Frauen sitzen in einem Hof © CBM/Bedari

Welttag gegen Gewalt an Frauen: Das Schweigen brechen

Die CBM stärkt die Rechte von Frauen mit Behinderungen in Pakistan

Ein Frau lächelt in die Kamera © CBM
Anbreen Ajaib ist eine pakistanische Frauenrechtsaktivistin. Als Direktorin der CBM-Partnerorganisation Bedari macht sie sich für die Rechte von Frauen in Pakistan stark.

Bensheim, 19. November 2020. "Wenn Frauen in Pakistan von ihren Ehemännern geschlagen werden, stellt sich die Gesellschaft meist hinter den Mann", sagt Anbreen Ajaib. Die 44-Jährige weiß, wovon sie spricht: Sie kennt unzählige Frauen in ihrem Land, denen es so ergangen ist. Schon seit vielen Jahren kämpft Anbreen Ajaib deshalb als Direktorin der lokalen Hilfsorganisation Bedari für das große Ziel, Gewalt gegen Frauen zu beenden. Doch in dem nach wie vor stark patriarchalisch geprägten Land wagen es die meisten von ihnen nicht, diese Gewalt zu melden. Zu groß ist die Abhängigkeit von den Tätern, zu sehr wurden sie erzogen, sich unterzuordnen. Viele der Betroffenen sehen keinen Ausweg. Das will ein Projekt ändern, das von UN Women unterstützt und von der Christoffel-Blindenmission (CBM) gemeinsam mit Bedari umgesetzt wird.

Frauen mit Behinderungen können sich häufig nicht wehren

Zum Welttag gegen Gewalt an Frauen (25. November) macht die CBM besonders auf die Situation von Frauen mit Behinderungen aufmerksam. Sie haben ein erhöhtes Risiko, Opfer von Gewalt zu werden. "Diese Frauen sind besonders gefährdet, weil sie meist von der Hilfe anderer abhängig sind", sagt Anbreen Ajaib. Das schafft  unfreiwillige Nähe und reduziert die Hemmschwelle potenzieller Täter, das Vertrauensverhältnis auszunutzen. Gleichzeitig macht das Angewiesensein auf Hilfe viele diese Frauen handlungsunfähig. Häufig können sie sich auch aus anderen Gründen nicht gegen Übergriffe wehren: etwa weil sie blind sind und den Täter nicht sehen oder gehörlos sind und sich sprachlich nicht so einfach anderen mitteilen können. "Auch Mädchen und Frauen mit intellektuellen Behinderungen werden immer wieder Opfer sexueller Gewalt", berichtet Anbreen Ajaib. "Die Leute glauben, dass diese Behinderung ihr Denken und Fühlen einschränkt, sodass Missbrauch deshalb weniger schwer wiegt." 

Auch die Männer ins Boot holen

Umso wichtiger ist es, die Gesellschaft zu sensibilisieren - und dabei auch gezielt Jungen und Männer ins Boot zu holen: "Wir machen ihnen klar: Männlichkeit bedeutet nicht, Frauen zu schlagen, sondern dagegen aufzustehen", sagt Anbreen Ajaib. Nur so ist es möglich, Verhaltensmuster nachhaltig zu ändern. Um die Frauen in Pakistan zu erreichen und über ihre Rechte aufzuklären, müssen Anbreen Ajaib und ihre Mitarbeiterinnen sehr behutsam vorgehen. Sie suchen das Gespräch mit den Frauen zuhause und vermitteln im Notfall den Kontakt zu Frauenhäusern. Sie tauchen tief ein in die Dorfgemeinschaft. Denn nur so können sie das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen - das dauert oft Monate. Dazu gehen sie auch auf Märkte oder begleiten die Menschen bei ihrer Arbeit auf dem Feld. Sie leisten Aufklärung an Schulen und Lobbyarbeit bei den lokalen Behörden. So setzen sie sich auch dafür ein, dass die Polizei gezielt gegen solche Gewaltverbrechen vorgeht. Ganz entscheidend aber ist, die betroffenen Frauen selbst zu stärken. Viele von ihnen lernen in dem Projekt, sich in Selbsthilfegruppen zu organisieren. Für Anbreen Ajaib ist es immer wieder beeindruckend zu sehen, wie gerade Frauen mit Behinderungen davon profitieren: "Nichts stärkt ihr Selbstvertrauen mehr, als wenn sie feststellen, dass sie selber etwas bewegen können."

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 540 Projekte in 51 Ländern.