Intelligenter Blindenstock

Schüler aus Madrid gewinnt Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Ein junge mit einem Gerät in der Hand aus dem Kabel herausragen. © Prem Gurbani
Victor Gurbani (13) hat einen virtuellen Blindenstock entwickelt. Dafür erhält der Schüler der Deutschen Schule Madrid den CBM-Sonderpreis "Innovationen für Menschen mit Behinderungen".

Bensheim/Madrid, 22. September 2021. Wer sich beim Gehen mit dem Langstock orientiert, tastet damit den Weg ab. Victor Gurbani (13) hat ihn digitalisiert und einen virtuellen Blindenstock entwickelt. Dafür erhält der Schüler der Deutschen Schule Madrid den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) "Innovationen für Menschen mit Behinderungen". Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Nordrhein-Westfalen der Stiftung "Jugend forscht" in der Alterskategorie "Schüler experimentieren" verliehen. Die deutschen Schulen im Ausland werden einzelnen Bundesländern zugeordnet – beim Lehrplan und bei Wettbewerben.

Das Gerät von Victor wird in der Hand getragen und tastet, analog zum Langstock, die Umgebung ab – allerdings mit Ultraschallwellen. Kommt der Nutzer damit einem Hindernis zu nah, gibt es je nach Entfernung verschiedene Warntöne ab, beziehungsweise vibriert bei Bedarf mit unterschiedlicher Intensität. Der Prototyp ist bisher nicht sonderlich handlich und steckt in einem provisorischen Gehäuse aus einer Plastikflasche. Kleine Batterien und ein wasserdichtes Gehäuse hat der  Jungforscher schon in der Planung, denn ihm schwebt eine serielle Produktion vor. Bereits umgesetzt hat er dafür interessante Zusatzfunktionen des virtuellen Langstocks auf dem Handy.

App erleichtert Bedienung

Seine Orientierungshilfe kann per Computer oder Smartphone-Anwendung auf die passende virtuelle Länge und Abstände eingestellt werden. Zur leichteren Bedienung für blinde oder sehbehinderte Menschen hat Victor die App so eingerichtet, dass jedes Bedienfeld auf der Benutzeroberfläche bei Berührung per Sprachausgabe benannt wird. Darüber hinaus gibt es eine SOS-Taste für den Fall, dass eine Person die Orientierung verliert. Mit der Funktion kann eine WhatsApp-Nachricht gesendet werden, welche die per GPS ermittelten Standortdaten enthält. Im Gegensatz zum eigentlichen Gerät steht die App (bisher nur für Android) bereits kostenfrei zum Herunterladen zur Verfügung. 

CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus: "Victor hat sich Gedanken gemacht, wie er den Alltag von blinden oder sehbehinderten Menschen erleichtern kann und seine Entwicklung mit großem Einsatz vorangetrieben. Das ist eine beträchtliche Leistung", lobt der Vorstand. "Eigenständige und sichere Fortbewegung ist die Voraussetzung, dass Menschen trotz Behinderung am sozialen und wirtschaftlichen Leben teilhaben können. Das gilt besonders in Ländern mit mangelnder medizinischer und sozialer Infrastruktur. Daher setzen wir in den CBM-Projekten in den ärmsten Ländern neben Prävention und medizinischer Versorgung auch auf Orientierungs- und Mobilitätstrainings. Denn wer sich ohne fremde Hilfe fortbewegen kann, hat eine Chance den Kreislauf von Behinderung und Armut zu durchbrechen."

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird pandemiebedingt online vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Über die CBM

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit mehr als 110 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im vergangenen Jahr förderte die CBM 460 Projekte in 48 Ländern.