Zehn Meter lang blind

Neue Einsichten mit Schulaktion im Rahmen der Woche des Sehens

Ein Junge steht neben einer Stange in einem Raum. In der rechten Hand hält er einen Taststock und mit der linken Hand hebt er eine Graue-Star-Simulationsbrille von seinen Augen nach oben. © CBM
"Blind" durch einen Hindernisparcours zu gehen ist eine völlig neue Erfahrung.

Ravensburg, 6. Oktober 2021. Unter dem Motto "Neue Einsichten – neue Aussichten" macht das Erlebnismobil der Christoffel-Blindenmission (CBM) an der Humpis-Schule Ravensburg Station. Am Dienstag, 12. Oktober können die Schülerinnen und Schüler erleben, was es heißt, nahezu blind zu sein.

Ausgestattet mit der Simulationsbrille und einem Langstock gehen die Schüler blind durch einen kurzen Hindernisparcours. Für einige Minuten müssen sie sich ganz auf ihren Tast- und Hörsinn verlassen. Schon eine Mülltonne oder eine Treppenstufe sind dadurch in dem zehn Meter langen Gang eine echte Herausforderung. Die Jugendlichen erleben die Welt aus der Perspektive sehbehinderter Menschen. Sie nehmen den Wechsel des Bodenbelags bewusster wahr und lassen sich von Geräuschen leiten.

Offene Einblicke in den Alltag eines blinden Menschen

"Schaut mit den Ohren" – diesen Tipp gibt der externe CBM-Mitarbeiter Dirk Graf-Frömke, selbst vor 27 Jahren erblindet, wenn er Interessierten den Umgang mit dem Taststock erklärt. In Ravensburg hat er seinen Blindenführhund "Herr Lasse" dabei und erzählt den Jugendlichen zunächst, wie der Hund ausgebildet wurde. Gleichzeitig spricht Dirk Graf-Frömke offen über seine Erblindung und die Herausforderungen, denen er sich immer wieder im Alltag stellen muss. Er beantwortet auch persönliche Fragen der Jugendlichen. Ihm ist es wichtig zu zeigen, dass Menschen mit Sehbehinderungen ein eigenständiges Leben führen, aber auch vor Schwierigkeiten stehen, die einem Sehenden nicht sofort bewusst sind.

Zusätzlich können die Schülerinnen und Schüler etwas über die Braille-Blindenschrift lernen. Weitere Hilfsmittel wie eine Brille, die die Speisekarte vorlesen kann oder ein Produktscanner, der beim Einkaufen die Produkte vorliest, lernen die Schulklassen kennen.

Bundesweite Aktionswoche im Oktober

Die Woche des Sehens findet vom 8. bis 15. Oktober statt. Schirmherrin ist die Fernsehjournalistin Gundula Gause. Die Partner und Veranstalter der Aufklärungskampagne machen bundesweit mit vielfältigen Aktionen auf die Bedeutung guten Sehvermögens, die Ursachen vermeidbarer Blindheit sowie die Situation blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland und in den Entwicklungsländern aufmerksam.

Getragen wird die Woche des Sehens von der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der Augenärzte Deutschlands, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf sowie der PRO RETINA Deutschland. Unterstützt wird sie zudem von Aktion Mensch und ZEISS. Mehr unter www.woche-des-sehens.de

Über die CBM

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit mehr als 110 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im vergangenen Jahr förderte die CBM 460 Projekte in 48 Ländern.

Weitere Termine:

Mittwoch, 13. Oktober in Riedlingen, Joseph-Christian-Gemeinschaftsschule, Kirchstraße 16
Donnerstag, 14. Oktober in Esslingen, Herderschule, Hindenburgstraße 177
Freitag, 15. Oktober in Waghäusel, Gemeinschaftsschule Waghäusel, Schulstraße 5