Sehender Blindenstock

Schüler aus Kirchdorf am Inn gewinnen Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Zwei Jungen stehen auf einer Treppen, der eine hält ein langes Rohr vor sich. © Armin Weigel
(v.l.) Johannes Eller (13) und Hannes Eichinger (12) haben eine Taststock entwickelt, der ohne Pendeln Hindernisse erkennt und durch ein akustisches Signal warnt. Dafür erhält er den Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM für Bayern in der Kategorie "Schüler experimentieren".

Bensheim/Kirchdorf am Inn, 13. Juni 2019. Hin und her pendelt oder schleift der Taststock, wenn blinde und sehbehinderte Menschen mit ihm unterwegs sind. So erkennen sie Hindernisse und geraten nicht ins Stolpern. Hannes Eichinger (12) und Johannes Eller (13) aus Kirchdorf am Inn haben einen Stock entwickelt, der ohne Pendeln Hindernisse erkennt und den Nutzer oder die Nutzerin durch ein akustisches Signal warnt. Für diese Erfindung erhalten die Schüler der staatlichen Realschule Simbach den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) „Innovationen für Menschen mit Behinderungen“. Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Bayern der Stiftung „Jugend forscht“ in der Alterskategorie „Schüler experimentieren“ verliehen.

Piepsen warnt vor Stolperfallen

Hannes und Johannes haben verschiedene Materialien getestet für ihren Blindenstock. Ihre Wahl ist auf Carbon gefallen. Bestückt ist das Carbon-Rohr mit einem Rückfahrsensor, wie Autos ihn zum Einparken nutzen, und einem Rad für die einfachere Bodenführung. Kommen eine Stufe oder ein herumliegender Gegenstand vor den Sensor, piepst der Stock und warnt den Nutzer, bevor der Stock das Hindernis überhaupt berührt. Menschen mit Sehbehinderungen können so der Stolperfalle aus dem Weg gehen.

Die zwei Bayern haben außerdem noch viele Verbesserungen vorgesehen, auf die auch die CBM gespannt ist. Zum einen soll das Design an die gesetzlichen Vorgaben angepasst werden, denn ein Blindenstock muss laut Gesetz weiß und mit Reflektoren bestückt sein. Zum anderen wollen sie die Batterien durch einen Akku ersetzen und eine mobile Lademöglichkeit entwickeln. „Die beiden Schüler haben ein klassisches Hilfsmittel mit moderner Technik kombiniert und so etwas Neues geschaffen“, lobt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. „Innovationen sind der Grundstein für mehr Lebensqualität und Fortschritt. Auch die CBM setzt bei ihrer Arbeit für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern immer wieder neue Techniken ein. Zum Beispiel nutzen wir seit kurzem eine Smartphone-App, mit der Laien zuverlässig das Sehvermögen von Menschen testen können.“

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 530 Projekte in 54 Ländern.