1,5 Milliarden Menschen brauchen Hilfe

Welttag gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten: Christoffel-Blindenmission verteilt Arznei an rund 49 Millionen Betroffene

Sechs Personen stehen eng zusammen. Im Hintergrunf ist eine Hütte zu sehen. © CBM
Die CBM operiert die Äthiopierin Asgedech Tegne (55) wegen ihres fortgeschrittenen Trachoms und verhindert so, dass die Großmutter dauerhaft erblindet. Auch ihre fünf Enkel zwischen sechs und zwölf Jahren haben bereits Trachom und werden mit Salbe behandelt.

Bensheim, 23. Januar 2020. Weltweit sind mehr als 1,5 Milliarden Menschen von den sogenannten vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases, kurz NTDs) betroffen. Die meisten dieser Menschen leben von weniger als einem US-Dollar pro Tag. Sie alle brauchen Medikamente und ärztliche Behandlung. Zum heutigen Welttag gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (30.1.) erinnert die Christoffel-Blindenmission (CBM) an diese vergessenen Infektionen und die Betroffenen. CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus: "Vergessen werden zum einen die Krankheiten, weil sie schlichtweg bei uns kaum vorkommen. Dengue-Fieber zählt dabei noch zu den bekannteren. Andere wie Trachom oder Flussblindheit hingegen finden wenig Beachtung. Trotzdem sind sie ein großes Problem in Entwicklungsländern. Um das zu ändern, weiten wir unseren Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten aus.“

Die Infektionen werden häufig durch Armut verursacht. Sie sind deshalb die Krankheiten vernachlässigter Menschen, die oft ohne Wasser und sanitäre Anlagen leben. Viele können sich keine medizinische Versorgung leisten und wissen nicht, was ihr Leiden auslöst. Gleichzeitig gibt es auch nur wenige Gelder, um neue Medikamente zu entwickeln oder Betroffene zu behandeln.

Zum Download: Themenpaket "Vernachlässigte Tropenkrankheiten"

CBM geht die Extrameile im Kampf gegen NTDs

Die CBM kämpft seit Jahren aktiv gegen NTDs – in neun Ländern hilft sie mit vielfältigen, umfangreichen Programmen: Fast 30 Millionen Menschen erhielten 2018 in CBM-Projekten Medikamente zur Vorbeugung und Heilung von Trachom und Flussblindheit. Beide Krankheiten können unbehandelt die Betroffenen erblinden lassen. Insgesamt verteilte die CBM sogar Arznei an rund 49 Millionen Menschen, die von verschiedenen NTDs bedroht oder betroffen sind. In der Demokratischen Republik Kongo etwa gehen von der CBM ausgebildete Ehrenamtliche auch in die entlegensten Winkel des Landes und verteilen die notwendigen Medikamente. Im Südsudan hat die CBM 2019 ihre Arbeit ausgeweitet und verteilt nun in insgesamt 18 Bezirken Medikamente gegen Flussblindheit – zwölf mehr als im Jahr zuvor.

"Bei den Medikamentenverteilungen ist aber noch lange nicht Schluss“, erklärt Brockhaus. "Wir sorgen für bessere Hygienestandards, indem wir zum Beispiel in Äthiopien Brunnen und Toiletten bauen, um die Übertragung von Trachom einzudämmen. Außerdem bilden wir medizinisches Personal aus.“ All das stärkt gleichzeitig das Gesundheitssystem der betroffenen Länder. Nur so kann sich dauerhaft etwas verändern für die Menschen vor Ort. Im vergangenen Jahr hat die CBM die Bekämpfung von NTDs mit mehr als 6 Millionen Euro unterstützt.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 525 Projekte in 55 Ländern.