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Kaltenkirchner Schüler gewinnt Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM

14-Jähriger hat ein elektronisches Telefonbuch für Menschen mit Sehbehinderung entwickelt. © Nicholas Lefel
Anton Lefel (14) hat ein elektronisches Telefonbuch entwickelt. Dafür erhält er den Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM für Schleswig-Holstein in der Kategorie "Schüler experimentieren".

Kaltenkirchen/Bensheim, 21. Juni 2018. Familie, Bekannte, Ärzte, Friseur oder Blumenladen - wie soll man sich all diese Telefonnummern merken? Gerade ältere Menschen, die nicht mehr gut sehen und kein Smartphone besitzen, können weder auf handschriftliche noch auf digitale Listen zurückgreifen. Dank der Erfindung von Anton Lefel (14) gibt es für sie jetzt eine Lösung: ein elektronisches Telefonbuch. Dafür erhält der Schüler der Freien Waldorfschule Kaltenkirchen den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) "Innovationen für Menschen mit Behinderungen". Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs  Schleswig-Holstein der Stiftung "Jugend forscht" in der Kategorie "Schüler experimentieren" vergeben.

Einfach und praktisch

Antons Großmutter hat eine Sehbehinderung und kann die rund 100 Rufnummern, die sie nutzt, nicht mehr selbst lesen. Für sie hat der 14-Jährige das elektrische Telefonbuch entwickelt. Das Gerät arbeitet akustisch, ist leicht bedienbar und ruft direkt den gewünschten Kontakt an.

Wenn man beispielsweise mit "Hans Müller" sprechen möchte, dreht man ein Rädchen und das Gerät liest das Alphabet schrittweise vor. Bei "M" angekommen, drückt man den einzigen Knopf und es geht von vorne los, nur dass nun alle Einträge unter "M" vorgelesen werden. Beim richtigen Namen drückt der Benutzer nochmal auf die Taste, das Gerät ruft die Nummer automatisch an. Dahinter steckt ein Mini-Computer, der an das Telefonsystem angeschlossen wird. Er hat eine Kontaktliste gespeichert, die andere Familienmitglieder einfach per Smartphone mit neuen Einträgen ergänzen können.

Schon im vergangenen Jahr hat der Schüler mit einer Erfindung für seine Großmutter den CBM-Sonderpreis bekommen, wurde sogar Bundessieger. Damals hat er eine Vorlesehilfe entwickelt, die den gewünschten Text fotografiert und automatisch an die Familie versendet. "Anton hat nicht ohne Grund bereits zum zweiten Mal unseren Sonderpreis gewonnen. Seine Erfindung ist sehr praktisch – vor allem für ältere Menschen, die nicht mit der heutigen Technik aufgewachsen sind", erklärt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. "Dank seines elektronischen Telefonbuchs kann jeder eigenständig kommunizieren. Das ist eine ganz wichtige Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Dies wollen wir auch mit unserer Arbeit für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern erreichen."

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Seit über 100 Jahren Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit über 100 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 628 Projekte in 59 Ländern.