Blindheit selbst erleben

Die CBM kommt mit Erlebnismobil an Schulen in Franken

Ein Junge steht neben einer Stange in einem Raum. In der rechten Hand hält er einen Taststock und mit der linken Hand hebt er eine Graue-Star-Simulationsbrille von seinen Augen nach oben. © CBM
Ob das Schauen mit den Ohren funktioniert? – Der Gang durch den Hindernisparcours mit Taststock und Grauer-Star-Brille ist eine spannende Angelegenheit.

Bensheim, 4. Juli 2019. Wer zum ersten Mal eine Brille aufsetzt, die den Grauen Star simuliert, wird automatisch unsicher. Plötzlich ist alles nur noch hell oder dunkel, ansonsten ist man nahezu blind – für viele Menschen eine völlig neue Erfahrung. Die Schülerinnen und Schüler an vier Schulen in Franken lassen sich darauf ein: im Erlebnismobil der Christoffel-Blindenmission (CBM) an ihrer Schule.

Ausgestattet mit der Simulationsbrille und einem Langstock gehen die Schüler blind durch einen kurzen Hindernisparcours. Für einige Minuten müssen sie sich ganz auf ihren Tast- und Hörsinn verlassen. Schon eine Mülltonne oder eine Treppenstufe sind dadurch in dem zehn Meter langen Gang eine echte Herausforderung. Die Kinder und Jugendlichen erleben die Welt aus der Perspektive blinder Menschen. Sie nehmen den Wechsel des Bodenbelags bewusster wahr und lassen sich von Geräuschen leiten.

Offene Einblicke in den Alltag eines blinden Menschen

„Schaut mit den Ohren“ – diesen Tipp gibt der externe CBM-Mitarbeiter Dirk Graf-Frömke, selbst vor 24 Jahren erblindet, wenn er Interessierten den Umgang mit dem Taststock erklärt. In Bad Mergenthal, Schweinfurt, Erlenbach am Main und Aschaffenburg hat er seinen Blindenführhund „Herr Lasse“ dabei und erzählt den Kindern zunächst, wie der Hund ausgebildet wurde. Gleichzeitig spricht Dirk Graf-Frömke offen über seine Erblindung und die Herausforderungen, denen er sich immer wieder im Alltag stellen muss. Er beantwortet auch persönliche Fragen der Kinder. Ihm ist es wichtig zu zeigen, dass Menschen mit Sehbehinderungen ein eigenständiges Leben führen, aber auch vor Schwierigkeiten stehen, die einem Sehenden nicht sofort bewusst sind.

Zusätzlich können die Schülerinnen und Schüler etwas über die Braille-Blindenschrift lernen. Weitere Hilfsmittel wie eine Brille, die die Speisekarte vorlesen kann oder ein Produktscanner, der beim Einkaufen die Produkte vorliest, lernen die Schulklassen kennen. Ein Film gibt ihnen Einblicke in die weltweite Arbeit der CBM und in die Situation für Menschen mit Behinderungen in den sogenannten Entwicklungsländern.

Termine und Schulen

16. Juli, 7.45 bis 12.50 Uhr, Eduard-Mörike-Schule und Lorenz-Fries-Schule in Bad Mergentheim
17. Juli, 7.55 bis 12.55 Uhr, Schiller-Grundschule in Schweinfurt
18. Juli, 8 bis 14.30 Uhr, Dr.-Vits-Grundschule in Erlenbach am Main
19. Juli, 7.50 bis 12.50 Uhr, Karl-Theodor-von-Dalberg-Gymnasium in Aschaffenburg

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 525 Projekte in 55 Ländern.