Navigieren wie Batman

Zwei Schülerinnen aus Kaiserslautern gewinnen Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Zwei Mädchen halten ein Gerät in den Händen und schauen lächelnd in die Kamera. © Michael Kaletta

Bensheim/Kaiserslautern. Trotz stark eingeschränkter Sehkraft navigieren Fledermäuse schnell und sicher – mithilfe von Ultraschall. Das Prinzip wollen Carlotta Barth (14) und Emma Kohl (14) als Orientierungshilfe für sehbehinderte oder blinde Menschen nutzbar machen. Sie entwickeln ein kleines Gerät, das Hindernisse ortet und die Person, die es trägt, vor den Barrieren warnt. Für ihre Erfindung erhalten die Schülerinnen des Heinrich-Heine-Gymnasiums Kaiserslautern den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) "Innovationen für Menschen mit Behinderungen". Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Rheinland-Pfalz der Stiftung "Jugend forscht" in der Alterskategorie "Schüler experimentieren" verliehen.

Das Gerät ist nicht viel größer als eine Kompaktkamera. Der Sensor wird am Langstock oder einem Brustgurt getragen. Er sendet hochfrequente Schallwellen aus, die von Barrieren als Echo zurückgeworfen werden. Je schneller das Echo auf den Sensor zurück trifft, desto näher ist ein potenzielles Hindernis. Das ermittelt ein Mikrocontroller durch ein von den Schülerinnen geschriebenes Programm. Sobald der Abstand unter einem Meter liegt, beginnt das Gerät zu piepsen. Das könnte zwar auch lästig werden, dennoch sind sehbehinderte oder blinde Nutzer frühzeitig gewarnt und in der Lage auszuweichen. Außerdem würde eine Variante mit Vibrationsmotoren, wie sie in Handys vorkommen, einen geringen Mehraufwand erfordern.

Mit wenig Geld die Welt verbessern

Weil die Jungforscherinnen die Welt ein wenig besser machen wollen, besteht das im 3-D-Druck erzeugte Gehäuse aus biologisch abbaubarem Kunststoff. Nicht zuletzt verwenden sie kostengünstige Bauteile, was das Hilfsmittel für alle erschwinglich macht. CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus: "Allein, dass junge Menschen wie Emma und Carlotta sich Gedanken machen, wie sie das Leben von Menschen mit Behinderung erleichtern können, stärkt die Aussichten auf eine Zukunft mit mehr Chancengleichheit. Dafür setzen auch wir uns in unserer Projektarbeit in den ärmsten Regionen der Welt ein", sagt der Vorstand. In Entwicklungsländern gibt es nur selten staatliche Hilfe. Deshalb ist es dort besonders wichtig, dass behinderte Menschen ihren Lebenserhalt selbst bestreiten können. Nur so können sie den Kreislauf von Armut und Behinderung durchbrechen. Um dazu einen Beitrag zu leisten, sind die CBM-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort auf einfache und bezahlbare Lösungen angewiesen. Brockhaus: "Es freut uns deshalb besonders, dass die Schülerinnen darauf geachtet haben."

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird pandemiebedingt online vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Über die CBM

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit mehr als 110 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im vergangenen Jahr förderte die CBM 460 Projekte in 48 Ländern.