Blind gleichfarbige Socken finden

Lüneburger Schüler gewinnt Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM

Ein 15-Jähriger Schüler hat ein kostengünstiges Farberkennungsgerät für Menschen mit Sehbehinderungen entwickelt. © FaridYousif
Mohammad Yousif (15) aus Lüneburg erhält den Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM für Niedersachsen in der Kategorie "Schüler experimentieren".

Lüneburg/Bensheim, 24. Mai 2018. Haben die beiden Socken die gleiche Farbe? Sind die Äpfel schon rot und können gepflückt werden? Wo ist der blaue Ordner mit den Unterlagen? Für Menschen mit einer Sehbehinderung sind das nahezu unlösbare Aufgaben. Helfen kann die Erfindung von Mohammad Yousif (15): Er hat sich der Frage nach der Farbe technisch genähert, indem er überprüfte was ein RGB-Farbsensor leisten kann. Der Schüler des Gymnasiums Johanneum Lüneburg erhält dafür den Sonderpreis "Innovationen für Menschen mit Behinderungen" der Christoffel-Blindenmission (CBM). Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Niedersachsen der Stiftung "Jugend forscht" in der Kategorie "Schüler experimentieren" vergeben.

Ein Computerprogramm errechnet die Farbe

Farberkennungsgeräte für Menschen mit Sehbehinderungen gibt es bereits auf dem Markt. Allerdings kosten die kleinen Geräte rund 200 Euro – für viele Menschen ist das zu teuer. Mohammad strebte mit der verbesserten Version seiner Erfindung Kosten von nur 50 Euro an. Dafür führte er viele Tests durch. Der RGB-Sensor, den er untersuchte, misst die Anteile von Rot, Gelb und Blau im Licht. Mit diesem Sensor hat der junge Lüneburger ein selbst entwickeltes Computerprogramm verknüpft, das aus den Daten die vorliegende Farbe errechnet. So kann das Gerät die Farbe von Gegenständen erkennen.

"Die CBM arbeitet in Entwicklungsländern für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Mohammads Entwicklung kann dazu einen Beitrag leisten", erklärt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. "Da das Gerät kostengünstig ist und zukünftig mit Solarenergie betrieben werden soll, ist ein Einsatz auch in armen Regionen gut möglich."

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Seit über 100 Jahren Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit über 100 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 628 Projekte in 59 Ländern.