Joystick statt Muskelkraft

Schüler aus Bremen gewinnen Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Ein Junge schiebt einen Koffer-Wagen, ein zweiter steht daneben © Thomas Behrmann
v.l. Carmine und Oskar mit ihrem motorisierten Gepäckwagen

Bensheim/Bremen, 26. Juni 2019. Einen vollgeladenen Gepäckwagen zu schieben ist kein Vergnügen. Für Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind oder wenig Kraft haben, ist es sogar ein echtes Problem. Oskar Behrmann und Carmine Randazzo (beide 13) haben deshalb einen Gepäckwagen motorisiert. Für diese Erfindung erhalten die Schüler der Oberschule am Barkhof in Bremen den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) „Innovationen für Menschen mit Behinderungen“. Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Bremen der Stiftung „Jugend forscht“ in der Alterskategorie „Schüler experimentieren“ verliehen.

Erfindung für Eigenständigkeit

Eine Beobachtung während ihres Urlaubs hat die beiden Jungforscher auf die Idee gebracht, die Handhabung eines Gepäckwagens zu erleichtern. Sie entwickelten die dafür nötige Software und Technik zunächst an einem Modell. Anschließend bauten sie einen echten Gepäckwagen entsprechend um. Mit einem Joystick an der Schiebestange können sie die Koffer nun sogar über Steigungen einfach transportieren. Die Sicherheit hatten die beiden dabei ständig im Blick. Gerade einmal fünf Stundenkilometer fährt der Koffertransporter, also Schrittgeschwindigkeit. Außerdem reagiert er dank Ultraschall-Sensoren auf Menschen, Wände und Gegenstände, indem er automatisch langsamer wird und anhält. Der Motor ihres Gepäckwagens übernimmt das Bremsen, und nur wenn eine Hand an der Schiebestange ist, setzt sich der Transporter in Bewegung.

„Oskar und Carmine haben Erfindergeist bewiesen und ihre Idee gut durchdacht“, lobt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus die beiden Teenager. „Mit ihrem Gepäckwagen können Menschen mit Gehbehinderungen auch beim Reisen selbständig bleiben. In unserer Arbeit setzen wir uns ebenfalls dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern möglichst eigenständig leben können. Deshalb gefällt mir die Erfindung der beiden wirklich gut.“

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 530 Projekte in 54 Ländern.