Tischlein, deck dich!

Schüler aus Saalfeld gewinnt Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Eine Junge hält das Modell einer Küche im Arm. © Mario Krosch
Tino Krosch (12) hat eine vollautomatische, barrierefreie Küche entwickelt. Dafür erhält er den Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM für Thüringen in der Kategorie "Schüler experimentieren".

Bensheim/Saalfeld, 10. Mai 2019. Wer kleine Kinder hat, im Rollstuhl sitzt oder besonders groß gewachsen ist, kennt das Problem: die Arbeitsplatte in der Küche hat eigentlich nie die richtige Höhe. Dafür und für andere Herausforderungen beim Kochen hat der Saalfelder Tino Krosch (12) eine Lösung entwickelt: Sein Modell einer vollautomatischen Küche. Für diese Erfindung erhält der Schüler des Heinrich-Böll-Gymnasiums den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) „Innovationen für Menschen mit Behinderungen“. Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Thüringen der Stiftung „Jugend forscht“ in der Alterskategorie „Schüler experimentieren“ verliehen.

Märchenhafte Tüftelei

Geradezu märchenhaft ist die Erfindung des Zwölfjährigen: Auf Knopfdruck kann man die Höhe der Arbeitsplatte an die eigene Körpergroße anpassen und die Oberschränke per Seilwinde nach unten holen. Damit sorgt Tino Krosch für Barrierefreiheit in seiner Küche. Das Wasser geht durch einen Sensor an, sobald der Topf unter den Hahn gehalten wird. Sogar der Mülleimer öffnet sich dank der gleichen Technik wie von Zauberhand. So können Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, beides einfacher bedienen. Der absolute Clou ist aber der Tisch, der sich – wie im gleichnamigen Märchen – selbst deckt und sogar reinigt. Dafür hat sich Tino eine Konstruktion ausgedacht, die wie eine klassische Spülmaschine funktioniert mit einer Art Laufband, auf der die Teller durchfahren. Nur das Essen muss jeder noch selbst kochen und auftischen. Insgesamt verspricht die automatische Küche, den Alltag Vieler enorm zu erleichtern, allen voran Menschen mit Behinderungen.

CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus: „Tinos Entwicklungen verhelfen ganz vielen Menschen zu mehr Selbstständigkeit. Das ist auch unser Anliegen. Die CBM arbeitet in Entwicklungsländern daran, behinderten Menschen zu mehr Unabhängigkeit im alltäglichen Leben zu verhelfen und Barrieren abzubauen. Tino hat mit seinem Projekt vorgemacht, wie das möglich ist.“

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 530 Projekte in 54 Ländern.