Afrikanischer Junge steht an der Tafel vor seiner Klasse. © CBM

Endlich zur Schule gehen!

CBM fordert zum Welttag der Bildung gleiche Chancen für alle

Bensheim, 18. Januar 2022. Bildung ist ein Menschenrecht, das für alle gilt. Doch die Realität sieht anders aus. Vor allem in den ärmsten Ländern der Welt: Dort sind Kinder mit Behinderungen häufig vom Schulbesuch ausgeschlossen. Darauf macht die Christoffel-Blindenmission (CBM) zum Welttag der Bildung am 24. Januar aufmerksam. Damit haben diese Kinder kaum eine Chance, der Armut zu entkommen. So ging es auch dem 13-jährigen gehörlosen Princio aus Madagaskar. Doch seit er eine von der CBM geförderte Schule für gehörlose Kinder besucht, blüht er richtig auf.

Lebhaft gestikulierend steht der 13-jährige Princio aus Madagaskar vor der Klasse und bringt seine Mitschülerinnen und Mitschüler zum Lachen. Was sie so amüsiert: die Geschichte, die er ihnen mit den Händen erzählt. Sie handelt von einem faulen Jungen, der seinen Eltern nicht helfen wollte. Hier in der Klasse verstehen sie sich auch ohne gesprochene Worte. Dafür verständigen sie sich in Gebärdensprache. Denn so wie die anderen hier in der Klasse ist Princio gehörlos. Er genießt es, sich endlich in seiner Sprache mitteilen zu können. Und er genießt es, zur Schule zu gehen. Das war ihm lange Zeit verwehrt.

Kinder mit Behinderungen werden oft versteckt

Princio war zwei Jahre alt, als er plötzlich hohes Fieber bekam. Kurz darauf bemerkte seine Mutter, dass ihr Sohn nichts mehr hörte. Die alleinerziehende Frau, die mit ihrem Sohn in einer ärmlichen Gegend Madagaskars lebt, fühlte sich im Stich gelassen: Kein Kindergarten, keine Schule war bereit, den Jungen aufzunehmen. "Es ist zwecklos" – diesen Satz bekam die Mutter immer wieder zu hören. Princio ist jedoch kein Einzelfall: "In einem Land wie Madagaskar haben Kinder wie Princio oft keine Chance auf Bildung", sagt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. "Behinderung gilt dort häufig noch als Fluch. Viele dieser Kinder werden ausgegrenzt. Manchmal werden sie aus Scham auch von ihren Eltern versteckt", so Brockhaus. "Oft sind sie dann schon sehr alt, wenn sie eine Schule besuchen."

Mehr als nur Lesen und Schreiben

Die CBM setzt sich daher in ihren Projekten dafür ein, dass Kinder mit Behinderungen zur Schule gehen können und gefördert werden. "Bildung ist ein Menschenrecht und die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Deshalb muss Bildung für alle zugänglich sein", fordert Brockhaus. "Es geht nicht nur darum, lesen und schreiben zu lernen, sondern auch dazuzugehören. Denn ohne Bildung kann ein Kind wie Princio nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben."

Acht Jahre auf die richtige Schule gewartet

Immer nur zu Hause zu sein, langweilte auch Princio zunehmend. Irgendwann begann er von sich aus, ständig nach der Schule zu fragen. Sehr erleichtert waren daher alle, als er die von der CBM geförderte "Semato-Schule für gehörlose Kinder" besuchen konnte. 60 gehörlose Kinder werden hier von 15 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Die Kinder erhalten auch berufsvorbereitende Kurse. Das erleichtert ihnen den Einstieg ins Arbeitsleben. Acht Jahre hat Princio auf die richtige Schule warten müssen. Princios Mutter ist glücklich, dass er endlich gefördert wird: "Er ist so viel selbstständiger geworden", stellt sie fest. Sie ist überzeugt, dass er nun seinen Weg gehen wird.

Über die CBM

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit mehr als 110 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im vergangenen Jahr förderte die CBM 460 Projekte in 48 Ländern.