Sicher ins Rollen kommen

Kaufbeurer Schülerin gewinnt Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM

13-jährige Schülerin hat ein Bremssystem entwickelt, mit dem sich ein Rollator nicht ungewollt in Bewegung setzt © Klaus Achatz
Anna Achatz hat ein Bremssystem entwickelt, mit dem sich ein Rollator nicht ungewollt in Bewegung setzt. Dafür erhält sie den Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM für Bayern in der Kategorie "Schüler experimentieren".

Germaringen/Bensheim, 23. Mai 2018. Ein Rollator ist eine tolle Sache. Er macht Menschen mobil, die nicht mehr so sicher auf den Beinen sind. Wenn er sich allerdings ungewollt in Bewegung setzt, birgt er auch Risiken. Anna Achatz (13) aus Germaringen hat ein Bremssystem entwickelt, damit das nicht mehr passiert. Die Schülerin des Mariengymnasiums Kaufbeuren erhält dafür den Sonderpreis "Innovationen für Menschen mit Behinderungen" der Christoffel-Blindenmission (CBM). Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Bayern der Stiftung "Jugend forscht" in der Kategorie "Schüler experimentieren" vergeben.

Getestet und für gut befunden

Zusätzlich zu den manuellen Bremsen eines Rollators hat Anna elektrische eingebaut. Sensoren an den Griffen erkennen, wenn beide Hände die Griffe loslassen und blockieren die Räder automatisch, damit die Gehhilfe nicht wegrollt. Die elektrischen Bremsen bleiben aktiv, auch wenn die Hände wieder auf den Griffen liegen. Die Nutzerin oder der Nutzer könnte sich also auch nach einem Sturz daran hochziehen. Erst wenn die manuelle Bremse betätigt wird, rollen die Räder wieder. So hat Anna dafür gesorgt, dass die Nutzer sicher loslaufen können, denn die manuelle Bremse kann langsam gelöst werden.

Anna hat ihre Entwicklung von Patienten, Pflegenden und Mitarbeitenden eines Sanitätshauses testen lassen. Für den Landeswettbewerb hat sie nochmal nachgebessert, zum Beispiel für Menschen, die einseitig gelähmt sind. Sie bedienen nun die Bremse wahlweise mit der linken oder der rechten Hand.

"Menschen mit Geheinschränkungen müssen sich dank Annas Bremssystem keine Sorgen mehr machen, dass sie stürzen. Auch die CBM arbeitet in Entwicklungsländern daran, behinderten Menschen zu mehr Selbstständigkeit im alltäglichen Leben zu verhelfen und Barrieren abzubauen. Angst ist eine große Barriere und Anna hat sie mit ihrer elektrischen Bremse für Rollator-Nutzerinnen und -Nutzer verringert", erklärt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus.

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Seit über 100 Jahren Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit über 100 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 628 Projekte in 59 Ländern.