabe und Liebe der kleinen Kinder annehmen, die mit einer massiven Behinderung geboren werden, und das in Gebieten, die oft von schreiender Armut geprägt sind. Anders sieht das leider bei den Vätern aus: Sobald die Kinder eine Behinderung haben, sind die oft weg.

Was werden Sie am meisten an Malawi vermissen?
 
Die Menschen hier sind unheimlich freundlich und nett. Natürlich werde ich auch die Partner vermissen: Mit meinen Kollegen Tamara und Bernard arbeite ich so lange zusammen, ich schätze sie sehr. Auch die die unberührte Natur wird mir fehlen.
 
Worauf freuen Sie sich in Ecuador?
 
Es bedeutet für mich auf jeden Fall eine Bereicherung, einen neuen Kulturraum zu erschließen. Und auf Meeresfrüchte freue ich mich! Die gibt es hier nicht und auch nicht die notwendigen Kühlketten ...

Was würden Sie einem Spender antworten, der wissen will, was seine Spende bewirkt?

Die Spende bewirkt hier viel! Wir sind als Organisation sehr schlank aufgestellt und dadurch auch effizient mit Geldern und Feldstrukturen. Wenn ich schaue, wie viel Geld wir zur Verfügung haben und was wir alles damit machen – das ist sehr beeindruckend! Z.B. reichen 30 Euro im Monat, um ein körperbehindertes Kind mit regelmäßigen Besuchen in seiner Entwicklung zu fördern und seine Familie in aktivierenden Übungen zu schulen, damit es nicht sein Leben lang bewegungsunfähig bleibt, sondern sitzen, stehen oder sogar gehen lernt.

Wie würden Sie Ihre Arbeit in der Entwicklungszusammenarbeit beschreiben?

Ich kann mir keine Tätigkeit vorstellen, die mir mehr Spaß machen würde, die mit so viel Abwechslung verbunden ist und die mich so schnell von ihrer Sinnhaftigkeit überzeugen würde.

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