Regen auf Rädern

Drei Schüler aus Ruhla gewinnen Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Eine Regentonne auf Rollen mit einem Griff © Karsten Grassow
Die fahrbare Regentonne spart nicht nur Kraft und Wasser, sondern auch Zeit bei der Gartenarbeit. Für diese Erfindung gewinnen drei Schüler aus Ruhla/Thüringen den CBM-Sonderpreis.

Bensheim/Ruhla, 23. August 2021. Die schwere, schwappende Gießkanne zwischen Regenfass und Pflanzen hin und her zu schleppen, zählt nicht gerade zu den Freuden der Gartenarbeit. Für Kinder, ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen wird das schnell zu viel. Damit dennoch keiner die schönen, ertragreichen Seiten des Gärtnerns missen muss, entwickeln André Grassow (13), Janne Haberer (13) und Yannik Sauer (14) eine fahrbare Regentonne. Für diese Erfindung erhalten die drei Jungforscher des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Ruhla den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) "Innovationen für Menschen mit Behinderungen". Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Thüringen der Stiftung "Jugend forscht" in der Alterskategorie "Schüler experimentieren" verliehen.

Ihr Ziel ist es Kraft und Wasser zu sparen beim Gießen. In einem Experiment vergleichen die Tüftler die Transportzeit der fahrbaren 30-Liter-Regentonne mit der einer 10-Liter-Gießkanne. Das Fass lässt sich in durchschnittlich 50 Sekunden über die 35 Meter lange Teststrecke befördern. Der Träger der Gießkanne benötigt für die gleiche Strecke zwar nur 40 Sekunden, er muss sie aber dreimal zurücklegen, um die gleiche Menge Wasser zum Beet zu bringen. Damit ist er am Ende langsamer und er verliert auch noch Wasser. Knapp zwei Liter schwappen aus der Gießkanne. Das Regenfass hingegen bleibt dicht, bis der Hahn mit Schlauchaufsatz aufgedreht wird. Damit zeigen die Schüler, dass ihre Erfindung nicht nur Kraft und Wasser, sondern auch Zeit bei der Gartenarbeit spart.

Problemlos über Stock und Stein

Das Fässchen selbst ist etwa einen halben Meter hoch und ist mit einem Aluminiumgriff ähnlich wie ein Rollkoffer zu ziehen. Vollgefüllt wiegt es 39 Kilogramm. Mit Treppensteigrädern ausgestattet, ist das Regenfass auf Rädern auch für Hanglagen geeignet. Somit ist die fahrbare Regentonne zum Einsatz in der Landwirtschaft oder in unwegsamem Gelände denkbar.

CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus gratuliert den drei Tüftlern: "André, Janne und Yannik haben mit ihrer Arbeit eine einfache und überzeugende Lösung gefunden, Wasser zu sparen und Teilhabe zu ermöglichen." Bei der Arbeit der CBM für Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Regionen der Welt spielt der Zugang zu Wasser für alle eine wichtige Rolle. In Entwicklungsländern müssen viele Menschen eine Menge Zeit mit Wassertragen verbringen. Und wer dazu, etwa aufgrund einer Behinderung, nicht in der Lage ist, hat es schwer. Brockhaus: "Wir machen in unseren Projekten Menschen mit Behinderungen fit für die Landwirtschaft. Eine Idee, wie die der drei Jungforscher, kann sicher vielen Menschen den Alltag erleichtern und ihnen helfen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen."

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Über die CBM

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit mehr als 110 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im vergangenen Jahr förderte die CBM 460 Projekte in 48 Ländern.