Türöffner zur Inklusion

Schülerinnen aus Husum und Ostenfeld gewinnen Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Zwei Mädchen stehen vor einer Tür. © Hadenfeldt
Milana Glanznig aus Ostenfeld und Amelie Werner aus Husum (v.l.n.r.) gewinnen den CBM-Sonderpreis „Innovationen für Menschen mit Behinderungen" in der Alterskategorie "Schüler experimentieren" .

Bensheim/Husum, 11. Mai 2021. Wer im Rollstuhl unterwegs ist, kennt den Frust, wenn Türen zum Hindernis werden. Eine Person, die direkt davor sitzt, kann sie kaum öffnen. Daher sind automatische, barrierefreie Türen in öffentlichen Gebäuden bereits Vorgabe. Für eilige Gehende dauert es aber oft zu lange, bis die Tür aufgeht, und wenn sie von Hand nachhelfen, leidet die Mechanik. Für dieses Problem haben Amelie Werner (14) und Milana Glanznig (14) eine Lösung gefunden: Eine "Manutomatische Tür", die gut für Menschen mit und ohne Behinderung funktioniert.

Für diese Erfindung erhalten die beiden Tüftlerinnen der Theodor-Storm-Schule in Husum den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) "Innovationen für Menschen mit Behinderungen". Der Preis wird ihnen im Rahmen des Landeswettbewerbs Schleswig-Holstein der Stiftung "Jugend forscht" in der Alterskategorie "Schüler experimentieren" verliehen.

Manuell oder automatisch: Offene Türen für alle

Ein Bekannter der Schülerinnen lebt im Rollstuhl und wohnt gemeinsam mit Menschen ohne Behinderung. Das hat die beiden Erfinderinnen zur Entwicklung ihres Prototyps motiviert. Sie haben erkannt, dass Inklusion schon zuhause beginnen muss. Dabei kann die manutomatische Tür eine große Hilfe sein. Sie ist manuell aufzuziehen sowie per Knopfdruck oder Fernbedienung zu öffnen. Dies funktioniert durch einen Linearmotor, der im Boden eingebaut ist. An dessen Ende sitzt ein starker Magnet. An der Unterkante der Tür ist eine Eisenschiene befestigt. Wird nun der Motor durch Knopfdruck aktiviert, bewegt sich die Tür ganz einfach per Magnetkraft. Da der Motor im Boden sitzt und nicht an der Tür selbst, wird er nicht beschädigt, wenn die Tür mit Muskelkraft geöffnet wird. So können Menschen mit und ohne Gehbehinderung problemlos ins Zimmer reinkommen oder hinausgehen.

CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus: "Die Erfindung von Amelie und Milana ist großartig. Wir kennen das Problem selbst. Die Tür zu unserem barrierefreien Büro ist auch immer mal wieder defekt, weil sie manuell aufgemacht wurde. Die Innovation ist aber auch deshalb so genial, weil sie körperlich beeinträchtigten und gesunden Menschen gleichermaßen dabei hilft, barrierefrei miteinander zu leben." Die "Manutomatische Tür" zeigt, wie eine inklusive Gesellschaft funktionieren kann, in der alle von Anfang an die gleichen Chancen haben. "Auch bei unseren Projekten in Entwicklungsländern ist es uns wichtig, inklusive Strukturen zu schaffen", sagt Brockhaus. "Die beiden Jugendlichen haben mit ihrer Idee einen bedeutenden Beitrag dazu geleistet, dass Menschen mit und ohne Behinderungen künftig gleichberechtigt zusammenleben und arbeiten können."

So wie die Vision einer barrierefreien Gesellschaft für alle, ist auch die Arbeit an der manutomatischen Tür noch nicht abgeschlossen. Noch leidet sie an ein paar Kinderkrankheiten, aber die beiden Jungforscherinnen wissen schon, wie sie die beheben können.

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von einer Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird, pandemiebedingt nur online verliehen und ist mit 300 Euro dotiert.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 540 Projekte in 51 Ländern.