Forschung im Küchenlabor

Zwei Schüler aus Berlin gewinnen Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Zwei Jungen halten jeweils eine Trichter und kleine Plastikflaschen in Händen. © Anneliese Bachmann
Kian Kruschke und Felipe Saa Hüttel (v.l.) gewinnen den CBM-Sonderpreis "Innovationen für Menschen mit Behinderungen" in der Alterskategorie "Schüler experimentieren".

Bensheim/Berlin, 7. Oktober 2021. Beim Reinkommen nur noch Nebel sehen, das kennen alle, die Brille tragen – besonders mit einer Mund-Nasen-Maske. Das sieht nicht nur komisch aus, sondern kann auch gefährlich werden. Zwei Schüler aus Berlin forschen zu dieser Begleiterscheinung des Pandemiealltags. Felipe Saa Hüttel (12) und Kian Kruschke (11) recherchieren und testen wie das Beschlagen der Brillengläser zu verhindern ist. Dafür erhalten die ehemaligen Schüler der Möwensee-Grundschule Berlin den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) "Innovationen für Menschen mit Behinderungen". Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Berlin der Stiftung "Jugend forscht" in der Alterskategorie "Schüler experimentieren" verliehen.

Die Jungforscher finden heraus, dass die Gläser beschlagen, weil die Atemluft unter der Maske nach oben steigt. Den oberen Maskenrand nach innen umschlagen und unter dem Brillenrand tragen, scheint dem entgegenzuwirken, genauso wie durch den Mund nach unten Ausatmen. Die Schüler gehen aber davon aus, dass sie ein Beschlagen der Brille durch Auftragen einer Substanz verhindern können. Dazu testen sie verschiedene Haushaltsmittel von Vaseline bis Spülmittel und ein Profiprodukt aus dem Brillengeschäft.

Welches (Haus-)Mittel hilft am besten?

Im Topf-Wasserdampf-Versuch erproben Felipe und Kian die Testsubstanzen auf ihre Wirksamkeit. Sie messen die Zeitspanne, bis die im aufsteigenden Dampf beschlagenen Gläser entschlagen. Die besten Werte erzielen das Antibeschlag-Set aus Spray und imprägniertem Mikrofasertuch aus dem Fachhandel (1,3 Sekunden) sowie eine Spülmittel-Wasser-Mischung im Verhältnis 3:1 (7,3 Sekunden). Gar nicht funktioniert Vaseline. Die als geeignet eingestuften Mittel unterziehen die beiden einem Alltagstest mit vier Testpersonen. Mit der besten Wirkung schneidet die Kombination aus Spray und Tuch ab. Im Vergleich viel kostengünstiger und immer noch gut wirksam ist das verdünnte Spüli. Wer damit eine Sprühflasche füllt und mit einem Mikrofasertuch verwendet, sollte fast nebelfrei und vor allem kostengünstig den Durchblick behalten. 

CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus: "Felipe und Kian zählen zu den Wenigen, die ein Problem, das viele kennen, lösungsorientiert angehen. Und das schon im Grundschulalter. Das ist bemerkenswert." Er ergänzt: "Menschen mit Sehbehinderungen erleben zahlreiche Barrieren. Insbesondere, wenn sie in den ärmsten Regionen der Welt leben. Die CBM arbeitet mit ihren lokalen daran, diese Barrieren abzubauen. Wir freuen uns aber auch über jeden Beitrag, der hierzulande Menschen mit Sehproblemen hilft."

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird pandemiebedingt online vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Über die CBM

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit mehr als 110 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im vergangenen Jahr förderte die CBM 460 Projekte in 48 Ländern.