Ein Truck fährt auf einer unbefestigten Strasse, umgeben von Buschland. © CBM

Weltgesundheitstag: Augenarzt-Praxis auf vier Rädern

Christoffel-Blindenmission versorgt Menschen in abgelegenen Regionen

Zwei Personen sitzen an einem Tisch. Zwischen beiden eine Spaltlampe, um Augen zu untersuchen. © CBM
Baker Kasirye (l.) untersucht die 15-jährige Nancy, die auf einem Auge wie durch Nebel sieht. Sie hat Grauen Star.

Bensheim, 31. März 2021. Der Motor des kleinen Lastwagens brummt und rot-brauner Schlamm spritzt, als die Räder durch Pfützen fahren. Ein alltägliches Bild auf den unbefestigten Straßen im Norden Ugandas. Und doch: Das Fahrzeug erregt Aufsehen in den kleinen Dörfern. "Mobile Eye Clinic", übersetzt mobile Augenklinik, steht in großen Buchstaben auf den Seiten des Lastwagens. Und genau das ist der LKW: eine Praxis auf vier Rädern. Finanziert wurde das Fahrzeug von der Christoffel-Blindenmission (CBM). Es ermöglicht dem Team des Mengo-Krankenhauses qualitativ hochwertige Außeneinsätze für Menschen, für die ein Augenarztbesuch sonst unerreichbar ist. Denn Gesundheit ist ein Menschenrecht und muss für alle gleichermaßen zugänglich sein, ganz gleich wo die Menschen leben und ob sie arm sind oder reich. Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, dass das noch lange keine Realität ist. Die CBM mahnt zum Weltgesundheitstag (7. April): Das ist ungerecht und vermeidbar. Die CBM und ihr Partner, das Mengo-Krankenhaus, zeigen mit der mobilen Augenklinik, wie Gesundheit alle erreichen kann – überall, auch wenn der nächste Augenarzt viele hundert Kilometer entfernt ist.

Eine Ladung Gesundheit

Antrieb des Außeneinsatzes ist der Augenkrankenpfleger Baker Kasirye. Der langjährige Mitarbeiter des Augenkrankenhauses in der Hauptstadt Kampala weiß: "Je weiter weg die Menschen von Großstädten leben, desto eher brauchen sie Hilfe, die zu ihnen kommt." Allein 800 Menschen untersucht das Team in Pakwach, dem Ziel des Lastwagens. Pakwach, 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kampala, gilt als augenmedizinisches Niemandsland. Voll beladen ist der LKW mit Gesundheit: An Bord sind speziell ausgebildete Augenkrankenpfleger, ein Optiker und hochwertige Geräte für Untersuchungen und kleinere Eingriffe – wie in einer richtigen Augenarztpraxis. Das Team gibt Medikamente aus, verabreicht Augentropfen, passt Brillen an und entfernt Splitter. Es überweist Frauen, Männer und Kinder in die Klinik in der Hauptstadt, so wie Nancy.

Weg in die Zukunft geebnet

Baker Kasirye untersucht die 15-Jährige, die auf einem Auge wie durch Nebel sieht. Die Folge? Die einst Zweitbeste ihrer Klasse kann heute dem Unterricht kaum mehr folgen. Der erfahrene Fach-Krankenpfleger erkennt sofort, dass Grauer Star dem Mädchen die Sicht trübt. Sie muss ins Augenkrankenhaus nach Kampala kommen. Zwar dauert es nicht lange, die trübe Linse durch eine künstliche zu ersetzen, aber es braucht eine sterile Umgebung. Das kann der Lastwagen nicht bieten. Das Geld für das Busticket nach Kampala bekommt Nancy vom CBM-Partner. Schon einen Tag nach dem Eingriff ruft sie ihre Mutter an, die bei ihren anderen Kindern bleiben musste: "Mama, ich kann sehen! Der weiße Fleck ist weg! Ich bin so froh!"

Dank des neuen Lastwagens ist das Team des Mengo-Krankenhauses flexibler und besser ausgestattet bei seinen Außeneinsätzen. So erreicht es auch in Zeiten der Pandemie Menschen in den abgelegensten Winkeln des Landes. Über die eingebauten Lautsprecher werden sie immer wieder daran erinnert, Abstand zu halten, Maske zu tragen und sich die Hände zu waschen. An zwölf verschiedenen Orten werden die Lautsprecher in diesem Jahr ertönen. Denn zwölf Mal startet das Team des Mengo-Krankenhauses den Motor und transportiert – volle Fahrt voraus – Augengesundheit in ländliche Gebiete.

Audiobeitrag

Ein Mann steht vor einem LKW mit der Aufschrift "Mengo Hospital - Mobile Clinic" © CBM
Tobias Pflanz

CBM-Mitarbeiter Tobias Pflanz war im November bei einem Außeneinsatz des Mengo-Krankenhauses in Uganda dabei.

Im Audiobeitrag berichtet er, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf das Leben der Menschen und auf die Arbeit der Augenklinik hat.

0:00 0:00 100
Transkript öffnen Transkript schließen

Tobias Pflanz hat viele Jahre für die Christoffel-Blindenmission in Uganda gearbeitet. Im November – mitten in der Corona-Pandemie – war er wieder dort:

Tobias Pflanz: "Die Krise hat die Armut sehr befördert: Preise für Lebensmittel sind gestiegen, Bustickets haben sich verdoppelt. Da gingen auch in unseren CBM-Partnerkliniken die Patientenzahlen stark zurück und unsere Antwort darauf war: Zu den Menschen müssen wir hin."

Er war bei einem Außeneinsatz der Augenklinik dabei. 400 Kilometer von der Hauptstadt entfernt.

Tobias Pflanz: "800 Leute warteten da schon auf das Augenteam. Die Leute hatten über das Radio davon erfahren und wir erfuhren auch, dass in dieser Gegend schon sehr, sehr lange, über 10 Jahre kein Augenarzt mehr permanent tätig war, kein Optiker, da ist der Bedarf natürlich riesig."

Neu bei dem Einsatz: das Transportmittel des Teams – ein LKW, der gleichzeitig Behandlungszimmer ist:

Tobias Pflanz: "Der Wagen bietet Platz für das vertrauliche Patientengespräch, es gibt auch einen kleinen Behandlungsraum, wo kleinere Eingriffe unternommen werden können. Da gibt es ein Lautsprechersystem draußen, das die Gesundheitsaufklärung von Menschengruppen erleichtert und ein Stromgenerator, der auch die Arbeit an abgelegenen Orten ermöglicht."

Solche Einsätze können ein Leben verändern, wie das der 15-jährigen Nancy:

Tobias Pflanz: "Sie hatte Grauen Star, konnte nur noch schlecht sehen und kam deshalb auch in der Schule immer weniger mit. Dann bekam sie in unserem Augenhospital eine Operation, kann jetzt wieder sehen, kann zur Schule gehen und das Lächeln dieses Mädchens, das war einfach großartig."

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 540 Projekte in 51 Ländern.